Schach: Spannung an Erstliga-Spitze

Schach: Spannung an Erstliga-Spitze

Der Rekordmeister SG Solingen darf nach seinen Heimsiegen gegen Wattenscheid und Emsdetten plötzlich wieder von einem weiteren Titel träumen – weil Tabellenführer OSG Baden-Baden im Top-Duell gegen Bremen strauchelte.

Die SG Solingen ist im Titelkampf der Schach-Bundesliga wieder ganz dick im Geschäft. Der Tabellendritte zwang vor heimischer Kulisse die SK Wattenscheid (5:3) und Turm Emsdetten (5.5 : 2.5) in die Knie und schaffte sich so die Basis, um zum Spitzenreiter OSG Baden-Baden aufschließen zu können. Dank des 4.5 : 3.5-Erfolges von Werder Bremen gegen den Top-Favoriten liegen die drei Spitzenteams jetzt jeweils 20:2 Mannschaftszählern punktgleich vorne. Der amtierende Deutsche Mannschaftsmeister war bis auf den Weltranglisten-Ersten Magnus Carls in Bestbesetzung angetreten – aber dennoch leer ausgegangen.

Da die Unterbewertung – sprich Brettpunktzahl – bei der Titelvergabe nicht relevant ist, wird sich bei normalem Wettkampfverlauf erst im April im direkten Duell zwischen der SG Solingen und Werder Bremen entscheiden, wer nach Abschluss der letzten Runde im Stichkampf gegen Baden-Baden antreten darf.

Für Großmut bestraft

Bei seinem Gastspiel in der Klingenstadt war die SK Wattenscheid mit einer ganz schwachen Equipe angetreten. Dass für die Gastgeber im Veranstaltungsraum der Stadt-Sparkasse gegen ihren ehemaligen Reisepartner dennoch nur ein magerer 5:3-Sieg heraussprang, lag an dem niederländischen Großmeister-Duo. Jan Werle hatte sich bereits in der Eröffnung frühzeitig verzettelt und konnte dadurch die Stellung nicht wieder ausgleichen. Sipke Ernst wurde für seinen Großmut bestraft, da er gegen seinen nominell unterlegenen Kontrahenten völlig überhastet agierte. Der Gesamtsieg war trotzdem zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Die Partien der Großmeister Artur Jussupow, Markus Ragger, Alexander Naumann und Michael Hoffmann waren stets gewinnträchtig.

Auch Turm Emsdetten war im zweiten Duell des Wochenendes deutlich unterbesetzt präsent, so dass die Solinger Schachasse ebenfalls nicht vor allzu schwere Probleme gestellt wurden. Während sich Sipke Ernst mit einem Sieg rehabilitierte, konnte Jan Werle seine anfänglichen Vorteile durch ungenaues Spiel nicht konservieren. Der Niederländer musste sich letztlich mit einem Remis begnügen. Artur Jussupow und Markus Ragger überzeugten jeweils mit einem Sieg erneut.

Beide sind beim Rekordmeister nunmehr zu den fleißigsten Punktesammler aufgestiegen. Ragger hat jetzt sechs Partien hintereinander gewonnen, während Jussupow drei Mal in Folge die Oberhand behielt. Einziger Wermutstropfen ist Raggers Niederlage in Gewinnstellung gegen Gustafsson zum Saisonauftakt. Sein damals zum Greifen nahe voller Punkt hätte der SG Solingen den sensationellen Sieg über Baden-Baden eingebracht – und damit wären die Klingenstädter seit diesem Wochenende noch dicker im Geschäft gewesen.

(RP)