Handball : Mühsame Suche

Nicht einfach ist in diesen Tagen die Arbeit von Raimo Wilde. Der Trainer des Handball-Zweitligisten Bergischer HC muss sein ersatzgeschwächtes Team auf die Pflichtaufgabe Delitzsch vorbereiten und einen neuen Halblinken finden.

Raimo Wilde und Stefan Adam kommen sich vor wie bei der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Diese hatte schon einmal geglänzt und war zum Greifen nah gewesen – dann aber kam jemand und schnappte das begehrte Stück dem Trainer und Manager des Bergischen HC vor der Nase weg. Also konnten beide bei der Suche wieder von vorne anfangen.

Bei der Nadel handelt es sich um einen Spieler für den linken Rückraum, der letzten vakanten Position im Kader des Handball-Zweitligisten für die kommende Saison. „Der Markt ist leer gefegt“, sagt Raimo Wilde. Weil das so ist, bestimmt die Nachfrage den Preis der wenigen Halblinken, die nach dieser Spielzeit den Klub wechseln könnten. „Ob dann das Verhältnis zur Leistung stimmt, ist fraglich.“ Also geht die mühsame Suche weiter, denn eine Verlängerung der auslaufenden Verträge von Sebastian Aschenbroich und Sven Hertzberg komme nicht in Frage. Der Grund ist nicht die Leistung, sondern die Knie-Probleme, mit denen sich die beiden erfahrenen Akteure seit Wochen und Monaten herumplagen. Aufgrund eines Knorpelschadens muss Sebastian Aschenbroich regelmäßig das Training abbrechen. Sven Hertzberg stieg vorgestern aus. „Es geht kaum noch“, erklärt der BHC-Coach, der davon ausgeht, dass er morgen beim Auswärtsspiel gegen Concordia Delitzsch auf den 27-Jährigen verzichten muss.

Hertzberg wäre damit nach Jens Reinarz, Henning Quade, Jiri Vitek und Christoph Krosch Ausfall Nummer fünf. Daher geht Raimo Wilde nicht davon aus, dass er am Samstag an seiner Blockbildungstaktik mit der 6:0-Abwehr in der ersten und der offensiven 3:2:1-Variante in der zweiten Halbzeit festhalten wird. „Wir werden uns etwas ganz anderes, vielleicht auch Überraschendes einfallen lassen.“

Mulmiges Gefühl

Nicht nur wegen der personellen Probleme sieht Raimo Wilde mit mulmigen Gefühlen der morgigen Begegnung entgegen. „Zuletzt hatten wir ein Ziel: die Partie gegen Bayer Dormagen.“ Die Spannungskurve sei kontinuierlich nach oben gegangen, jetzt sei das Highlight Vergangenheit. „Alle haben ein gutes Gefühl gehabt, auch wenn wir knapp verloren haben.“ Bei den ersten Trainingseinheiten dieser Woche hat der Trainer bereits gemerkt, dass die Mannschaft in ein kleines Motivationsloch gefallen sei. „Bevor wir uns ein neues Ziel für den Rest der Saison setzen, gilt es erst einmal, in Delitzsch die Kurve zu kriegen und nicht zu verlieren.“

Wildes Trainerkollege Uwe Jungandreas wird sich keine Sorge um die Motivation seiner Mannschaft machen müssen. Die Delitzscher um den BHC-Neuzugang Mario Huhnstock gehören zu den sechs akut abstiegsgefährdeten Zweitliga-Teams.

(RP)