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Solingen: Stadt will Salafisten beobachten

Solingen : Stadt will Salafisten beobachten

Die Islamisten sind an Haupt-, Real- und Gesamtschulen aktiv. Dabei setzen Schüler vor allem Mitschülerinnen unter Druck, berichtet ein Insider von der Realschule Vogelsang. Schulleitung und Stadt sind besorgt.

Der Morgenpost-Bericht über Aktivitäten von Salafisten an Solinger Schulen hat die Verantwortlichen der Stadt alarmiert. "Wir werden die Entwicklung genau im Auge behalten", sagte die städtische Integrationsbeauftragte Anne Wehkamp gegenüber unserer Zeitung. Sollten sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass Anhänger der radikal-islamischen Gruppe Schüler zu beeinflussen versuchten, werde man reagieren, so Wehkamp gestern. Wehkamp: "Es ist wichtig, wachsam zu sein."

In den zurückliegenden Monaten waren in der Innenstadt Aufkleber aufgetaucht, auf denen für die Bewegung geworben wird, der auch die beiden unter Terrorverdacht in England inhaftierten Solinger zugerechnet werden. Nach Einschätzung von Insidern belassen es die Salafisten in Solingen aber nicht allein bei dieser Form der Propaganda. Vielmehr sind die radikalen Muslime vor allem an Haupt-, Real- und Gesamtschulen aktiv. "Schüler bringen dabei das Gedankengut, das sie zuvor in den Elternhäusern kennengelernt haben, mit in die Schule", sagt ein Experte. Dadurch beginne eine verhängnisvolle Entwicklung. So setzten die besagten Schüler beispielsweise Mitschülerinnen unter Druck, ein Kopftuch zu tragen. Eine Schule, die offenbar verstärkt im Fokus der Salafisten steht, ist die Realschule Vogelsang. "Dort werden in einzelnen Fällen vor allem Mädchen immer wieder massiv unter Druck gesetzt", sagt ein Insider.

In der Schule reagierte man gestern mit Besorgnis auf solche Berichte. Zwar seien noch keine konkreten Fälle bekanntgeworden, in denen es zu einer salafistischen Beeinflussung von Schülern gekommen sei, sagte die kommissarische Schulleiterin Birgit Schoel. Man werde aber konsequent einschreiten, sobald beispielsweise Klassenlehrer Auffälligkeiten bemerken würden.

"Wir hatten schon einmal Schwierigkeiten mit Extremisten", sagte die kommissarische Schulleiterin. So hätten Mitglieder einer rechtspopulistischen Partei vor einiger Zeit versucht, ihr Propagandamaterial in Form von Flyern unter den Schülern zu verteilen. "Damals haben wir die Polizei gerufen", so Schoel.

Gleichzeitig betonten sie und die Integrationsbeauftragte Anne Wehkamp, eine Verfolgung salafistischer Umtriebe bedeute keineswegs einen Generalverdacht gegen Muslime. "Wir haben an unserer Schule viele Schülerinnen und Schüler mit ausländischen Wurzeln. Und uns ist diese Vielfalt auch wichtig", sagte Birgit Schoel.

(RP/url)