Baseball: Für Glynne zählt nur der nächste Pitch

Baseball : Für Glynne zählt nur der nächste Pitch

Auf seine Würfe wird morgen viel ankommen, wenn die Solinger Baseballer das Playoff-Viertelfinale gegen die Haar Disciples fortsetzen. Harry Glynne wird das dritte Spiel für die Alligators auf dem Wurfhügel beginnen.

Gut gelaufen ist es am vergangenen Wochenende nicht für Harry Glynne. Der Werfer, der seit dieser Saison bei den Solingen Alligators aktiv ist und regelmäßig das erste Duell eines Doppelspieltags auf dem Wurfhügel startet, wurde mehrere Male hart von den Haar Disciples erwischt. "Ich musste mich in das Match hineinkämpfen", blickt der US-Amerikaner mit deutschem Pass zurück. "Aber ich wurde vom Gegner für jeden Fehler bestraft. Es war nicht mein Tag." Das soll morgen anders werden. "Wir haben extrem gut trainiert in dieser Woche. Ich habe ein gutes Gefühl für die Heimspiele."

An ein Viertelfinal-Ausscheiden möchte Harry Glynne freilich nicht denken. Der Pitcher ist nach Solingen gekommen, um eine Chance auf die Deutsche Meisterschaft zu haben. "Wobei es falsch wäre, jetzt darüber nachzudenken", erläutert der 24-Jährige. "Wir müssen von Spiel zu Spiel denken, beziehungsweise ich muss sogar von Pitch zu Pitch denken." Trotzdem ist er sich sicher, dass die Alligators in diesem Jahr den Titel gewinnen können.

Wie das Gefühl ist, Deutscher Meister zu werden, hat Harry Glynne bereits vor zwei Jahren mit den Regensburg Legionären erfahren. "Leider wurde ich in Regensburg nicht so oft eingesetzt, wie ich es mir erhofft hatte", sagt der Pitcher. "Deshalb ist der Wechsel zu den Paderborn Untouchables zustande gekommen." Nach einer sehr guten Saison folgte der Sprung zu den Solingen Alligators. "Ich habe mich immer sehr gut mit einigen Solinger Spielern verstanden. Dustin Hughes und Julian Steinberg zum Beispiel." Dabei hat Harry Glynne vor 2012 weder in Deutschland gelebt noch gespielt. "Weil meine Mutter Deutsche ist, hatte ich neben einem amerikanischen immer einen deutschen Pass", erklärt der Pitcher. "Mein Vater ist auf die Idee gekommen, sich den Baseball hier etwas genauer anzuschauen."

Der Deutsche Baseball Verband (DBV) war 2008 positiv überrascht, dass ein gelernter in den USA geborener Baseballer für Team Deutschland spielberechtigt ist. Prompt wurde Harry Glynne zur U21-Europameisterschaft eingeladen. "Da habe ich dann Julian und Dustin kennengelernt und die ersten Kontakte geknüpft", erinnert sich der Rechtshänder. Nach ein paar erfolgreichen Jahren am College bei der Central Connecticut State University folgte der Wechsel nach Deutschland. "Nationaltrainer Greg Frady, der ja auch College-Trainer in den USA ist, hat mir zu diesem Schritt geraten. Und ich habe ihn nicht bereut", sagt Glynne. Wobei es in Deutschland schon etwas anders zugeht als in den USA. "Hier wird viel weniger gespielt. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen."

Inzwischen hat sich Glynne gut eingelebt. "Es ist ein guter Mix. Wenn ich im Winter nicht hier bin, vermisse ich Deutschland. Im Sommer vermisse ich meine Heimat." Grundsätzlich liebt Harry Glynne das Spiel, und er klingt so, als ob er noch Jahre weitermachen würde. "Wenn ich mein Level halten kann und gesund bleibe, wird es schwer für mich, mit Baseball aufzuhören", sagt der Sportler. "Trotzdem habe ich natürlich berufliche Pläne." Einen Business-Abschluss hat er. "Sollte ich den perfekten Job finden, muss ich ohne Zweifel darüber nachdenken, meinen Lebensstil zu ändern."

(trd)