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Volleyball: Seine erste WM als Bundestrainer

Volleyball : Seine erste WM als Bundestrainer

Ohne jegliche Erfahrung war Mats Gerhard vor rund vier Jahren an seinen Trainerjob bei den Sitzvolleyballern von Bayer Leverkusen gekommen. Seit April betreut der Zuspieler der Solingen Volleys auch die Frauen-Nationalmannschaft.

Der Zufall wollte es, dass Mats Gerhard die Faszination für eine ihm bis dahin unbekannte Sportart entdeckte. Mit dem Abitur in der Tasche hatte er im Herbst 2009 bei Bayer Leverkusen ein Freiwilliges Soziales Jahr begonnen. Als sich herumgesprochen hatte, dass er als Zuspieler im Volleyball aktiv ist, hatte er schnell sein Betätigungsfeld gefunden: als Trainer im Sitzvolleyball. Hier war gerade ein Übungsleiter gesucht worden.

"Ich habe direkt gesehen, dass beide Sportarten verwandt sind." Dennoch sei Mats Gerhard die Arbeit im Behindertensport anfangs nicht leicht gefallen. "Wie formuliert man was, ohne etwas Falsches zu sagen?" Die Sportler haben es ihm jedoch einfach gemacht. "Nach zwei, drei Wochen waren die Berührungsängste verschwunden." Der Neuling lernte schnell und profitierte von der Unterstützung seines damaligen Trainerkollegen Martin Blechschmidt. Und er trainierte und spielte mit. "Das hat extrem geholfen."

Von Anfang an war der Sport- und Germanistik-Student beeindruckt von dem, wie flink sich die Sitzvolleyballer bewegen und was sie auf dem Boden leisten. "Ich spiele schon lange Volleyball in der Zweiten Liga - aber das war am Anfang viel zu schnell für mich." Das Feld ist deutlich kleiner, das Netz hängt bei nur 115 (Männer) beziehungsweise 105 Zentimetern (Frauen). Die Arbeit hat ihm so viel Spaß gemacht, dass Mats Gerhard nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr dabei geblieben ist. "Beide Sportarten haben sich miteinander kombinieren lassen, weil es bei Trainingszeiten oder Meisterschaftsspielen so gut wie keine Überschneidungen gegeben hat."

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Im April folgte ein neues Angebot, das Mats Gerhard nicht ablehnen konnte. Der 24-Jährige wurde mit der Aufgabe betraut, als neuer Bundestrainer des Frauen-Nationalteams den Umbruch einzuleiten. Als Co-Trainer fungiert im Übrigen Michael Overhage, der bei Bayer Leverkusen der Headcoach ist. In der vorigen Woche feierte das Duo in vertauschten Rollen seine Premiere. Bei den Weltmeisterschaften der Sitzvolleyballer im polnischen Elblag belegte ihre Mannschaft den zehnten Rang unter zwölf Teams.

"Wir waren uns der Schwere der Aufgabe bewusst." Das macht Mats Gerhard zum einen an der Aufbauarbeit fest, die er seit seinem Amtsantritt vor zwei Monaten leisten muss. "Bis zur WM haben wir nur einen Notfallplan fahren können. Dass drei Stammspielerinnen gefehlt haben, hat es nicht einfacher gemacht." Zum anderen hatten die deutschen Frauen in der Vorrunde eine "Hammer-Gruppe" erwischt. Mit China, Japan, den Niederlanden, Brasilien und der Ukraine waren fünf Länder aus den Top sieben der letzten Paralympics die Gegner. "Das war eine aussichtslose Situation."

Als gar nicht aussichtslos betrachtet der Kölner die Situation in naher Zukunft. "Ich bin nicht Bundestrainer geworden, um etwas zu verwalten oder schöne Reisen zu haben." Mats Gerhard sieht viel Potenzial im Sitzvolleyball. "Es gibt zwei, drei absolute Top-Teams, der Rest der Welt ist allerdings ganz eng zusammen." Es lohne sich, die Aufgabe konsequent anzugehen, um sich nach oben zu arbeiten - am liebsten auch weiterhin in der Kombination als Spieler im Standvolleyball bei den Solingen Volleys. Wie bei fast allen Akteuren aus dem letztjährigen Zweitliga-Kader stehen bei Mats Gerhard noch die Gespräche mit dem neuen Trainer-Duo aus.

(gra)