Judo: Kroatien hat Vorrang

Judo: Kroatien hat Vorrang

Seitdem Janina Beune im Sommer die Gewichtsklasse gewechselt hat, geht es in ihrer Judo-Karriere rasant voran. Die 15-Jährige, gerade erst in den Bundeskader berufen, wurde jetzt Deutsche Vize-Meisterin in der Altersklasse U17.

Bei der Siegerehrung konnte Janina Beune schon wieder strahlen. Auf der Judo-Matte allerdings hatte das noch etwas anders ausgesehen, als sie sich gerade bewusst geworden war, dass sie den Titel der Deutschen Meisterin in der Altersklasse U17 Lisa Pilarski überlassen hatte – in den letzten Sekunden des vierminütigen Kampfes. "Ich hätte sie gar nicht mehr zum Angriff kommen lassen dürfen."

Janina Beune hatte nicht verhindern können, dass sich die etwas kleiner gewachsene Kontrahentin tief eindrehte und die Solingerin wie in Zeitlupe auf die Seite zu Fall brachte. Diese kleine Wertung brachte in dem ausgeglichenen Duell um die Goldmedaille der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm die Entscheidung. Zuvor waren beide Judoka nur jeweils mit einer Strafe belastet gewesen.

Eigentlich war Janina Beune in der neuen Nürburgring-Arena angetreten, um ihren zweiten DM-Titel in dieser Saison zu holen. Mitte Dezember hatte die 15-Jährige für Bayer Leverkusen im Schlusskampf des Halbfinals gegen den VfL Sindelfingen den Weg zum Gewinn der Deutschen U17-Mannschaftsmeisterschaft geebnet, als sie in der nächsthöheren Gewichtsklasse aushelfen musste und den Siegpunkt sowie den Finaleinzug sicher gestellt hatte. Nun folgte im Einzel der Vize-Titel, dem sie in der kommenden Woche noch eine weitere gute nationale Platzierung hätte folgen lassen können. Denn mit Rang drei bei den Westdeutschen Titelkämpfen der Altersklasse U20 wäre Janina Beune auch hier bei der DM startberechtigt. Stattdessen fliegt sie nach Kroatien, um in Zagreb erstmals bei einem Europa-Cup anzutreten. "Da hat meine eigentliche Altersklasse dann doch Vorrang."

Kein Fan vom Abnehmen

Den Wechsel in die höhere Gewichtsklasse von 57 Kilogramm hat Janina Beune sichtlich gut getan. "Ich hatte mich entscheiden müssen. Und da ich kein Fan vom Abnehmen bin, habe ich in den Sommerferien zugelegt." Zudem war sich die 1,72 Meter große und jetzt 56,5 Kilogramm schwere Judoka bewusst, dass sie durch Krafttraining an Muskelmasse und damit auch an Gewicht zulegen würde. "Ohne dieses zusätzliche spezielle Programm wäre ich in dieser Saison niemals so weit gekommen." Gestartet bei Turnieren auf Kreis- und Bezirksebene, um erste Erfahrungen mit den schwereren Gegnerinnen zu machen, hat Janina Beune einen derart großen Leistungssprung gemacht, dass dieser auch der Bundestrainerin nicht verborgen geblieben ist. Erst vor zwei Wochen hat Jana Degenhardt die Zehntklässlerin in den D/C-Nachwuchskader nominiert. Diese Berufung ist ihr fast noch mehr wert wie die Silber-Medaille vom Nürburgring.

(RP)