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Sportlerwahl: Für Kuchalski ging's mit links nach ganz oben

Sportlerwahl : Für Kuchalski ging's mit links nach ganz oben

Im normalen Leben ist Tim Kuchalski Rechtshänder, wie so viele andere. Wenn er aber seine Fechtkleidung und seine Maske anzieht, setzt er seine entscheidenden Treffer mit der linken Hand.

Und das macht er so gut, dass er in seiner Altersklasse zur internationalen Weltspitze im Degenfechten gehört und für Deutschland noch den einen oder anderen Kontrahenten von der Planche räumen möchte. "Irgendwie ist das schon komisch, dass ich alles mit rechts mache. Nur eben das Fechten nicht. Aber das bringt mir im Sport einige Vorteile. Denn vielen Gegnern liegen Linksfechter nicht so gut. Diese Eigenschaft habe ich von meiner Mutter geerbt", schmunzelt der 16-Jährige.

Fechten ist bei den Kuchalskis Familiensache. Vater Jaroslaw gehörte zur polnischen Nationalmannschaft, Mutter Margaretha stach für das Deutsche Auswahlteam zu. Außerdem fochten die Eltern für Bayer Leverkusen. Genau wie der Junior. Und das macht er außerordentlich gut. In diesem Jahr hat der Solinger Gesamtschüler der Friedrich-Albert-Lange-Schule seinen Kampfgegnern reihenweise den entscheidenden Stich verpasst.

Er ist in der A-Jugend der Führende der Deutschen Rangliste sowie nationaler Titelträger im Einzel und mit der Mannschaft. Zudem sicherte er sich in Jordanien die Vize-Weltmeisterschaft bei den Kadetten und belegte auch beim hochklassig besetzten Weltcup in Basel den zweiten Rang.

"Es läuft derzeit wirklich super. Ich bin gut drauf und habe auch in den Wettkämpfen die nötige Lockerheit", sagt der ehrgeizige Teenager. Schnelligkeit, Flexibilität und vor allem das Reaktionsvermögen — das sind seine Trümpfe, die ihn so erfolgreich machen. Und er will noch einiges erreichen. "Mein großes Ziel sind die Olympischen Spiel in Rio de Janeiro 2016. Dafür tue ich alles und kämpfe mich auch im Training durch."

Vier Mal in der Woche fährt Mutter Margaretha ihren Sprössling zum Training nach Leverkusen. Hinzu kommen die vielen Weltcup-Turniere und Lehrgänge für die Nationalmannschaft. Viel Zeit für andere Dinge bleibt nicht. Das Fechttalent schwimmt ab und zu, geht gerne ins Kino und hängt mit Freunden ab. Tim möchte Abitur machen und bei der Polizei Sport studieren.

Vor allem im Fechten hat das Top-Talent aber noch einiges vor. Für den Erfolg ist er auch bereit, einige Entbehrungen in Kauf zu nehmen. Die eine oder andere Party findet deswegen ohne Tim statt, was ihn nicht sonderlich stört. "Beim Fechten ist man auf sich alleine gestellt und entscheidet selber über die Erfolge. Wer viel trainiert, kann auch viel erreichen. Man darf nur nicht verkrampfen und muss locker bleiben." Dieser junge Mann ist cool, hat ehrgeizige Ziele und den nötigen Biss. Und er will mit links nach ganz oben.

(RP)