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Lokalsport: Oelze führt den BHC zum Heimsieg

Lokalsport : Oelze führt den BHC zum Heimsieg

Der Mittelmann hat großen Anteil am 22:18-Erfolg über Balingen. Die Leidenschaft des Teams ist aber der Grundstein.

Für Sebastian Hinze hatte der Mittwoch nicht sonderlich gut angefangen. "Ich bin zu Hause die Treppe runtergefallen", erzählte der Trainer des Bergischen HC und erklärte so die blutverkrusteten Knöchel der linken Hand und am rechten Daumen. Umso besser endete der Tag: Mit dem 22:18 (12:10)-Heimsieg über den Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt der Handball-Bundesliga, HBW Balingen Weilstetten. Nach der Schlusssirene jubelte Hinze mit zur Faust geballter rechten Hand den Zuschauern zu, während seine Spieler auf dem Feld feierten, als hätten sie den Klassenerhalt bereits am 13. Spieltag gesichert.

So weit ist es zwar noch lange nicht, aber diesen Krimi gewonnen zu haben, bei dem sich der BHC erst zwei Minuten vor dem Ende absetzen konnte, ließ viel Druck abfallen. "Der Sieg war vor allem wichtig für die Mannschaft, die ihn so sehr gewollt hat", meinte Geschäftsführer Jörg Föste. Und dass die "Löwen" diesen mit aller Macht wollten, ließ sich in etlichen Szenen beobachten. So sorgte Kreisläufer Max Weiß etwa für die emotionalen Tore: Als er kurz vor der Pause den durch den Kreis rollenden Ball mit einem Hechtsprung noch ins Tor boxte, oder als er einen Abpraller nach einem Pfostentreffer von Maximilian Hermann gegen drei Balinger erkämpfte und im Tor unterbrachte - der 26-Jährige war die personifizierte Leidenschaft. "Der war schon geil", meinte Weiß mit Blick auf die zuletzt beschriebene Szene. "Es ging halt nur über Emotionen."

 Ivano Balic ist der Star der HSG Wetzlar.
Ivano Balic ist der Star der HSG Wetzlar. Foto: Imago (Archiv)
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Und davon hatten die Bergischen an diesem Abend eine ganze Menge. "Der BHC hat einen Ticken mehr Herz gehabt und den Sieg mehr gewollt", befand Balingens Trainer Markus Gaugisch. "Wir sind an unsere Grenzen gegangen, aber um dieses Spiel zu gewinnen, hätten wir darüber gehen müssen. Das hat der BHC gemacht." Hinze führte da fort: "Wir haben zu 100 Prozent, ja sogar darüber, Leidenschaft gezeigt." Föste fand: "Da kann man nicht mehr von Leidenschaft sprechen. Das war Aufopferungswille. Genau die Einstellung, die man braucht, um die Klasse in diesem Jahr zu halten." Hinze ergänzte: "Diesen Kampf, jeden Ball zu wollen und nicht aufzugeben - da muss ich den Jungs ein Riesenkompliment machen, dass sie wieder so ein Spiel auf die Platte gekriegt haben."

Sein Spiel "auf die Platte gekriegt" hatte diesmal auch Alexander Oelze. Der Mittelmann, der bei der 20:32-Niederlage gegen Kiel noch mit zu vielen Fehlern aufgefallen war, verdiente sich offensiv diesmal die Bestnote. Der 30-Jährige war immer Herr der Lage, inszenierte reihenweise gefährliche Angriffe, ging immer voran, fand fast in jeder Situation die richtige Lösung, setzte seine Nebenleute in Szene und erzielte sieben Tore. Vor allem in der Schlussphase war er mit seinen Treffern und Pässen der entscheidende Faktor. "Am Anfang hatte ich Probleme, in Betrieb zu kommen. Am Ende ist es besser gelaufen. Wir haben gewonnen, alles andere ist egal", gab Oelze zu Protokoll. Hinze analysierte die Klasseleistung seines Mittelmannes, der den verletzten Viktor Szilágyi (Daumenbruch) diesmal hervorragend ersetzte, so: "Er war gegen Kiel schon gut von der Körpersprache, und auch heute hatte er in Phasen, wo ihm selber nicht viel gelungen ist, eine Präsenz, an der sich die anderen aufrichten konnten: Kinn runter, Brust raus."

Nicht nur Oelzes Körpersprache vermittelte an diesem Abend, dass nur der BHC die Klingenhalle als Sieger verlassen würde. Wie die Abwehr der Bergischen ackerte, war schlicht sensationell, zudem hatte Torwart Mario Huhnstock einen super Tag erwischt. "18 Gegentore sprechen eine deutliche Sprache", fand Oelze sehr zu Recht. "Da kann man den ein oder anderen Fehlwurf verschmerzen."

Die schönsten Sätze des Abends hatte aber Hinze parat: "Das war ein sensationelles Spiel für mich. Es war nicht unbedingt etwas für Handball-Ästheten, aber für alle, die diesen Sport lieben." Da war auch der Treppensturz vergessen.

(ame)