Unverhofft zum Titel

Jessica Mager darf sich seit kurzen Doppel-Europameisterin nennen. Als die 18-jährige Luftgewehr-Schützin von ihrem Sieg erfuhr, konnte sie es zunächst gar nicht glauben.

Als Vierte des Vorkampfes hatte sich Jessica Mager in Deauville (Frankreich) für das Finale qualifiziert – drei Punkte hinter der Erstplatzierten Ukrainerin Daria Scharipowa. Im Finale schaffte die Luftgewehr-Schützin, an was sie selbst keinen Gedanken verschwendet hatte: Sie wurde Junioren-Europameisterin. Schon der zweite EM-Titel an diesem Tag, denn zuvor hatte es bereits Gold mit der Deutschen Mannschaft gegeben.

Wie fühlt man sich als zweifache Europameisterin?

Mager Noch ein bisschen schummrig. Es ist alles so aufregend, aber auch ein ganz tolles Gefühl. Ich habe einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass es wirklich wahr ist. Denn die Vorstellung, dass man die Beste in ganz Europa ist, ist unglaublich.

Wie hatte die Zielsetzung vor dem Turnier gelautet?

Mager Ich wusste, dass alle, die an den Europameisterschaften teilnehmen, gut sind. Ich fand es schon toll, als eine von nur drei Deutschen überhaupt bei der EM mit dabei sein zu dürfen. Deswegen habe ich mich nicht unter Druck gesetzt und gesagt: Entweder es funktioniert oder nicht.

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Und es hat funktioniert. Wie genau verlief der Wettkampf?

Mager Ich habe einfach angefangen zu schießen und nach etwa 25 Schuss gemerkt, dass es gut klappt. Dann habe ich mir gedacht: Oh Gott, vielleicht funktioniert es doch. Nachdem ich aber zwei Mal eine Neun geschossen hatte, dachte ich mir, dass es wohl doch nicht klappen wird. Ich habe eine Pause eingelegt und mit meinem Trainer gesprochen.

Der konnte wertvolle Tipps geben?

Mager Er hat mich unter anderem noch mal auf die richtige Technik hingewiesen. Die letzten neun Schuss waren dann wieder sehr gut, so dass ich mit 396 Ringen schon gehofft hatte, im Finale der besten Acht mit dabei zu sein. Allerdings musste ich dann erst mal etwa eine halbe Stunde warten, weil ich recht schnell schieße.

Wurde nach dem vierten Platz im Vorkampf ein neues Ziel ausgegeben?

Mager Hauptsache nicht tiefer rutschen – das war mein großes Ziel. Denn ich weiß von mir selbst: Wenn ich mich zu viel unter Druck setze, funktioniert es nicht. So wurden zwar nach jedem Schuss die Ergebnisse aller Finalistinnen vorgelesen, aber ich habe überhaupt nicht mitgerechnet. So habe ich auch nicht mitbekommen, dass ich mich nach vorne geschoben habe.

Erst der letzte Schuss hat die Entscheidung gebracht. Was ist dann passiert?

Mager Plötzlich sagte jemand aus den Lautsprechern: ,And the winner is: Jessica Mager.‘ Ich habe mich total erschrocken, das Luftgewehr abgelegt und dann kamen auch schon alle auf mich zugestürmt um zu gratulieren. Zur Sicherheit habe ich auf die Leinwand geschaut – da stand mein Name wirklich ganz oben.

Wie lässt sich der Erfolg erklären?

Mager Zunächst hatte ich eine gute Vorbereitung mit meinem Trainer in Düsseldorf. Außerdem gab es bei der EM einen guten Schießstand, ich musste erst gegen Mittag schießen und konnte vorher ausschlafen. Es sind Kleinigkeiten, die bei mir jedoch viel ausmachen.

Wie geht es jetzt weiter?

Mager Zunächst findet im Juli die Kleinkaliber-EM statt. Dafür muss ich mich noch qualifizieren. Das nächsthöhere Ziel sind die Weltmeisterschaften in drei Jahren. Wenn ich das geschafft habe, möchte ich an den Olympischen Spielen 2012 teilnehmen. Bis dahin gilt nur eins: in der Nationalmannschaft bleiben.

Das Gespräch führte Sonja Bick

(RP)