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Stadtensemble Solingen: Viel Applaus für "Besuch der alten Dame"

Solinger Stadtensemble in der Cobra : Alte Dame zu Besuch auf drei Bühnen

Das Solinger Stadtensemble brachte den Dürrenmatt-Klassiker „Besuch der alten Dame“ auf die Bühne – besser gesagt auf drei parallele Bühnen. Gespielt wurde ausnahmsweise in der Cobra.

Der Besuch der alten Dame konnte nicht wie gewohnt im Theater und Konzerthaus stattfinden. Stattdessen diesmal in der Cobra, was einem besonderen Schauspielabend keinen Abbruch tat – im Gegenteil.

Schauerlich aktuell konnte es einem werden, als der Schlusschor schließlich ansetzte – die Hände blutrot aus eigener Schuld –, Dürrenmatts Verse von durch Kornfelder rasselnden Panzern und dem sonnenhaften Pilz der Atombombe zu zitieren. Die tragische Komödie des Schweizer Schriftstellers und Dramatikers Friedrich Dürrenmatt – mit dessen Finale in Anlehnung an das klassische Drama Antigone des antiken griechischen Dichters Sophokles – wurde am 29. Januar 1956 im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Es war Dürrenmatts erster großer Welterfolg.

Am schäbigen Bahnhof der heruntergekommenen Kleinstadt Güllen erwarten die Bewohner die Ankunft ihrer ehemaligen Mitbürgerin Klara Wäscher, die hier einst ins Elend gestoßen wurde. Als mondäne Milliardärin Claire Zachanassian vollendet sie mittels ihres erheirateten Reichtums nun ihre seit langem vorbereitete Rache. Eine Milliarde Mörderlohn stellt sie für das Leben ihres ehemaligen treulosen Liebhabers Alfred Ill. den Güllenern in Aussicht. Genüsslich und mit größter Gelassenheit beobachtet die Misanthropin, wie die Gemeinde allmählich der Versuchung nachgibt, die eigene Moral verrät und ihren einst beliebten Mitbürger schließlich opfert, um sich selbst zu sanieren.

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Die voll besetzten gut 120 Stühle im 45-Grad-Winkel zur Hauptbühne angeordnet, um gute Sicht auf alle drei Spielorte zu ermöglichen, inszenierte Regisseur Michael Tesch den berühmten Stoff eigens auf die besonderen Begebenheiten des Saals der Cobra abgestimmt.

Das Solinger Stadtensemble um Renate Kemperdick in der Hauptrolle der Claire Zachanassian, im grotesken Duell mit Uwe Dahlhaus als Alfred III., entlarvt in seiner Aufführung eindrücklich Scheinmoral, Käuflichkeit und Eigennutz zwischen tragischem Konflikt und spießigem Milieu. Mit dem so scheinheiligen wie doppeldeutigen Appell des Bürgermeisters an seine Mitbürger im Wirtshaus „Zum Goldenen Apostel“, gelang Darsteller Alexander Riedel eine starke Ansprache an Ensemble und Publikum, die szenisch zusammenrückten.

„Uns macht die Aufführung enorm viel Spaß, auch wenn die vielen Ortswechsel etwas ungewohnt und auch anstrengend sind. Aber dafür hatten wir im Vorfeld besonders intensiv geprobt“, erläuterte Uwe Dahlhaus. Besonders, nachdem die Vorführung terminlich sowie zuletzt auch örtlich verschoben werden musste, freue alle die sehr große Resonanz ganz besonders. Denn: „Zuletzt rafft sich längst nicht jeder so auf wie noch vor Corona“, so Dahlhaus mit Blick auf die drei ausverkauften Vorstellungen des Stückes.

„Wir sind extra etwas früher gekommen. Meine Frau und ich sitzen mittig in einer der vorderen Reihen und können alles sehr gut sehen und hören“, meinte Harald Reith, ein Freund von Holger Langenberg, des Darstellers der Gatten sieben und acht der Claire Zachanassian. Die lokal ehrenamtlich sehr engagierte Barbara Müller saß mit Ehemann hingegen in einer die hinteren Reihen und befand den Schauspielabend ebenfalls für „voll gelungen“.

Die dreizehn Bühnendarsteller des Solinger Stadtensembles brachten zusammen mit Technik, Team und Kulturmanagement auf bemerkenswertem Niveau einen zeitgenössischen Klassiker der Theaterliteratur auf die drei Bühnen der Cobra. So harmlos der Titel auch anklingt – so brutal das Ende des Stücks. Ein Nachkriegsdrama aus den 1950ern, heute in vielerlei Hinsicht wieder bedrückend aktuell. Die Premiere am Mittwoch fiel dabei auf den Tag der ersten Teilmobilmachung russischer Streitkräfte seit dem Zweiten Weltkrieg.