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Behinderten-Sportgemeinschaft: Küsse für den Trainer

Behinderten-Sportgemeinschaft : Küsse für den Trainer

Horst Gronau sorgt in der Behinderten-Sportgemeinschaft Solingen für familiäres Flair. Mit seiner offenen und herzlichen Art begeistert der Übungsleiter die Mitglieder.

Wenn sich Horst Gronau mal wieder ein neues Spiel ausgedacht hat, umarmen oder küssen ihn seine Schützlinge. "Alle scharen sich um mich und möchten mich an die Hand nehmen", erzählt der Übungsleiter. Die meisten Mitglieder, mit denen der Trainer spielt, sind körperlich oder geistig behindert. Sie können sich oftmals nicht ausreichend artikulieren, um ihre Freude auszudrücken.

Seit 26 Jahren ist Horst Gronau nun schon Sonderpädagoge bei der Behinderten-Sportgemeinschaft Solingen. Über seine vorangegangene Arbeit mit schwererziehbaren Kindern hat er den Verein kennen gelernt. "Das ist das Richtige, das macht mir Spaß", hatte der Pädagoge damals sofort gewusst.

"Seit ich hier bin, ist die Strenge verflogen", erinnert er sich. "Auch während der Übungsstunden erzählen wir uns Witze und lachen viel." Horst Gronau ist nicht nur Trainer, er ist viel mehr ein Freund. Seine offene und herzliche Art gefällt den Mitgliedern. Deshalb fordern seine Schüler oft: "Bitte verlass‘ uns nie. Bleib‘ immer bei uns." Dann scherzt der Trainer zurück: "Aber mit 100 Jahren habe ich doch schon so einen langen Bart."

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Leuchtende Augen

Bei den wöchentlichen Treffen geht der 70-jährige auf jeden Teilnehmer individuell ein: "Wir erfinden besondere Spiele, damit sich der jetzige Zustand der Behinderung nicht verschlechtert oder sogar verbessert." In der "Rollstuhlgruppe" wird alles gegeben, wenn es heißt: "Der Luftballon darf nicht den Boden berühren". Die Stimmung bei den Spielen ist immer ausgelassen, das Verhältnis freundschaftlich. "Wenn ich da bin, haben alle ein Lächeln im Gesicht und leuchtende Augen."

In dieser familiären Atmosphäre fühlt sich auch Urenkelin Maja wohl. "Wenn ich zu meiner Gruppen gehe, fragt sie mich immer: Opa, kann ich mit kommen?", erzählt Horst Gronau. Für die Fünfjährige ist der Umgang mit Behinderten alltäglich geworden.

Doch die Akzeptanz in der Gesellschaft war nicht immer so groß. In den Anfangsjahren des Vereins wurden die geistig Behinderten von den körperlich Eingeschränkten diskriminiert. "Man wollte sie nicht aufnehmen, weil sie angeblich gefährlich seien," erzählt Gronau. Doch mittlerweile gibt es auch Gruppen, in denen sich Behinderte und Nicht-Behinderte vermischen. "Es fällt gar nicht mehr auf, wer benachteiligt ist. Jeder wird voll und ganz aufgenommen und akzeptiert", hat der Trainer festgestellt.

"Das ist so ein fröhliches Miteinander. Erst letzte Stunde saßen wir wieder da und haben einfach nur geplaudert", sagt er. Und während Horst Gronau in den Erinnerungen schwelgt, leuchten seine Augen — und er lächelt zufrieden.

(RP)