Handball : Oelzes letzter Wurf

Im zweiten Spiel in Folge schaffte es Handball-Zweitligist Bergischer HC nicht, einen Vorsprung über die Zeit zu retten. Wie gegen Bietigheim reichte es auch gegen den abstiegsbedrohten TuSpo Obernburg nur zu einem Unentschieden. Mehrfach hatten die Löwen den Siegtreffer in der Hand.

Regungslos war Milos Hacko geblieben, als Alexander Oelze ohne Täuschung seinen ersten Siebenmeter im Tor unterbrachte. Die 680 Zuschauer in der Bayerhalle – Minusrekord in dieser Saison – konnten ihre Schadenfreude über den frechen Treffer zum 4:2 (5.) nicht verbergen. Noch in der ersten Halbzeit sollte der Torhüter des TuSpo Obernburg jedoch unterstreichen, warum er als einer der besten Torhüter der 2. Handball-Bundesliga gilt.

Es war ein guter Auftakt des Bergischen HC. Nach Oelzes verwandeltem Siebenmeter beherrschten die Löwen das Geschehen, und sie erarbeiteten sich bis zur 19. Minute einen Fünf-Tore-Vorsprung (11:6), der höher hätte ausfallen müssen. Pfostentreffer von Kim Neuenhofen und Alexander Oelze sowie Fangfehler von Simon Kluge und Jens Reinarz (2) bei Tempogegenstößen verhinderten einen möglichen Sommer-Spaziergang. Simon Kluges missglückter Heber über Milos Hacko nach einem Schnellangriff war der Beginn einer Fehlerserie, über die sich Norbert Gregorz auch noch Minuten nach dem Schlusspfiff erbost zeigte: „Wir haben Fehler gemacht, die ich in dieser Saison so noch nicht gesehen habe.“

Zum gleichen Zeitpunkt steigerte sich auch der Obernburger Keeper, der nun neun Minuten lang seinen Kasten sauber hielt, während seine Teamkollegen sieben Treffer in Serie erzielten. Nach Sebastian Schulz’ Siebenmeter zur 13:11-Führung nahm Norbert Gregorz die überfällige Auszeit (28.). Seine Worte zeigten zumindest bis zum Seitenwechsel Wirkung. Kim Neuenhofen und Sebastian Hinze schafften noch vor der Pause den 13:13-Ausgleich.

Der gestrige Auftritt nach Wiederbeginn war ein Spiegelbild der jüngsten Begegnungen des Bergischen HC. Mit der fehlenden Konsequenz im Torabschluss geriet der Fusionsklub erneut in den Anfangsminuten der zweiten Halbzeit unnötig in Rückstand. Pfostentreffer (Neuenhofen, Hinze), vergebene Chancen bei freien Würfen (Fuchs, Reinarz) und Schrittfehler vor dem Abschluss (Reinarz) nahm die Mannschaft von TuSpo-Coach Thorsten Schmidt als Geschenke an, um sich mit der 19:16-Führung einen Vorteil zu verschaffen.

Die Auswechslung auf der Linksaußen-Position war ein nachvollziehbarer und erfolgreicher Schritt. Mit drei Treffern innerhalb von nur vier Minuten brachte Tim Mullens den Bergischen HC wieder ins Spiel und zusammen mit Christoph Krosch, Sebastian Hinze und Elvir Selmanovic mit 22:19 (49.) in Front. Wie zuletzt in Bietigheim schafften es die Bergischen allerdings nicht, den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Wieder war es Milos Hacko, der die oft harmlosen BHC-Würfe in den letzten zehn Minuten parierte – so auch Christoph Kroschs Tempogegenstoß und Kim Neuenhofens Wurf aus dem Rückraum, die jeweils das 26:25 bedeutet hätten.

Vorteil nicht abgewartet

Den Siegtreffer hatte auch Alexander Oelze in der Hand – gleich zwei Mal. So vergab der Spielmacher 72 Sekunden vor Schluss einen Siebenmeter, indem er den Ball deutlich am Kasten von Milos Hacko vorbei beförderte. Fünf Sekunden vor Ende zappelte der Ball zwar im Netz, doch die wenig überzeugenden Schiedsrichter Matthias Heit und Thomas Hörath hatten nach einem Foul an Kim Neuenhofen den Vorteil nicht abgewartet. Beim Direkten Freiwurf fand Alexander Oelze zwar die Lücke in der Mauer. Dieses Mal bewegte sich Milos Hacko – und auch noch genau in die richtige Ecke, um Oelzes letzten Wurf zu parieren.

(RP)