Handball Ungewollte Einflussnahme

Nach der gestrigen 25:31-Niederlage beim ThSV Eisenach hat sich Handball-Zweitligist Bergischer HC wohl aus dem Rennen um den begehrten zweiten Tabellenplatz verabschiedet.

Ein Pfiff, der ausgeblieben war, hatte fatale Folgen. Ein Foulpfiff, den die rund 1100 Zuschauer in der Werner-Aßmann-Halle nach einem Tempogegenstoß von Benjamin Trautvetter gerne gesehen hätten. Der Linksaußen des ThSV Eisenach aber hatte im Kreis gestanden, bevor er von Mathias Fuchs behindert wurde. Das bis dahin eher verhaltene Publikum taute auf, begleitete nach dieser Aktion in der 19. Minute (10:10) jeden Angriff des Bergischen HC mit einem Pfeifkonzert – und sorgte damit auf der einen Seite für Verunsicherung, auf der anderen Seite für einen Motivationsschub. Die Thüringer gingen in der Defensive mit einem Mal deutlich engagierter zu Werke.

Dahin waren die schönen Spielzüge, mit denen sich der Tabellenvierte einen Drei-Tore-Vorsprung erarbeitet hatte. Der ThSV-Innenblock hatte anfangs Sebastian Hinze einige Freiheiten gewährt, die der Kreisläufer mit drei Toren in den ersten neun Minuten zu nutzen wusste. Das waren Hans-Joachim Ursinius ein paar einfache Tore zu viel, und der ThSV-Coach reagierte mit einer Auszeit. Danach hatte der BHC-Kapitän gegen Goran Jerkovic und Stephan Mellack im Eisenacher Innenblock kaum noch etwas zu bestellen. Nach der 7:4-Führung (13.) durch Kim Neuenhofen holten die Gastgeber Tor für Tor auf – bis beim 9:9 das Spiel wieder ausgeglichen war.

Nur ein Treffer in zehn Minuten

Das war es lediglich zwei Minuten lang – bis die Schiedsrichter Nils Blümel und Jörg Loppaschewski ungewollt durch ihren Nicht-Pfiff Einfluss auf den weiteren Spielverlauf nahmen. Nur noch ein Treffer – Jens Reinarz von Linksaußen zum zwischenzeitlichen 11:13 – gelang den Gästen in langen zehn Minuten bis zum Seitenwechsel. Norbert Gregorz hatte nämlich schon nach der Führungsübernahme der Eisenacher beim 10:11 (23.) seine Auszeit genommen und hatte damit keine Möglichkeit mehr, irgendwie noch auf das ideenlose Angriffsspiel seiner Mannschaft einzuwirken. Der Abstiegskandidat hingegen, der wie schon am Samstag bei seinem sensationellen 30:24-Heimsieg gegen Tabellenführer TuSEM Essen eher wie ein abgebrühtes Spitzenteam auftrat, wirbelte nun im Angriff und deckte schonungslos die Lücken in der BHC-Abwehr auf. Folglich hatte auch Ivan Zoubkoff bei seinem elfminütigem Comeback zwischen den Pfosten kaum eine Chance, einen Ball abwehren zu können.

Die für die zweite Hälfte geplante Aufholjagd der Löwen war schon zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Andrej Kastelic, Tomas Sklenak und Benjamin Trautvetter legten auf die 16:11-Pausenführung gleich noch drei Treffer zum 19:11 nach, während Sebastian Aschenbroich in den fünf Anfangsminuten lediglich einmal den Pfosten traf.

Der Tabellenvierte mühte sich zwar, schaffte es in der zweiten Hälfte aber nur drei Mal, den Rückstand jeweils auf fünf Treffer zu verkürzen – um anschließend gleich wieder zwei bis drei Gegentreffer in Folge nachgelegt zu bekommen – auch, weil in der zweiten Halbzeit viele Entscheidungen der (Heim-) Schiedsrichter anders ausgefallen sind, wie es sich die Spieler des Bergischen HC gewünscht hätten. Das hatte jedoch lediglich Einfluss auf die Höhe der verdienten Niederlage, die die Löwen wohl aus dem Rennen um Tabellenplatz zwei befördert hat.

(RP)