Fechten : WM-Silber für Spautz

Nach seinem siebten Platz bei den Europameisterschaften in Kroatien ging es gestern für Falk Spautz im türkischen Belek um den Weltmeistertitel. Und womit keiner rechnen konnte: Der 16-Jährige holte sensationell Silber.

"Das sieht gut aus, die Ergebnisse zeigen, dass Falk Spautz mit Köpfchen kämpft", kommentierte Lars Pickardt gestern Mittag die souveränen Vorrunde des WMTV-Degenfechters bei den Weltermeisterschaften im türkischen Belek. Sechs Gefechte — alle gingen über fünf Treffer oder drei Minuten — musste der A-Jugendliche in der Vorrunde absolvieren, alle konnte Spautz gewinnen.

Auf Grund seines hervorragenden Trefferquotienten — nur der Franzose Florian Heimendinger war unter den insgesamt 94 Kadetten besser — erhielt der 16-jährige Solinger für die anschließende 128-Runde ein Freilos. Somit hatte der in Belek an der Planche von seinem Heimtrainer Igor Sikker betreute Spautz bereits die Rund der letzten 64 erreicht. Gekämpft wurde nun nach dem K.o.-System ohne Hoffnungslauf — jeder Kampf ging jetzt über 15 Treffer oder neun Minuten. "Wer verliert, ist raus", brachte es Pickardt auf den Punkt.

"Wer verliert, ist raus"

Erst am frühen Nachmittag ging der Wettkampf für Spautz weiter, der nun gegen den Inder Dudhare Ajinkya Ashok (63. der Vorrunde) antreten musste — auf Planche 18 in dem riesigen Hotelkomplex von Belek, in dem auch die Wettkampf- und Trainingsstätten integriert sind. Sichtlich gut hatte der Solinger die längere Wartezeit verkraftet, denn durch einen 15:9-Sieg schaffte der WMTV-Fechter die Runde der letzten 32. Genau das war die Sorge von Pickardt gewesen: Würde Spautz nach seinem hervorragenden Lauf in der Vorrunde die Spannung halten können?

In der nächsten Runde traf Spautz auf den Norweger Dino Milak. Der Solinger blieb auch in diesem Duell seiner erfolgreichen Linie treu und siegte sicher mit 15:9 Treffern. Das Achtelfinale war somit erreicht — in dem Maksym Shevchenko aus der Ukraine wartete, der sich knapp mit 15:14 gegen Thomas Markovics, dem Teamkollegen des Solingers, durchgesetzt hatte. Es wurde für Spautz der erste "enge" Kampf, der auch erst mit dem Ablauf der neun Minuten entschieden war. Mit 8:7 schaffte der Siebte der Europameisterschaft den Einzug unter die besten acht Kadetten der Welt.

Im Viertelfinale ging es gegen Anton Samuelsson. Auch der Schwede war gegen Spautz gestern chancenlos — durch ein mit 15:9 buchte der Solinger das Halbfinale. Eine Bronzemedaille hatte Spautz also bereits sicher, als es gegen den Franzosen Alexandre Bardenet um den Einzug ins Finale ging. 15:12 siegte der Solinger, den im Endkampf Pau Rosello erwartete. Es kam also zur Wiederauflage des Viertelfinalkampfs der Europameisterschaften — und wie schon vor vier Wochen musste sich Spautz auch diesmal dem Spanier geschlagen (9:15) geben. "Auch wenn Falk enttäuscht ist, besser geht es doch bei der ersten WM-Teilnahme nicht", so Pickardt.

(RP)