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Stadtführung durch die Solinger Innenstadt

Serie Mein Solingen : Auf den Spuren der goldenen Zeit

Innenstadtnah und mit grünen Oasen: Stadtführer Friedhelm Funk präsentiert bei seinem Rundgang prachtvolle Häuser.

Die in Wilhelminischer / Jugenstil-Bauweise errichteten Häuser sind überwiegend auch heute noch prächtig in Schuss. Sowohl auf der Klemens-Horn-Straße als auch die auf der Kurfürstenstraße. „Die sind alle zwischen 1900 bis 1903 gebaut worden“, sagt Friedhelm Funk. Er ist seit 2003 Stadtführer und hat sich im vergangenen Jahr eine Tour durch den Stadtbezirk Mitte erarbeitet. Ausgehend vom neuen Rathaus führt der Rundgang über die Klemens-Horn-Straße, Kreuzstraße, Cäcilienstraße und zurück zum Ausgangspunkt über die Kurfürstenstraße.

Dort, wo heute das von der Stadtverwaltung angemietete neue Rathaus steht, war bis 1915 das Solinger Krankenhaus, das danach an der Gotenstraße einen neuen Standort fand. Die Postadresse hieß nicht Konrad-Adenauer-Straße, vielmehr Kaiserstraße. Und Chefärzte wie Ärzte wohnten nicht weit weg von ihrer Arbeitsstätte. Sie bezogen schmucke Häuser, die durch Privatinitiative entlang der Kurfürstenstraße und der Klemens-Horn-Straße (damals hieß sie noch Weststraße) entstanden sind. „Der Stahlhändler Hermann Rauh wusste schon damals, dass man nicht nur mit Stahl, sondern auch mit Immobilien sein Geld verdienen konnte“, berichtet Friedhelm Funk.

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Er sieht in der Zeit von 1870 bis 1910 ohnehin die goldene Zeit von Solingen. „Es gab hier richtig reiche Leute“, sagt er mit Blick auf die beiden innerstädtischen Straßen. „Das war eine sehr gute Wohngegend“. In den Häusern dort gibt es heute zum Teil Eigentumswohnungen. Aber auch Billigquartiere haben sich dort im Laufe der Zeit etabliert. Ihren ansehnlichen Charakter haben sie allerdings nicht verloren.

Für Friedhelm Funk sind es nicht nur die herrschaftlichen Häuser mit der guten Bausubstanz entlang der Kurfürstenstraße und Klemens-Horn-Straße (Klemens Horn war ein bekannter Waffenschmied). Auch die Siedlung des 1897 gegründeten Spar- und Bauvereins Solingen entlang der Kreuz- und Cäcilienstraße, die in den 1920er Jahren entstanden ist, mit ihrem wunderschönen begrünten Innenhof und dem Teich haben es dem Stadtführer angetan. Eine grüne Oase mit City-Anschluss, wie die Genossenschaft findet. Auch dieser Bereich ist Teil der Stadtführung durch den Bezirk Mitte. „Damals wurde beim Bau der Häuser sehr darauf geachtet, dass sie grüne Hinterhöfe haben“, erzählt Funk.

Solingen war nicht nur eine Klingen-Hochburg, von 1890 bis etwa 1960 sogar eine Fahrrad-Hochburg. Auch hier verdienten die Unternehmer richtig viel Geld. „Bis zu 100.000 Fahrräder im Jahr wurden allein unter dem Markennamen Patria-WKC gefertigt. Die Firma hatte ihren Sitz dort, wo heute Seniorenwohnungen stehen. „Eines der deutschlandweit bekanntesten Radrennen wurde früher auch in Solingen ausgetragen. Rund um Vorspel hieß es, Start und Ziel war die Ecke Klemens-Horn-Straße/Kreuzstraße“, erklärt Friedhelm Funk. Von dort ging es über einen Rundkurs über die Burgstraße, Blumenstraße, Augustastraße zurück zur Kreuzstraße. Stadtbekannt war bei diesen Rennen nicht nur Patria-WKC-Werksprofi Paul Süß, sondern auch Max Waluga, der als Moderator des Straßenradrennens fungierte.

Es sind nicht nur die großen Radsportereignisse, die beim Rundgang mit dem Stadtführer im Gedächtnis hängenbleiben. So erfährt man auch, dass viele der schmucken Häuser im Zweiten Weltkrieg von der Bombardierung verschont geblieben waren. Im Ersten Weltkrieg diente übrigens das Haus Kurfürstenstraße 15 als Lazarett. Gleich nebenan, in Nummer 11, wohnte der ehemalige Marinearzt Richard Dönhoff, der auch dafür sorgte, dass sich in Solingen eine Marinekameradschaft etablierte. Diese gibt es heute noch. Im Haus an der Kurfürstenstraße 9 wohnte Dr. August Hülsmann, Chefarzt des Solinger Krankenhauses.

Das Haus Kurfürstenstraße 13 sucht man indes vergebens. Es gibt es nicht. „Aberglaube“, sagt Friedhelm Funk, „und weil die Häuser und die Straße damals aus Privatinitiative entstanden sind, wurde dies auch geduldet“. Und es wird bis heute toleriert.

Dieses und weitere Geheimnisse erzählt Stadtführer Friedhelm Funk bei seiner nächsten Führung durch Mitte am Sonntag, 2. September.

www.stadtfuehrungen-solingen.de