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Stadt Solingen setzt bei Corona-Regeln auf Einsicht der Bürger

Ordnungsamt läuft in Solingen Streife : Stadt setzt bei Masken auf Einsicht und Strafen

Die meisten Bürger halten sich an die Maskenpflicht. Städtische Teams sind unterwegs, um in Mitte, Ohligs und Wald zu kontrollieren. Im Gesundheitsamt wird das Mitarbeiter-Team für die Nachverfolgung vergrößert.

Es ist fast so etwas wie die sprichwörtliche Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche – wobei die ersten Erfahrungen der Stadt mit der seit einer knappen Woche geltenden verschärften Maskenpflicht und deren Akzeptanz durchaus positiv sind. Denn bei den Kontrollen des Ordnungsamtes ist es nach Angaben der Verwaltung bislang eher selten, dass die Beamten zur „Peitsche“ greifen, also Strafen verhängen müssen.

Das hat eine Sprecherin der Stadt am Donnerstag auf Anfrage bestätigt. „Am ersten Tag der neuen Regelungen am vergangenen Wochenende wurden lediglich fünf Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet“, sagte die Sprecherin, die weiter berichtete, auch nach der nochmaligen Ausweitung der Maskenpflicht im Verlauf dieser Woche sei die Lage großteils entspannt geblieben.

In der Innenstadt gilt die Maskenpflicht in der gesamten Fußgängerzone, auf dem Neumarkt und Fronhof sowie auf der Kölner Straße (bis Busbahnhof) und Mummstraße. Foto: Schnettler

Dabei drohen Passanten, die sich weigern, eine Maske in den dafür bestimmten Gebieten in Mitte, Ohligs und Wald (siehe Grafik) aufzusetzen, im Ernstfall relativ harte Konsequenzen. So sieht der aktuelle Corona-Bußgeldkatalog der NRW-Landesregierung bei Missachtung der Maskenpflicht ein Bußgeld in Höhe von immerhin 150 Euro vor, derweil bei Verstößen etwa gegen die Sperrstunde-Maßgaben in der Gastronomie sogar noch weitaus höhere Geldstrafen fällig werden können.

Gleichwohl setzt die Stadt Solingen nicht allein auf Sanktionen, sondern vielmehr auf Einsicht bei den Bürgern. „Bußgeldverfahren werden nur dann in die Wege geleitet, wenn sich Leute uneinsichtig zeigen“, hieß es vonseiten der Stadtverwaltung, die ihre kontrollierenden Mitarbeiter anhält, bei den Überprüfungen Fingerspitzengefühl zu zeigen.

In Ohligs muss eine Mund-Nasen-Bedeckung auf der Düsseldorfer Straße, am Busbahnhof sowie Ohliger Markt getragen werden. Foto: Schnettler

Da macht es beispielsweise einen Unterschied, ob jemand gar keine Maske dabei hat oder den Mund-Nasen-Schutz lediglich verrutscht trägt. Und auch in anderen Situationen muss von Fall zu Fall entschieden werden. „Wer etwas isst, trinkt oder raucht, kann ausschließlich zu diesem Zweck die Maske kurz abnehmen, muss aber dann unbedingt Abstand von anderen Personen halten“, nannte die Rathaus-Sprecherin Beispiele dafür, wann es abzuwägen gelte. Dies, so die Sprecherin, bedeute im konkret aber auch, dass „to go“ nicht gehe, während das Rauchen vor Kneipen und Gaststätten mit Abstand – im Gegensatz zu Remscheid – derzeit noch möglich sei.

Grund zur Panik besteht aus Sicht der Stadt trotz weiter steigender Zahlen nach wie vor nicht. „Der Anstieg bereitet uns zwar Sorge“, sagte Beigeordneter Jan Welzel, aber das Gesundheitsamt habe die Nachverfolgung der Infektionen „gut im Griff.“ Inzwischen wurde das Team um Leiterin Dr. Annette Heibges auf rund 100 Mitarbeiter der Verwaltung aufgestockt. Knapp 60 Kräfte wurden zuletzt im Theater und Konzerthaus geschult. Am Telefon übernehmen sie die Recherche von Kontakten und überprüfen die Quarantäne.

Im Walder Schlauch, rund um die Kirche sowie auf der Friedrich-Ebert-Straße (bis Stübbener Straße) gilt ebenfalls Maskenpflicht. Foto: Schnettler

Parallel stellt sich mehr und mehr heraus, dass die meisten Infektionen im privaten Umfeld geschehen, wo man sich, so die Stadt „sicher fühle und weniger auf Hygienemaßnahmen achte“. Jüngst hatte in Solingen beispielsweise ein Hobby-Fußballer gleich sechs Sportkollegen angesteckt. Auch deshalb würden die Rechercheteams zukünftig noch detaillierter nachhaken.

„Je genauer wir wissen, wo und wie Menschen sich infiziert haben, umso besser können Information, Verhütung und Bekämpfung werden.“, sagte Jan Welzel. Bekannt sei schon jetzt, dass Kitas, Schulen oder Gaststätten bei der Weitergabe des Virus eine untergeordnete Rolle spielen.