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Volleyball: Volleys feiern fast perfekten Pokal-Abend

Volleyball : Volleys feiern fast perfekten Pokal-Abend

Der Zweitligist hält gegen den Rekordmeister Friedrichshafen sehr gut mit. Verantwortliche und Fans sind begeistert.

So viele Glückwünsche hat Bernd Werscheck nach einer 0:3-Niederlage wahrscheinlich selten erhalten. Am liebsten hätte dem Headcoach der Solingen Volleys wohl jeder einzelne der 600 Zuschauer die Hand gedrückt, um ihm zu der tollen Vorstellung seiner Mannschaft zu gratulieren und für einen unvergesslichen Pokal-Abend zu danken. "Es war eine tolle Atmosphäre, und Friedrichshafen musste bis zum Ende fighten - mehr geht kaum", sagte der 53-Jährige nach einem Spiel, über das wohl noch lange gesprochen wird.

Der VfB Friedrichshafen, Erstliga-Spitzenreiter und Rekordmeister, war als haushoher Favorit zum Zweitligisten nach Solingen gereist. Dass es so schwer werden würde, das Viertelfinale des Deutschen Pokals zu erreichen, damit hätten die Gäste wohl nicht gerechnet. 22:25, 27:29 und 23:25 hieß es nach drei spannenden Sätzen. Überraschend lange Ballwechsel, tolle Aktionen der Volleys und jeder einzelne Punkt wurden lautstark bejubelt. Friedrichshafen schlug schlecht auf, fand kaum ins Spiel, war aber in den entscheidenden Momenten besser oder hatte einfach mehr Glück. Wie im zweiten Durchgang, als die Volleys zu sechs Satzbällen kamen, aber keinen davon nutzen konnten. Der Gast dagegen verwandelte seinen ersten Satzball und später auch den ersten Matchball. "Ich hätte den Jungs den zweiten Satz wirklich gegönnt", sagte Werscheck, und auch der erstligaerfahrene Oliver Gies ärgerte sich: "Heute war sogar mehr drin als ein Satzgewinn." Ähnlich sah es auch WM-Bronzemedaillengewinner Max Günthör: "Wenn es 1:1 gestanden hätte, wäre es vielleicht ganz anders ausgegangen. Mit dem Publikum im Rücken hat Solingen tolle Aktionen gezeigt, wir haben uns unwohl gefühlt in der Halle."

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Völlig verdient ließen sich die Solinger Spieler in der ausverkauften Halle Wittkulle ausgiebig feiern. "So voll habe ich es hier noch nie erlebt. Die Zuschauer haben uns unglaublich gepusht", sagte Außenangreifer Christian Gosmann, der ein überragendes Spiel gemacht hatte, und den Friedrichshafen wahrscheinlich am liebsten in den Bus geschmuggelt und mit nach Hause genommen hätte. Während auf den Rängen noch gejubelt wurde, schlich Volleys-Manager Helmut Weissenbach alleine über das Spielfeld, wie einst Franz Beckenbauer nach dem WM-Titelgewinn der Fußballer 1990 in Rom. "Jede Minute, die in dieses geile Event gesteckt wurde, hat sich absolut gelohnt. Die Leidenschaft der Jungs, das unfassbare Niveau. Mehr Werbung kann man nicht machen", sagte er und stand noch ganz unter den Eindrücken der vergangenen Stunden.

Als sich die Ränge langsam leerten und die ersten Friedrichshafener Spieler geduscht zum Essen erschienen, war Gäste-Trainer Stelian Moculesu längst verschwunden. Er war gar nicht begeistert vom Auftritt seiner Mannschaft gewesen. Kurz vor Spielbeginn hingegen hatte Werscheck sein Vorhaben in die Tat umgesetzt und war auf Moculescu zugegangen, um den verpassten Handschlag von 2006 nachzuholen. Damals hatten sich beide Trainer im Finale um die Deutsche Meisterschaft gegenübergestanden, und der heute 64-jährige Moculescu hatte die Gratulation seines Kollegen zum Titelgewinn nicht annehmen wollen. Nun gab es die versöhnliche Geste.

Und über noch etwas freute sich Werscheck: Er hatte mit einem befreundeten Trainerkollegen um eine Kiste Bier gewettet, dass sein Team mehr als 58 Punkte holen würde. Am Ende waren es 72 Zähler - Wette gewonnen. Es war also bis auf den verpassten Gewinn des zweiten Satzes ein perfekter Abend für Bernd Werscheck, die Volleys und ihre Fans.

(sbi)