Solingen: Stadt blockiert Brücken-Ehen

Solingen : Stadt blockiert Brücken-Ehen

In Haus Müngsten sollen standesamtliche Hochzeiten möglich werden, wünschen sich die Macher des Lebenshilfe-Restaurants. Es gibt viele Anfragen. Doch die Stadt lehnt das ab. Sie habe zu wenig Personal.

Anfragen von heiratswilligen Paaren hat Ulrich Hütten genug. Doch der Traum von Hochzeiten in Haus Müngsten wird wohl auf unbestimmte Zeit ein solcher bleiben. Die Stadt lehnt es ab, in dem von der Lebenshilfe geführten gastronomischen Betrieb unterhalb der Müngstener Brücke standesamtliche Trauungen vorzunehmen. "Dafür fehlt uns einfach das Personal", sagte gestern ein Sprecher der Stadt. Zuvor hatte Ulrich Hütten als Gastronomie-Chef von Haus Müngsten einen diesbezüglichen Antrag gestellt, der jetzt negativ beschieden wurde.

Damit werden die Macher des Restaurants im Schatten der Brücke bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate von öffentlicher Seite ausgebremst. Im Februar hatte Kurt-Rainer Witte als Geschäftsführer der Lebenshilfe geklagt, wegen fehlender Parkmöglichkeiten in der Nähe zu Haus Müngsten seien die Umsätze des Restaurants in den Wintermonaten eingebrochen. Die Lebenshilfe fordert darum neue Parkmöglichkeiten am Haus. Doch bis heute wurde keine Lösung gefunden.

"Raum Solingen" für Trauungen

"Zurzeit können wir nur kleinen Gruppen bis zehn Personen Parkplätze in der Nähe des Restaurants anbieten", sagte gestern Geschäftsführer Hütten. Er will die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass es mittelfristig doch noch etwas wird mit den "Brücken-Hochzeiten". Diese könnten nämlich zu einem tragenden Bestandteil eines neuen Konzeptes werden, das die Verantwortlichen in den zurückliegenden Wochen für das Obergeschoss des Haues entwickelten.

  • Solingen : Brückenpark erneuert
  • Solingen : Artenreichtum an der Wupper lässt nach
  • Solingen : EU und Land für sanften Tourismus

Dort gibt es inzwischen ein sogenanntes "Drei-Städte-Loft": Drei Räume, die je nach einer der bergischen Städte benannt sind, bieten sich für unterschiedliche Nutzungen an. Im "Raum Wuppertal" sind kleinere Konferenzen mit bis zu acht Teilnehmern möglich. Der "Raum Remscheid" soll für Kochevents mit Profiköchen und bis zu zwölf Personen offen stehen. Und der "Raum Solingen" ist als Ort für größere Veranstaltungen wie eben Trauungen vorgesehen.

Die Stadt bleibt aber weiter bei ihrer Ablehnung. Im Standesamt arbeiten zehn Kräfte, Stellen für Standesbeamte gibt es 5,5. Der Aufwand, der betrieben werden müsste, um in Müngsten standesamtliche Eheschließungen vorzunehmen, stehe in keinem Verhältnis zu den möglichen Erträgen, hieß es gestern aus dem Rathaus.

"So müssten allein für An- und Abfahrt jeweils eineinhalb Stunden kalkuliert werden", sagte der Stadtsprecher. Und in dieser Zeit könnten die Beamten nicht die sonst noch im Standesamt anfallenden Aufgaben — etwas das Ausstellen von Geburtsurkunden — erledigen. Bislang sind Trauungen im eigentlichen Standesamt Haus Kirschheide in Höhscheid sowie auf Schloss Burg und in Schloss Grünewald in Gräfrath möglich.

(RP)
Mehr von RP ONLINE