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Schach: Spitzenreiter schickt Schach-Ikone ins ungleiche Bundesliga-Duell

Schach : Spitzenreiter schickt Schach-Ikone ins ungleiche Bundesliga-Duell

Mit 1:7 unterlag die mit den Jugendspielern Jan Hobusch und Jerome Neumair angetretene SG Solingen gegen die OSG Baden Baden – für die saß Ex-Weltmeister Viswanathan Anand am Spitzenbrett.

Mit 1:7 unterlag die mit den Jugendspielern Jan Hobusch und Jerome Neumair angetretene SG Solingen gegen die OSG Baden Baden — für die saß Ex-Weltmeister Viswanathan Anand am Spitzenbrett.

Der Deutsche Meister ist kein Risiko eingegangen und hat eine Top-Besetzung in Solingen antreten lassen. "Wir haben nicht erwartet, dass die OSG Baden Baden derart kommen würde", gibt SG-Teamchef Herbert Scheidt zu. "Sie haben uns wohl sehr ernst genommen." Die Tabellensituation in der Schach-Bundesliga hat die Personalpolitik des ungeschlagenen Spitzenreiters durchaus gerechtfertigt, schließlich war die SG Solingen vor dem Wochenende noch auf Platz zwei zu finden gewesen.

Die größte Überraschung betraf die Besetzung des OSG-Spitzenbretts: Viswanathan Anand gab in den Veranstaltungsräumen der Stadt-Sparkasse sein Saisondebüt. "Es war interessant zu beobachten, dass im Laufe des Nachmittags wegen ihm immer mehr Zuschauer gekommen sind", freute sich Herbert Scheidt über das Interesse. "Wenn vorher bekannt gewesen wäre, dass Anand spielen würde, wäre es wahrscheinlich noch voller geworden." Der indische Ex-Weltmeister nutzte den Bundesliga-Wettkampf, um sich auf das Kandidaten-Turnier in Khanty Mansysik (Russland) vorzubereiten, wo er sich den WM-Titel zurückerobern will.

Markus Ragger machte es Viswanathan Anand nicht leicht, den Sieg davonzutragen. In der Nachbetrachtung der Spitzenpartie stellte sich heraus, dass der österreichische Großmeister zwischendurch eine Möglichkeit zum Remis verspielt hatte. Das spannendste Duell des Topduells lieferte sich Predrag Nikolic mit Arkadij Naiditsch. Der Nummer sechs der Badener Meldeliste betrieb gegen den Bosnier einen großen Aufwand, um sich einen Mehrbauern zu erarbeiten — ein minimaler Vorteil, der ihm nach 56 Zügen tatsächlich den vollen Punkt bescherte. Einzig Erwin L'Ami und Artur Jusspow blieben an diesem Nachmittag von einer Niederlage verschont. Beide Großmeister trennten sich von Etienne Bacrot und Rustam Kasimdzhanov remis.

Für Jerome Neumair und Jan Hobusch war das jeweilige Debüt in der Schach-Bundesliga ein besonderes Erlebnis angesichts des Weltklasse-Niveaus, das sich um die Jugendspieler versammelt hatte. Hoffnungslos unterlegen waren sie trotzdem nicht. "Beide haben sich sehr gut aus der Affäre gezogen und ihr Potenzial angedeutet", lobte Herbert Scheidt, der sogar Chancen auf ein Remis ausgemacht hatte. "Da hat sicherlich auch die Nervosität eine Rolle gespielt."

Im zweiten Aufeinandertreffen des Wochenendes gab es gegen den SV Hockenheim ein Remis-Festival. Von Brett eins bis sechs neutralisierten sich die Kontrahenten, die sich teilweise bereits nach der Mindestzugzahl von 20 auf eine Punkteteilung einigten. Die Entscheidung fiel somit in den Partien mit Beteiligung der Jugend-Akteure an Brett sieben und acht. Der 17-jährige Neumair und der ein Jahr jüngere Hobusch verspielten jeweils erst in der Zeitnotphase die mögliche Sensation.

(gra)