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Handball: Großer Aufwand für die Lizenz

Handball : Großer Aufwand für die Lizenz

Im Bergischen Land wächst von Woche zu Woche die Euphorie, es nur fünf Jahre nach dem Zusammenschluss der Profiabteilungen der SG Solingen und des LTV Wuppertal in die Handball-Bundesliga zu schaffen. Nur wenige Kilometer entfernt kämpft der DHC Rheinland im Oberhaus seit einem Monat nicht nur ums sportliche Überleben. Seit der Anmeldung der Insolvenz am 8. Februar beim Amtsgericht Düsseldorf bangt man in Dormagen um die Zukunft als Handball-Standort.

Die Nachricht der finanziellen Probleme beim langjährigen Liga-Konkurrenten lässt beim Bergischen HC kaum jemanden kalt, auch wenn der Zweitliga-Primus jüngst seinen Nutzen daraus ziehen konnte. Weil Kristian Nippes das Risiko der ungewissen Zukunft nicht tragen wollte, entschloss sich das Solinger Eigengewächs am letzten Tag der Wechselfrist zur Rückkehr zu seinem Stammverein. "Ich habe in Dormagen gespielt, Ha De Schmitz war dort schon als Trainer tätig." Allein wegen dieser besonderen Beziehung sei Stefan Adam besonders betroffen gewesen. "Grundsätzlich aber ist jede Nachricht dieser Art nicht nützlich für unseren Sport."

Mit großem Aufwand vergibt die Handball-Bundesliga (HBL) vor jeder Saison die Lizenzen. In der vorigen Woche musste der BHC wie alle anderen potenziellen Erst- und Zweitligisten ihre Unterlagen einreichen – als Nachweis, dass der Verein dem Spielbetrieb auch finanziell gewachsen ist. "Selbst wenn die Lizenz ohne Auflagen erteilt wird, bleibt ein gewisses Risiko immer bestehen", urteilt der Manager des Bergischen HC. "Man muss sich im Klaren sein, dass im Handball die Abhängigkeit von Sponsoren und Zuschauereinnahmen extrem groß ist."

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In Dormagen führten die Probleme eines Großsponsors zum Kollaps. Die HR Commitment hatte 350 000 Euro zum 1,6 Millionen-Etat beisteuern wollen, bevor das Unternehmen die Insolvenz einleiten musste. "So einen Ausfall kann man nicht auffangen." Stefan Adam weiß nur zu gut, dass der BHC in ähnlicher Abhängigkeit steht. "Wir können uns jedoch glücklich schätzen, dass unsere großen Sponsoren extrem gesund sind und die Partnerschaften langfristig angelegt sind."

Bedenken, dass der Bergische HC dem Aufstieg nicht gewachsen sei, hat Stefan Adam nicht. Im Gegenteil. Ein Start in der Eliteklasse beinhalte viele Vorteile. "Hier greifen zum einen viele Automatismen." So profitieren die Clubs von den Fernsehverträgen oder der Namenspartnerschaft mit dem Liga-Sponsor Toyota. "Zum anderen verschafft die Erste Liga in allen Bereichen eine bessere Ausgangsposition für die Vermarktung."

Vorkommnisse wie in Dormagen oder auch beim Mitaufsteiger HSG Ahlen/Hamm – hier wird der Spielbetrieb am finanziellen Limit aufrecht erhalten – haben die HBL dazu veranlasst, bei der Lizenzvergabe noch genauer hinzuschauen. Erstmals mussten die Vereine einen kompletten Zwischenabschluss erstellen, der von einem Wirtschaftsprüfer unter die Lupe genommen wurde. "Der mit diesem Verfahren verbundene Mehraufwand war einer der Hauptgründe, warum so viele Zweitligisten auf eine Lizenz für die kommende Saison verzichtet haben", sagt Stefan Adam. Neu ist auch die Empfehlung, prozentual Eigenkapital aufzubauen. "Noch ist es eine Soll-, bald jedoch eine Muss-Regelung."

Nach und nach hat man sich beim Bergischen HC an das (untere) finanzielle Niveau der Ersten Liga herangetastet. Schneller als ursprünglich geplant. "Dass wir im vorigen Jahr so viel investieren konnten, war teilweise nur möglich durch den Einsatz unseres Hauptsponsors", gibt Adam zu.

(RP)