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Analyse: Im Fußball droht die sportliche Katastrophe

Analyse : Im Fußball droht die sportliche Katastrophe

Verlängerung Die Solinger Fußball-Bezirksligisten haben eine schwere Hinrunde hinter sich. Zur Winterpause steht nur der BV Gräfrath über dem Strich. Die SG Vatanspor und der VfB Solingen würden nach aktuellem Stand absteigen. Der Weg zum Klassenerhalt geht nur über den Kampf.

Sahin Sezer hatte es bereits vor Saisonbeginn gesagt: "Die Düsseldorfer Gruppe ist stärker als die Wuppertaler." Bis zur vergangenen Spielzeit waren Solinger Teams in der Bezirksliga-Gruppe 2 gegen viele Wuppertaler Mannschaften angetreten. Seit dieser Saison müssen sich der BV Gräfrath, die SG Vatanspor und der VfB Solingen mit vielen Düsseldorfer Vertretern in Gruppe 1 auseinandersetzen. Haben die Clubs diese Aufgabe unterschätzt ? Die Vermutung liegt nah. Nur mit einem Punkt Vorsprung auf einen Nichtabstiegsplatz überwintern die Gräfrather. Vatanspor und der VfB stehen sogar unten drin.

"Unsere neue Bezirksliga-Gruppe ist nicht stärker als die neue", erklärt BVG-Trainer Horst Schulten. "Aber sie ist ausgeglichener und verfügt über die besseren Vollstrecker vor dem Tor." Fußballerisch ist der Unterschied nicht so massiv. Auch in der Düsseldorfer Gruppe agieren die Teams überwiegend mit vielen langen Bällen nach vorne, was nicht gerade für besonders hohe Qualität spricht. "Aber der Gegner verfügt dann plötzlich über mehrere Spieler, die größer als 1,90 Meter sind. Das haben wir vielleicht schon etwas unterschätzt", gesteht Uwe Rütjes, der beim VfB die Verantwortung trägt. In Kombination mit dem hohen kämpferischen Einsatz, den angesichts von sechs Abstiegsplätzen alle Mannschaften an den Tag legen, taten sich die Solinger Teams extrem schwer. So schwer, dass vor allem der VfB seine Saisonziele komplett überarbeiten musste.

Eigentlich wollten die Baverter oben mitspielen. Der Verein hatte mit Daniel Redmer, Eray Bastas oder Ali Celik hervorragende Neuzugänge verpflichtet. Das Rezept scheiterte in der Hinrunde jedoch völlig. Nachdem die Truppe ein paar Spiele verloren hatte, schien der Haussegen schief zu hängen. Trainer Rütjes bemängelte den Zusammenhalt auf dem Platz und die schwache Trainingsbeteiligung. 14 Punkte holte der VfB aus 16 Spielen – drittletzter Platz und schlechtester Solinger Vertreter. Die Notbremse hat der Verein längst gezogen. In zahlreichen Einzelgesprächen wurden die größten Missverständnisse ausgeräumt. "Eigentlich liegen wir alle auf einem Nenner. Die Ansprüche sind viel höher", erläutert der Coach. Von allen drei Solinger Vereinen ist es beim VfB am wahrscheinlichsten, dass es im Winter zu personellen Veränderungen kommt. "Die Wechsel gestalten sich erwartungsgemäß schwierig. Trotzdem versuchen wir natürlich, den Kader zu verstärken."

Ohne Kampf wird auch in der Rückrunde nichts zu holen sein. Nicht nur dem VfB fehlte diese Eigenschaft zwischenzeitlich, sondern auch dem BV Gräfrath. "Das müssen wir klar so sehen", gibt Horst Schulten zu. "Der Gegner war oft nicht besser, hat aber alles gegeben. Das war bei uns nicht immer so." Sollten die Gräfrather dieses Defizit abstellen, werden sie schnell gerettet sein. Trotz einer über weite Strecken wenig starken Halbsaison überwintert die Truppe auf einem Nichtabstiegsplatz. Eine Steigerung sollte zum gesicherten Klassenerhalt reichen. "Wir müssen aus unseren Erfahrungen lernen", fordert der Trainer.

Beim dritten Solinger Verein, der SG Vatanspor, herrscht zumindest ein wenig Optimismus. Der Verein beschloss die Hinrunde mit einem Sieg und steht von allen auf einem Abstiegsplatz befindlichen Teams als Zwölfter am besten. "Bei uns musste sich zu Beginn der Saison noch vieles finden", weiß Sahin Sezer. Der neue Trainer hat frischen Wind in die Mannschaft gebracht und zudem zahlreiche neue Spieler an die Zietenstraße gelockt. Nicht alles funktionierte von Anfang an. Dazu kam, dass Sezer als Spielertrainer noch selbst verletzt war. Für die Rückrunde ist er genauso fit wie seine Brüder Mehmet und Fatih, die im bisherigen Saisonverlauf schon ihre Klasse gezeigt haben. "Ich bin mir sicher, dass wir nicht absteigen", stellt der Coach klar.

Dennoch: Die sportliche Katastrophe eines dreifachen Solinger Abstiegs war noch nie so nah wie in dieser Saison. Das Szenario ist unwahrscheinlich, aber angesichts der Tabellensituation nicht von der Hand zu weisen. Eine Rettung aller drei Clubs ist angesichts von sechs Absteigern allerdings mindestens genauso weit weg wie der Komplettabstieg des Solinger Fußballs.

(trd)