Handball: Verantwortung auf vielen Schultern

Handball: Verantwortung auf vielen Schultern

Der Bergische HC kompensierte eine frühe Rote Karte für den siebenfachen Torschützen Kenneth Klev und siegte beim Spitzenreiter TSG Friesenheim mit 31:30 (16:18). Damit sind die Löwen weiter mittendrin im Rennen um den Erstliga-Aufstieg.

Wo war Kenneth Klev? Unmittelbar nach seiner Roten Karte hatte sich der Rückraumspieler hinter der Endlinie aufgehalten und mit einem Ordner der TSG Friesenheim freundlich die Szene analysiert, die die Top-Partie der 2. Handball-Bundesliga Süd hätte auf den Kopf stellen können. Kenneth Klev, die treibende Kraft in der kritischen Phase der ersten Halbzeit, war nach einem Foul an Evgeni Pevnov mit Rot vom Feld geflogen. "Ich habe sauber gestanden, bin etwas zur Seite gegangen und habe ihn mit meinem Arm am Kopf getroffen", schilderte der siebenfache Torschütze die Situation, die zur Hinausstellung führte. "Jeder andere Schiedsrichter hätte Zwei Minuten gepfiffen – das wäre in Ordnung gewesen."

Die komplette zweite Hälfte verfolgte Kenneth Klev versteckt auf einer Empore zwischen den 2050 Zuschauern in der betagten Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle. Kurz vor Ende aber hatte er sich schon wieder so nah wie möglich an den Spielfeldrand postiert, um so schnell wie möglich bei seinen Teamkollegen zu sein, um mit ihnen den 31:30-Sieg bei der TSG Friesenheim zu bejubeln. "Es gibt keine geileren Siege, wenn eine Mannschaft so auftritt", sagte ein überglücklicher Klev.

Erbitterter Kampf

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In einem Spitzenspiel, das seinen Namen in jeglicher Hinsicht verdient hatte, lieferten sich der Spitzenreiter und der Tabellenvierte einen erbitterten Kampf. Dass die TSG Friesenheim ihre erste Heimniederlage seit Dezember 2008 kassierte, lag in erster Linie an der mannschaftlichen Geschlossenheit des Gegners. Auch nach der Roten Karte gegen Kenneth Klev blieben die Bergischen geduldig. "Wie alle danach gebissen und das Spiel gedreht haben, davor kann man nur den Hut ziehen", kam auch das Lob von Manager Stefan Adam.

Allen voran Jens Reinarz, der mit seinem Tor zum Seitenwechsel das Signal sendete, dass sich die Löwen keineswegs aufgegeben haben. Nach einem schnellen Anwurf machte der Linksaußen das Unmögliche möglich und überraschte TSG-Keeper Kevin Klier mit einem wuchtigen Versuch aus mehr als 15 Metern zum 16:18-Halbzeitstand.

Nach dem Seitenwechsel setzte Reinarz aus dem Rückraum derart viele Impulse, dass BHC-Coach HaDe Schmitz in der Schlussphase reagierte und ihn für Joey Duin im linken Rückraum einsetzte. Sogleich folgte sein zehnter Treffer und danach eine Sonderbewachung, die wenige Minuten später fließend überging in eine offene Manndeckung. Jetzt waren es andere, die Verantwortung übernahmen und mit notwendigen Einzelaktionen die Entscheidung suchten. Erst Christian Hoße (30:28) und dann Mathias Fuchs (31:29) hielten die Friesenheimer mit ihren erfolgreichen Sololäufen auf der psychologisch wichtigen Zwei-Tore-Distanz.

(RP)