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Tischtennis: Gold ins Bergische Land

Tischtennis : Gold ins Bergische Land

In Chinas Lieblingssportart Tischtennis setzte sich der für Solingen startende Wuppertaler Jochen Wollmert bei den Paralympics durch. Hannelore Brenner gewann die Kür im Dressurreiten.

Die Ruhe war gespenstisch. 6000Zuschauer in der Pekinger Universitätshalle waren sprachlos, weil ihr Landsmann Chaoqun Ye in ihrer Lieblings-Sportart vorgeführt wurde - von Jochen Wollmert, dem "Opa" unter den Tischtennis-Spielern der Schadensklasse7, in der alle anderen Teilnehmer maximal 30Jahre alt sind. Der 43-Jährige war in diesem Moment der Stille sichtlich irritiert: "Ich habe mich gefragt: Was ist hier los?" Jochen Wollmert war auf dem besten Weg, die erste Gold-Medaille der deutschen Männer bei den Paralympics zu gewinnen. 11:3 hatte der Wuppertaler den ersten Satz gewonnen, im zweiten Abschnitt lag er bereits mit 6:1 in Front. Damit hatte Wollmert nicht nur seinen Kontrahenten, sondern auch die 6000Chinesen beeindruckt. Vier Sätze brauchte er schließlich, bis er seinen Schläger vor Freude ins Publikum war.

Auch wenn Jochen Wollmert wusste, welche Atmosphäre ihn im Endspiel gegen Chaoqun Ye erwarten würde, war der Chinese von den drei weiteren Halbfinal-Teilnehmern sein Wunschgegner gewesen. "Er hat von allen das geradlinigste Spiel." Chaoqun Ye setzte den Deutschen zwar mit seinen für die in dieser Schadenklasse eigentlich untypischen harten Vorhandschlägen unter Druck, doch der Weltranglisten-Erste blockte die Bälle ab und machte anfangs fast alle Punkte - mit der Rückhand, die Jochen Wollmert aufgrund von Versteifungen an Hand- und Fußgelenke ausschließlich spielen kann.

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Jochen Wollmert ist ein alter Hase, was die Paralympics betrifft. In Barcelona, Atlanta, Sydney und Athen war der Pressesprecher einer großen Krankenkasse auch schon dabei gewesen, und noch nie hat er die Heimreise ohne eine Medaille angetreten. Sein bislang einziges Einzel-Gold hatte er vor acht Jahren in Sydney gewonnen. "Die Jahre zehren an einem", sagt der zweifache Familienvater, dessen Vorbereitung daher auch deutlich intensiver war als in den Jahren zuvor.

Neben Trainingseinheiten im Leistungszentrum des Westdeutschen-Tischtennis-Verbandes und Meisterschaftsspielen mit dem Deutschen Mannschaftsmeister Behinderten-Sport Solingen hat sich Wollmert seine Form vor allem bei den Nicht-Behinderten geholt hat. In der vorigen Saison hat der 43-Jährige mit dem TTC Wuppertal den Verbandsliga-Aufstieg gefeiert und dort an Position eins gespielt.

"Um dort erfolgreich zu sein, muss ich schnell auf den Beinen sein, weil ich stets die Vorhand umlaufen muss." Noch wichtiger sei aber die Wettkampf-Praxis der vielen engen Spiele, die ihm gestern im Paralympics-Finale einen großen Vorteil verschafft hat: seine Nervenstärke.

Es war am fünften Wettkampftag die erste Goldmedaille für einen deutschen Mann. Die Frauen sorgten für die ersten vier deutschen Erfolge und gewannen 22 der ersten 27 Medaillen. Eine weitere goldene holte gestern Reiterin Hannelore Brenner. Die 45-Jährige vom Reitclub Hofgut-Petersau gewann nach der Individualprüfung auch die Kür des Grades III.

Derweil gibt es es zwei weitere Dopingfälle bei Gewichthebern. Wie das Internationale Paralympische Komitee (IPC) mitteilte, wurden in den Urinproben des 45-jährigen Facouro Sissoko aus Mali und der 32-jährigen Ukrainerin Ludmila Osmanowa anabole Steroide gefunden. Beide wurden sofort für zwei Jahre gesperrt, haben aber sieben Tage Zeit für einen Protest. Zuvor war der pakistanische Gewichther Naveed Ahmed Butt überführt worden. Schon bei den letzten beiden Paralympics waren die Gewichtheber für 15 von 18 Dopingfällen verantwortlich.

(RP)