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Stadt Solingen wartet auf Antworten vom Land

Corona-Krise in Solingen : Die Stadt erwartet rasche Antworten vom Land

Schule, Impfen, Finanzen – die Stadt Solingen wünscht sich Klarheit von der Landesregierung. Die Zahl der mit Corona Gestorbenen steigt auf 37.

Die Verantwortlichen im Solinger Rathaus fühlen sich bei der Bewältigung der Corona-Krise vom Land NRW weiter im Stich gelassen. So haben sowohl Oberbürgermeister Tim Kurzbach als auch die zuständigen Beigeordneten Dagmar Becker (Grüne) sowie Jan Welzel (CDU) die Landesregierung aus CDU und FDP am Donnerstag einmal mehr aufgefordert, schnell rechtsverbindliche Regeln bekannt zu geben.

Wir erwarten vom Land am besten noch heute kluge Regelungen“, sagte OB Kurzbach im Rahmen einer Pressekonferenz sowie mit Blick auf die Beschlüsse zur Eindämmung der Pandemie, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die 16 Ministerpräsidenten am Abend zuvor getroffen hatten. Wobei die Zeit nach dem Dafürhalten der Stadt zunehmend drängt. Denn obwohl die Lage in den Krankenhäusern und in den Pflegeheimen nach Angaben des Gesundheitsamtes „stabil“ ist, gibt es doch angesichts der hohen Infektionenszahlen weiter keinen Grund zur Entwarnung.

Im Gegenteil ging die Zahl der an beziehungsweise mit dem Coronavirus gestorbenen Menschen auch am Donnerstag nach oben. Zwei Männer starben, so dass die Zahl der Toten bei inzwischen 37 liegt. In den Krankenhäusern werden zurzeit 67 Patienten behandelt, 20 davon auf den Intensivstationen. Akut infiziert sind wiederum 445 Solinger, die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt aktuell 216 neue Fälle auf 100.000 Einwohner.

Ferner befinden sich allein an den Solinger Schulen augenblicklich 117 Lehrkräfte und 1704 Schüler in Quarantäne – weswegen die Stadt im Rahmen des schon vor Wochen entwickelten „Solinger Modells“ am liebsten umgehend zu einem Hybridunterricht übergehen würde. Doch ob es so kommt und die Jugendlichen ab Klasse 8 demnächst im Wechsel von zu Hause und in der Schule lernen, ist ungewiss. Denn im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es bei der NRW-Landesregierung weiter Vorbehalte gegen getrennten Unterricht in einer gesamten Kommune.

Tatsächlich fehlte nach den Treffen im Kanzleramt – Stand Donnerstagabend – noch eine entsprechende Maßgabe aus Düsseldorf. Wobei die Befürchtungen in Solingen dahin gehen, dass die Umsetzung von Corona-Maßnahmen durch das Land auch zukünftig nur schleppend und ungenau sein werden – was wiederum nicht allein den Schulbereich betrifft.

So wartet die Stadt beispielsweise auf genaue Vorgaben für das geplante Impfzentrum. Die Vorbereitungen laufen aber schon – so weit es geht – auf Hochtouren. Oberbürgermeister Kurzbach sprach in diesem Zusammenhang von einer „Mammutaufgabe“.

Fest steht, dass zunächst Menschen in Alteneinrichtungen an die Reihe kommen. „Wir beginnen mit den vulnerablen Gruppen und impfen zuerst mobil. Massenimpfungen dürften im zweiten Quartal 2021 erfolgen“, sagte Gesundheitsdezernent Welzel, der gleichzeitig betonte, ein generelles Böllerverbot zu Silvester stehe nicht ganz oben auf der städtischen Prioritätenliste.

Das bestätigte auch OB Kurzbach, der ein weiteres Augenmerk auf die Finanzen richtete. Dort sieht die Stadt das Land ebenfalls in der Pflicht. Bislang helfe nur der Bund. „Das Land bleibt Antworten schuldig“, sagte der OB, der davon ausgeht, dass die Corona-Krise den Menschen noch Monate viel abverlangen wird. Kurzbach: „Wir müssen alle weiter mit Disziplin und Vernunft handeln.“