Solingen: Stadt will Kompromiss für "10"

Solingen: Stadt will Kompromiss für "10"

Rund 100 Demonstranten protestierten gestern vor dem Rathaus gegen die Schließung der Notschlafstelle an der Hermannstraße. Die Stadt ist weiter für eine Angliederung an das Heim Kannenhof und will das dortige Konzept ändern. Die Gegner halten das aber für den falschen Weg.

Der junge Mann mit Megafon machte richtig Lärm. Aber Krach ist nicht alles — und so lohnte es sich dann auch, dem Einpeitscher der rund 100 hauptsächlich jugendlichen Demonstranten gestern Nachmittag vor dem Rathaus etwas genauer zuzuhören. "Ich war in Heimen und in Pflegefamilien, aber erst in der ,10' habe ich eine Familie gefunden", brüllte der junge Mann also über den Rathausplatz — als schließlich der eigentliche Adressat der Botschaft das Wort ergriff.

"Wir werden ein Angebot schaffen", versprach OB Norbert Feith den Protestierenden, die gegen eine Schließung der Notschlafstelle "Die 10" mobil gemacht hatten sowie mit Schlafsäcken angerückt waren, um so zu zeigen, welches Schicksal zukünftig obdachlosen Jugendlichen drohen könnte. Ein Leben auf der Straße? Nun, so schlimm wirds nicht kommen, aber tatsächlich erscheint eine Lösung nötig, sollte die Politik dem 125 000-Euro-Sparvorschlag der Verwaltung zustimmen, die in die Jahre gekommene städtische Anlaufstelle für Jugendliche sowie junge Erwachsene in Not an der Hermannstraße dicht zu machen. Denn obwohl die Einrichtung bereits seit 28 Jahren besteht, erscheint sie den Verantwortlichen so notwendig wie nie. " Allein 2009 waren 117 junge Leute hier", berichtete Tanja Isphording vom Förderverein für die "10".

Also "Sparen ja, schließen nein", wie es die Demonstranten forderten? Nun, den Machern der Einrichtung kommt es, so Tanja Isphording, vor allem darauf an, die Konzeption der Notschlafstelle zu behalten. Die sieht nämlich vor, dass unter sowie über 18-Jährige nicht getrennt werden. Isphording: "So können die Leute voneinander lernen." Und dies glaubt man im Jugendheim Kannenhof, wie es der Stadt vorschwebt, nicht durchsetzbar. "Dann müsste dort doch erst mal angebaut werden, um Platz für die Älteren bis 26 zu schaffen", kritisierte Isphording, die sich darin mit Josef Neumann von der Lebenshilfe einig wusste. "Ich habe täglich mit Jugendlichen zu tun, und der Kannenhof ist als Jugendheim eine andere Einrichtung", erklärte Neumann. OB Feith hingegen meint sehr wohl, dass Kannenhof eine "gute Lösung" sein könnte. Gegenüber unserer Zeitung zeigte er Verständnis für die Demonstranten, verwies aber auch auf die Haushaltsnotlage und kündigte an, mit allen Beteiligten das Gespräch zu suchen. Feith: "Eine Möglichkeit wäre, die Konzeption von Kannenhof zu verändern." Eine Richtung, die sich auch der Erste Beigeordnete Hartmut Hoferichter vorstellen kann, der sich wie der OB den Demonstranten stellte. Und bei der Gelegenheit erfuhr, dass es schon 600 Unterschriften für die "10" gibt. "Vielleicht kann sich der eine oder andere ja einbringen", sagte Hoferichter, der es aber noch für zu früh erachtet, von einem Erhalt des baufälligen Hauses zu sprechen. Dort wiederum werden sich am 28. April die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses vor Ort ein Bild machen. Dies erklärte dessen Vorsitzener TimKurzbach am Rande der Demo.

(RP)