Handball : Verlieren verboten

Nach seinem Amtsantritt am Mittwoch hat Raimo Wilde kaum Zeit, bis zum morgigen Auswärtsspiel bei der SG Wallau/Massenheim etwas zu verändern. Lediglich ein Problem will der Nachfolger des beurlaubten Norbert Gregorz beim Handball-Zweitligisten zumindest im Ansatz gelöst haben: das Überzahlspiel.

Raimo Wilde hatte keine Zeit, sich ausgiebig in Großwallstadt zu verabschieden. „Das ist vielleicht auch besser so“, sagt der 43-Jährige, der in einer Nacht- und Nebelaktion seine Zelte beim Handball-Erstligisten abbrach, um seit Mittwoch als Nachfolger des überraschend beurlaubten Norbert Gregorz beim Bergischen HC zu arbeiten. Am Dienstagabend hatte Raimo Wilde in der Elsenfelder Sparkassen-Arena noch Michael Roth als Co-Trainer zur Seite gestanden und mit ihm dem 37:24-Erfolg gegen den Wilhelmshavener HV gefeiert, 22 Stunden später leitete er in der Wuppertaler Unihalle sein erstes Training als BHC-Chefcoach.

„Den ersten Eindruck, den ich nach 20 Stunden im Bergischen Land gewonnen habe, ist positiv“, sagt der gebürtige Leipziger. Das Umfeld arbeite genau so professionell wie in Großwallstadt, und die Ziele seien klar definiert. „Allerdings hätte ich diesen Job auch nicht angetreten, wenn es nicht so wäre.“ Seit seiner Ankunft am Mittwochmittag hat ein Termin den anderen gejagt. Sämtliche Mitarbeiter, die eng mit der Mannschaft zusammen arbeiten, hat er kennengelernt. Gespräche hat er geführt mit Kapitän Sebastian Hinze sowie dem Mannschaftsrat, bevor er dem gesamten Team seine Philosophie präsentierte und Anweisungen gab. „Ich wollte das Funkeln in den Augen der Spieler sehen“, sagt Raimo Wilde. Nach dem Ende des Trainings habe der zweifache Familienvater nicht das Gefühl gehabt, seine erste Übungseinheit geleitet zu haben, „sondern bereits vier Wochen hier gewesen zu sein“.

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In Ruhe kann der A-Lizenz-Inhaber mit der Mannschaft allerdings (noch nicht) arbeiten. Erst wenn die Englische Woche über Weihnachten mit den Auswärtsspielen in Wiesbaden (22. Dezember) und Düsseldorf (26. Dezember) sowie der Heimpartie gegen Korschenbroich (29. Dezember) beendet ist, wird Raimo Wilde versuchen, sichtbare Veränderungen herbeizuführen. „Ab Januar werden wir uns intensiv mit einem zweiten Deckungssystem beschäftigen.“

Eine defensive 6:0- oder 5:1-Variante soll es werden – mit dieser könne der Bergische HC auch gegen Spitzenteams wie Dormagen oder Düsseldorf zum Erfolg kommen. „In der offensiven Deckung – so wie sie jetzt gespielt wird – treffen wir auf individuell stärkere Spieler, die dann im Eins-gegen-Eins deutliche Vorteile haben.“ Lediglich ein Problem will Raimo Wilde bereits bis zum morgigen Samstag zumindest im Ansatz gelöst haben: das Überzahlspiel, dem Schwerpunkt der gestrigen Trainingseinheit.

Wildes Lebensmotto

„Verlieren verboten“, lautet das Lebensmotto des Trainers, der als Handballer in der DDR unter anderem in Leipzig, Aue, Löbau und Zwickau aktiv war, bevor „man mich 1988 bei einem Gastspiel in Dortmund vergessen hatte“. Daher gibt sich Raimo Wilde mit dem siebten Platz in der aktuellen Zweitliga-Tabelle auch nicht zufrieden. „Mit zwei Punkten aus dem Spiel gegen Wallau können wir mit einem guten Gefühl nach Düsseldorf fahren – dann sehen wir weiter.“

2. Handball-Bundesliga: SG Wallau/Massenheim – Bergischer HC (Samstag, 19.30 Uhr, Sporthalle am Elsäßer Platz in Wiesbaden)

(RP)