Trainieren für den Weltrekord

Worauf muss man beim Laufen achten? Mit welcher Hand hält man den Staffelstab? Fragen, die gestern praktisch in die Tat umgesetzt wurden. Zehn Schüler der Albert-Schweitzer-Schule trainierten, um einen Weltrekord purzeln zu lassen. Prominenter Gast in Wald war Willi Wülbeck.

Als ersten Leichtathletik-Weltmeister, den Deutschland je hatte, stellt Hans-Joachim Scheer den Gast vor, der gestern an der Jahnkampfbahn zu Gast war. Doch die zehn Nachwuchs-Leichtathleten sind keineswegs verwundert — schließlich wissen sie bestens über den Projektleiter des RWE-Schulstaffellaufs Bescheid. "Willi Wülbeck hält heute noch den Deutschen Rekord über die 800 Meter, den er bei den Weltmeisterschaften aufgestellt hat", fährt Scheer, Jugendbildungsreferent des Leichtathletikverbandes Nordrhein und Trainer beim Solinger LC, fort. "Das war 1983", weiß Tobias Christes.

Der Zwölfjährige — eigentlich Handballer — ist zusammen mit neun Mitschülern der Albert-Schweitzer-Schule sowie den Sportlehrern Erika Hanke und Angelo Stork ins Walder Stadion gekommen, um für den Staffellauf zu trainieren. "Wenn so etwas schon angeboten wird, dann sollte man das auf jeden Fall annehmen", erklärt Stork. Zwei Runden sollen sich die Zehn- bis 13-Jährigen einlaufen, dann folgt eine kurze Einschätzung der eigenen Chancen. Beim Schulstaffellauf, der über 8 x 100 Meter geht, sollen Rekorde purzeln. Entweder der Deutsche Rekord über 800 Meter von Wülbeck (1:43,65 Minuten) oder gar der Weltrekord von Wilson Kipketer (1:41,11 Minuten). "Chancen haben wir schon", schätzt Nick Hermes. "Aber ob wir es schaffen, das kann man nicht wissen."

Denn die Staffel wurde nicht nach Schnelligkeit, sondern nach dem Spaßfaktor zusammen gestellt. "Die, die mitmachen, haben einfach Lust dazu", erklärt Angelo Stork. Trotzdem sind die zehn Spaß-Leichtathleten ziemlich schnell unterwegs, was Hans-Joachim Scheer allerdings noch zu verbessern versucht. Zunächst sind verschiedene Laufformen an der Reihe, dann folgen erste Kurzsprints. Bei der nächsten Übung muss Angelo Stork eingreifen. Schließlich müssen für den Staffellauf die Positionen besetzt werden. Damit keiner passen muss, werden einfach 1000 Meter absolviert. Nick Hermes ist stolz, denn er darf als Startläufer auf die Strecke gehen. Mit dem goldenen Staffelstab in der Hand wandert der zwölfjährige Tischtennisspieler zur gegenüberliegenden Kurve, um beim Pfiff loszulaufen. Neun Mal wird der Stab übergeben, dann darf Maike Schachtschneider (12) als Schlussläuferin ran. Mit einer Zeit von 2:42 Minuten überquert die Leichtathletin schließlich — angefeuert von ihren Mitschülern — die Ziellinie.

Landesweiter Wettbewerb

"Der Teamgeist soll gefördert werden", sagt Wülbeck. "Zudem soll Leichtathletik wieder populärer gemacht werden." Mittlerweile gibt es die Schulstaffelläufe in Ratingen, Essen, Kevelaer und Solingen. Das Ziel von Willi Wülbeck: "Es soll zu einem landesweiten Wettbewerb ausgebaut werden."

(RP)