Solingen: Stadt will mehr Einwanderer in der Verwaltung

Solingen: Stadt will mehr Einwanderer in der Verwaltung

Integrationskongress fordert "interkulturelle Öffnung". Migrantenanteil in Rathäusern soll Bevölkerung entsprechen.

700 Gäste tauschten sich gestern im Foyer des Konzertsaals aus, steckten Broschüren ein oder hörten Vorträge. Etwas abseits im ehemaligen Theaterrestaurant unterzeichneten OB Norbert Feith (CDU) und NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) eine Vereinbarung zur "interkulturellen Öffnung."

Dahinter verbirgt sich das Ziel, mehr Menschen aus Einwandererfamilien im öffentlichen Dienst zu beschäftigen — etwa als Lehrer, Polizisten oder Stadtmitarbeiter. "Wir machen in Ausschreibungen darauf aufmerksam, dass wir Menschen mit Migrationshintergrund wünschen", sagte Feith. Die Initiative von Stadt und Land soll das Vertrauen von Zuwanderern in Behörden erhöhen und das Wissen in städtischen Einrichtungen über andere Kulturen verbessern.

Im Zuge des Integrationsgesetzes von 2012 verpflichtet sich NRW, den öffentlichen Dienst stärker für Migranten zu öffnen. Zwölf Prozent der vom Land Beschäftigten haben eine Zuwanderungsgeschichte. Angestrebt werden 25 Prozent, was dem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Einwanderer mit gehobenen Positionen in der Politik sollen Vorbilder sein. "Im Moment kann ein in Solingen lebender Türke Chef der Lufthansa werden, aber nicht Bezirksbürgermeister", sagte Minister Schneider.

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Stadt und Land wollen sich über die Entwicklung regelmäßig austauschen. Ähnliche Vereinbarungen hat NRW bereits mit zehn anderen Städten sowie Wohlfahrtsverbänden und Unternehmen beschlossen. "Der Zugang von Zuwanderern zu Spitzenpositionen ist nicht nur ein Thema großer, sondern auch mittelständischer Betriebe", so Guntram Schneider. "Traut Euch! Ihr könnt es schaffen", sei die Botschaft an junge Leute mit verschiedenen kulturellen Hintergründen.

Auch auf Ungleichheiten im Bildungssystem ging Schneider ein. "Der Anteil von Schulabgängern ohne Abschluss ist bei Migranten doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Bevölkerung", sagte er. Gleichzeitig erreiche nur jeder vierte Schüler aus einer Einwandererfamilie das Abitur gegenüber jedem zweiten Schüler ohne Migrationshintergrund. Norbert Feith betonte, der Migrantenanteil an städtischen Mitarbeitern liege bei 20 Prozent. "Das ist für uns aber nur ein Zwischenergebnis", betonte der OB. In Solingen hat rund ein Drittel der Bevölkerung einen Einwanderungshintergrund.

(ied)
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