Schach: Werder Bremen bestätigt seinen Ruf

Schach: Werder Bremen bestätigt seinen Ruf

Gegen ihren Angstgegner hatte die SG Solingen das Nachsehen – wieder einmal. Damit ist Tabellenplatz zwei in der Bundesliga verspielt.

Gegen ihren Angstgegner hatte die SG Solingen das Nachsehen — wieder einmal. Damit ist Tabellenplatz zwei in der Bundesliga verspielt.

Gegen Werder Bremen kann die SG Solingen offenkundig nicht gewinnen. Dabei war der Schach-Bundesligist mit den ersten sieben Brettern angetreten — quasi in Bestbesetzung. Dennoch stand das Oktett am Ende mit leeren Händen da, obwohl die Norddeutschen noch nicht einmal mit ihren stärksten Aktiven im Clemenssaal vertreten waren.

Die Mannschaftskonstellation ergab, dass die Denksportler aus der Klingenstadt an den hinteren beiden Brettern nominell klar überlegen waren. Demnach hieß die Devise: vorne halten und hinten die Überlegenheit zum Sieg führen.

Lange Zeit schien diese Rechnung aufzugehen. Großmeister (GM) Alexander Naumann brachte mit einem überlegenen Weißsieg die Equipe aus dem Bergischen in Führung, während GM Daniel Stellwagen, GM Gawain Jones, GM Jan Smeets, GM Chanda Sandipan und GM Erwin L'Ami jeweils das Unentschieden zur zwischenzeitlichen 3.5 : 2.5-Führung sicherten.

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Danach aber bahnte sich das Drama an. GM Markus Ragger hatte am Spitzenbrett gegen den Ex-Solinger Laurent Fressinet, mittlerweile zu einem Weltklasse-Großmeister gereift, die Stellung nie vollends ausgleichen können. Am Ende verlor der Österreicher zunehmend an Boden und geriet in ein hoffnungsloses Springerduell. Als dann ausgerechnet der in dieser Saison fleißigste Solinger Punktesammler, GM Predrag Nikolic, gegen seinen nominell klar unterlegenen Widersacher den Bogen überspannte und in einem trostlosen Turmendspiel landete, war der Mannschaftskampf verloren. Die Bremer drehten den Rückstand zum Sieg und fügten den Gastgebern eine weitere schmerzliche Niederlage zu.

Im zweiten Duell des Doppelspieltages reichte es ebenfalls nicht zu einem Sieg, der die Verteidigung des zweiten Tabellenplatzes bedeutet hätte. Ganz offensichtlich scheinen auch die Münsterländer dem Rekordmeister nicht zu liegen. Bereits zum zweiten Mal in den vergangenen drei Jahren sprang lediglich ein Gesamtremis heraus.

Predrag Nikolic rehabilitierte sich für seine ungewöhnlich schwache Vorstellung des Vortages und trug mit den weißen Steinen einen souveränen Sieg davon. Diese Führung sollte nicht lange halten. Der niederländische Großmeister Daniel Stellwagen fand fast gar nicht ins Spiel und musste durch seine glatte Niederlage den Ausgleich zulassen. Als in der Folge der englische Landesmeister Gawain Jones die Segel in einem Endspiel streichen musste, liefen die Solinger sogar einem Rückstand hinterher. Aber zum Schluss konnte GM Michael Hoffmann, das Schlimmste vermeiden. Der für Alexander Naumann ins Team gerückte Großmeister hatte gegen Thomas Fiebig deutliche Vorteile angehäuft und rettete mit seinem Sieg wenigstens einen Mannschaftspunkt.

Mit dieser Bilanz rutschte die SG Solingen (18 Punkte) hinter Tabellenführer OSG Baden Baden (24) vom zweiten auf den dritten Tabellenplatz ab. Der SV Mülheim-Nord ist nunmehr (19) vorbeigezogen. In vier Wochen, wenn das Mammutprogramm mit drei Spieltagen zum Saisonausklang stattfindet, können die Bergischen rein rechnerisch ihre Position aus eigener Kraft zurückerobern. Allerdings stehen mit Wattenscheid, Katernberg und vor allen Dingen Mühlheim drei schwere Aufgaben ins Haus.

(ay)
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