Schwimmen: Mit eisener Selbstdisziplin zurück im Wasser

Schwimmen: Mit eisener Selbstdisziplin zurück im Wasser

Beim TSV Aufderhöhe trainiert die dreifache Europameisterin Katarzyna Baranowska seit Mai für ihre Rückkehr in die Weltspitze.

Es gibt nicht viele Vereine in Deutschland, in denen ausländische Spitzenschwimmer trainieren und sich auf internationale Meisterschaften vorbereiten. Seit einem halben Jahr gehört der TSV Aufderhöhe zu diesen Ausnahmen. Nach einer rund vierjährigen Wettkampfpause bereitet sich Katarzyna Baranowska im Klingenbad mit Trainer Kirk Schubert auf ihr Comeback vor. Anvisiert ist die Qualifikation für die Kurzbahn-EM Mitte Dezember in Dänemark.

Katarzyna "Kasia" Baranowska gehörte in Polen zu den besten Schwimmerinnen über die langen Strecken. Als 18-Jährige gewann sie bei den Kurzbahn-Europameisterschaften in Triest ihre ersten beiden Lagen-Titel, drei Jahre später vertrat sie ihr Heimatland bei den Olympischen Spielen in Peking. Danach war das Kapitel Hochleistungssport urplötzlich beendet. "Ich hatte akute Probleme mit dem Rücken. Und ich war trainingsmüde." Jahrelang sei das Schwimmen das einzige gewesen, was gezählt habe. Darunter hat das Verhältnis zu ihrem Trainer derart gelitten, dass an eine Fortsetzung der Zusammenarbeit nicht mehr zu denken war.

"Ich habe fortan als normale Person im Event-Management gearbeitet." Das Leben ohne Sport hat Katarzyna Baranowska jedoch nicht gut getan, fast 40 Kilogramm hat sie in dieser Zeit zugenommen. "Nachdem ich die ersten zehn Kilo wieder verloren hatte, wollte ich zurückzukehren. Im Wasser habe ich gemerkt, dass mir etwas gefehlt hatte." Mit eisener Selbstdisziplin arbeitete die 26-Jährige in einem kleinen Hallenbad in einer Warschauer Siedlung an sich, bis sie ihr Idealgewicht wiedererlangt hatte.

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"Kasia wollte unbedingt zurück. In Polen allerdings war keine Basis mehr gegeben", sagt Christoph Beck. Seit drei Jahren lebt der Stiefvater mit Mutter Maria in Solingen. Ein dreiwöchiger Familienbesuch vor einem Jahr leitete ein neues Kapitel in Baranowskas Schwimmkarriere ein. Der TSV Aufderhöhe gab der Lagen-Spezialistin die Möglichkeit, in dieser Zeit mitzutrainieren. Die Chemie zwischen Trainer Krik Schubert und Katarzyna Baranowska stimmte sofort. "Wir mussten nicht lange zögern, als die Nachfrage kam, ob sie auf Dauer bei uns trainieren kann", blickt Abteilungsleiter Thomas Fuhlbrügge zurück. "Sie wertet den Schwimmsport in Solingen auf." Schon jetzt habe die Polin eine Vorbild-Funktion für die jüngeren Athleten. "Sie wird im Training gejagt und muss sich deswegen richtig anstrengen."

Wie weit die dreifache Kurzbahn-Europameisterin von ihren Bestzeiten entfernt ist, wird sich am Wochenende in Bonn zeigen. Im Hardtberg-Bad wartet der erste Wettkampf seit dem Trainingsauftakt im Mai. "Ich bin nervös wie ein kleines Kind", gibt Katarzyna Baranowska zu. Im Gegensatz zu ihren ehemaligen Trainern in Polen wird sie von Kirk Schubert nicht unter Druck gesetzt: "Wir gehen die Sache ganz langsam an — auch mit Blick auf die gesundheitlichen Probleme, die zweifelsohne vorhanden waren". Der Coach ist überzeugt, dass es sein neuer Schützling zurück in die Weltspitze schaffen wird.

(RP)
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