Handball : Keine Kompromisse

Aus beruflichen Gründen stellt Dag Rieken sein Traineramt beim Handball-Oberligisten SG Solingen BHC II zur Verfügung. Sein Nachfolger ist Jörg Müller, der in der kommenden Saison mit dem Juniorteam die Regionalliga anvisieren will.

Bis vor vier Wochen hatte Jörg Müller noch versucht, als Trainer die HG Remscheid aus dem Abstiegsstrudel der Handball-Regionalliga zu steuern. Am 20. März beurlaubte der Verein dann den 38-Jährigen und holte Mike Novakovic als dessen Nachfolger. Den Abstieg in der Oberliga scheint aber auch der Ex-Coach des LTV Wuppertal nicht verhindern zu können, so dass es für Jörg Müller in der kommenden Saison ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Klub geben könnte. Der Kaufmann wird bei der SG Solingen BHC das Juniorteam betreuen.

Nach Mettmann und Remscheid kehren Sie also zu Ihren Solinger Wurzeln zurück . . .

Müller Es freut mich, dass ich in die Organisation zurück darf. Ich bin schließlich Solinger, weil ich hier wohne und arbeite. Zudem habe ich viele schöne Jahre bei der SG Solingen erlebt und habe das Interesse an dem Verein nie verloren.

Die Aufgabe mit dem Juniorteam ist nicht einfach, schließlich gibt es keinen festen Kader, so wie Sie es bei Ihren letzten beiden Trainerstationen gewohnt waren. Betrachten Sie das als ein Problem ?

Müller Ich weiß ja, auf was ich mich einlasse, weil es auch in der kommenden Saison einen durchlässigen Kader geben wird. Das Juniorteam genießt jedoch einen hohen Stellenwert. So werden wir eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen. Dass sie mit den vielen jungen, talentierten Spielern in der Oberliga bestehen kann, hat die Mannschaft bekanntlich in diesem Jahr schon bewiesen.

Derzeit liegt das Team auf Tabellenplatz drei. Eine bessere Platzierung ist vielleicht durch einige organisatorische Mängel verspielt worden. Ist aus diesen Fehlern gelernt worden ?

Müller Was in der Vergangenheit passiert ist, muss man einfach so stehen lassen. Das Umfeld und die Strukturen im Verein müssen aufeinander abgestimmt sein. Eine unserer Hauptaufgaben wird die akribische Koordination der Spielpläne der Zweitliga- und der Oberliga-Mannschaft sein. Die Termine dürfen sich erst gar nicht überschneiden, so dass wir auf diesem Weg personelle Engpässe vermeiden können. Allerdings muss stets darauf geachtet werden, dass wir die Spieler nicht verschleißen.

Aufgrund Ihrer Erfahrungen als Spieler und Trainer haben Sie doch sicherlich auch andere Angebote gehabt. Was war der Grund, sich für die Rückkehr zur SG Solingen zu entscheiden ?

Müller Der zeitliche Aufwand spielt eine große Rolle. Ich bin beruflich stark eingespannt, so dass der Trainerjob nur schwer mit meiner täglichen Arbeit vereinbar gewesen ist. In der Regionalliga hätte ich immer Kompromisse eingehen müssen. Selbst der kurze Weg zuletzt nach Remscheid war bei vier Trainingseinheiten pro Woche ein großer, grenzwertiger Aufwand. Da bringe ich mich lieber hundertprozentig in der Oberliga ein.

Das Ziel Regionalliga haben Sie aber trotzdem anvisiert ?

Müller Die Regionalliga muss das Ziel sein, wenn man den rasanten Fortschritt der Entwicklung aller Nachwuchsakteure sieht. Es ist schwer, die Spieler mit Regionalliga-Niveau zu halten, wenn Sie nur in der Oberliga spielen können. Da reicht die Möglichkeit, vielleicht irgendwann mal zu den Profis zu gehören, einfach nicht aus.

Werden Sie noch den einen oder anderen Routinier einbauen wollen ?

Müller Routinierte Spieler tun jeder Mannschaft gut. Ich habe in Remscheid gesehen, dass kritische Situationen leichter von Erfahrenen gemeistert werden können.

Das Gespräch führte Guido Radtke

(RP)