Lokalsport: Union-Kicker lassen alte Zeiten aufleben

Lokalsport : Union-Kicker lassen alte Zeiten aufleben

Am Tag vor Heiligabend trafen sich ehemalige Spieler des mittlerweile im BSC aufgegangenen Ohligser Klubs zum Hallenfußball. Mit dabei: Ex-Trainer Sven Demandt, der aktuell beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern gehandelt wird.

Er kann es immer noch: Einen schnellen Konter schließt der "Kühlschrank", wie sie ihn einst nannten, ins verwaiste Tor ab. Sven Demandt, inzwischen 51 Jahre alt, beackert das Cageball-Spielfeld im Sportpark Landwehr. Der ehemalige Bundesligaprofi, Zweitliga-Torschützenkönig bei Fortuna Düsseldorf und Top-Torjäger von Mainz 05 in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, feiert am Tag vor Heiligabend ein Wiedersehen mit Weggefährten seiner ersten Trainerstation: Zwischen 2003 und Anfang 2006 stand er beim damaligen Oberligisten 1. FC Union an der Seitenlinie.

"Zu einigen Spielern habe ich noch guten Kontakt", erzählt er im Foyer der Sportanlage. Kaum angekommen, begrüßt ihn sein früherer Torhüter Dennis Prostka mit einer kleinen Frotzelei: "Du hast ja mal einen Klub gefunden, bei dem du erfolgreich bist." Demandt schmunzelt darüber. Es läuft in der Tat gut für ihn: Mit Rot-Weiß Essen ging er jüngst als Tabellenvierter der Regionalliga West in die Winterpause - ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. "Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir im Frühjahr noch auf einem Abstiegsplatz standen", sagt Demandt, der beim Traditionsklub im April den gefeuerten Jan Siewert ersetzt hatte. Mit der Erwartungshaltung um den Klub von Weltmeister Helmut Rahn kann er umgehen: "Klar ist RWE für viele ein gefühlter Zweitligist." Sein Vertrag in Essen läuft im Sommer aus - aber gut möglich, dass er in die Zweite Liga wechselt: Nachdem Tayfun Korkut beim 1. FC Kaiserslautern hingeschmissen hat, handelten Medien aus dem Ruhrgebiet Demandt gestern als Nachfolger.

Einen Tag vor Heiligabend war der gebürtige Kölner entspannt - und widmete sich dem launigen Fußballspiel mit acht weiteren Alt-Unionern: Er selbst, als Trainer und Senior der Gruppe, durfte in der Fünfer-Mannschaft spielen - und die legte auf dem kleinen Kunstrasenfeld mit Bande und Netz los wie die Feuerwehr. Mit in Demandts Team war Jaroslaw Stankiewicz, in den Zweitausendern vier Jahre lang Abwehrchef und Kapitän der Blau-Gelben. "Es macht mich schon stolz, in diesem Verein gespielt zu haben", sagte er und schwärmte von der Euphorie, die nach dem Aufstieg von der Verbands- in die Oberliga im Jahr 2002 rund um den Hermann-Löns-Weg geherrscht hatte - und die sich damals in höchst ansehnlichen Zuschauerzahlen ausdrückte. "Der Mythos Union schwebte über allem", sagte der heute 41-Jährige, der bis 2012 noch für den VfB Speldorf die Fußballschuhe schnürte. Die schönen Erinnerungen an die Union-Ära konnten auch von einigen Widrigkeiten, bedingt vor allem durch die notorisch knappe Finanzlage des Klubs, nicht getrübt werden. Dementsprechend wehmütig fiel auch "Jaros" Blick auf seine dem Abriss geweihte frühere Ohligser Spielstätte aus. "Es ist traurig, wenn man die Anlage so sieht."

Die vorweihnachtlichen Treffen zum lockeren Fußballspielen haben für die Ex-Unioner inzwischen schon Tradition: "Es kommen oft zwölf bis 14 Spieler", erzählte Vereins-Urgestein und Betreuer Jörg Dresen. Er organisiert die Treffen. "Wir sind aber immer an unterschiedlichen Orten und verabreden uns über die WhatsApp-Gruppe", verriet er. Und nach dem Spiel? "Dann werden wir wohl ein Glas Wasser trinken und sofort nach Hause fahren", sagte Sven Demandt und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

(ied)
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