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Fechten: Für Deutschland auf der Planche

Fechten : Für Deutschland auf der Planche

Zum ersten Mal sind Sie bei einer internationalen Meisterschaft dabei. Hat Sie die Nominierung für die Europameisterschaften im italienischen Legnano überrascht ?

Zum ersten Mal sind Sie bei einer internationalen Meisterschaft dabei. Hat Sie die Nominierung für die Europameisterschaften im italienischen Legnano überrascht ?

Steinberger Ich muss sagen: Ja. In den Nominierungskriterien ist unter anderem veranschlagt, dass internationale Ergebnisse besonders stark berücksichtigt werden. Tja, und hier ist es in dieser Saison für mich eben nicht so gut gelaufen. National hat das ganz anders ausgesehen mit zwei Medaillen bei großen Turnieren.

Hat es eine gesonderte Begründung gegeben, warum sie als Fünfter der Deutschen Rangliste mit dabei sein dürfen ?

Steinberger Ich habe selbst erst vor gut einer Woche bei einem Kader-Lehrgang in Tauberbischofsheim mehr erfahren. Zuvor hatte ich nur eine kurze Mail erhalten, aus der ich erkennen konnte, dass ich für den Team-Wettbewerb vorgesehen bin. Bei uns läuft gerne vieles kurzfristig und inoffiziell.

Das Jahr hatte eigentlich so gut begonnen mit dem zweiten Platz beim hochklassig besetzten "Allstar-Cup" in Reutlingen. Was ist danach passiert ?

  • Robin Gosens (rechts), hier in einem
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  • Gianluigi Buffon.
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Steinberger Das erste Turnier war in jeder Hinsicht super. Sportlich, von der Einstellung her, und auch, was die Fitness betraf. Anschließend bin ich ein kleines Loch gefallen. Ich kann es mir selber nicht erklären. Es hat sich gezogen über mehrere Weltcups bis hin zu den Deutschen Meisterschaften, wo ich mich dann berappelt habe. Ich habe endlich wieder ein sehr gutes Turnier gefochten und die Bronze gewonnen.

Wie erklären Sie sich die Formschwankungen ?

Steinberger Man hat nie eine konstante Form, die man aufrechterhalten kann, sondern fängt in jedem Turnier von ganz vorne an. Wenn an einem Tag mal die Einstellung nicht stimmt oder gesundheitliche Probleme hinzukommen, kann man nicht mit viel rechnen.

Irgendwann fängt man sicherlich an, an sich zu zweifeln ?

Steinberger Diese Phase hatte ich nach dem zweiten wichtigen Turnier in Tallinn. Das war an sich nicht schlecht gelaufen. Ich hatte eine gute Vorrunde hinter mir und ein gutes Gefecht in der Direktausscheidung. Das habe ich allerdings verloren. Das war somit wieder ein Wettkampf, auf dem ich nicht das erreicht habe, was ich mir als Minimalziel gesteckt hatte. Das zog sich dann über mehrere Turniere so.

Als Sie vor einem Jahr vom TuS Zülpich zum Wald-Merscheider TV gewechselt waren, hatten Sie gehofft, es vielleicht nach London zu den Olympischen Spielen zu schaffen. Haben Sie Anfang des Jahres daran immer noch geglaubt ?

Steinberger Das war natürlich das Optimalziel. Da die Kriterien für eine Olympia-Nominierung besonders im Fechtballungsgebiet Europa extrem hart zu erfüllen sind, war die Hoffnung nur sehr gering. Nach den ersten beiden Weltcups hatte ich mich bereits damit abgefunden, dass es nicht klappen wird.

Hat sich der Vereinswechsel bemerkbar gemacht ?

Steinberger Es ist ein großer logistischer Aufwand. Mit der Fahrt von Euskirchen nach Solingen und zurück sind es jedes Mal 160 Kilometer. Es lohnt sich aber, weil ich mit Falk Spautz und mittlerweile auch Tim Kuchalski interessante Traingspartner habe. Besonders wichtig ist die Konstante Hakan Uludüz als Trainer. Mit ihm arbeitete ich in der Regel dreimal die Woche in Solingen und zudem in Köln an der Sporthochschule bei einer Einzel-Lektion.

Ein strammes Programm, das zeigt, dass Sie sich unter den deutschen Degenfechtern weiter nach vorne arbeiten wollen. Wann könnte es eine Wachablösung geben ?

Steinberger Das ist schwierig zu sagen. Es gibt am Ende jeder Saison Gerüchte über Rücktritte. Es wird sich wahrscheinlich erst im August entscheiden, wenn die neue Saison beginnt, wer einen Platz in den Bundeskadern bekommt. Ich weiß zum Glück schon, dass ich einen erhalten werde. Aber eigentlich bleibt nichts anderes übrig, als sich an den guten Leuten an der Spitze vorbei zu kämpfen. Das wäre das, was ich mir wünsche.

Mit welchen Erwartungen starten Sie bei den Europameisterschaften ?

Steinberger Ich kann es schlecht einschätzen, weil ich nur für die Mannschaft vorgesehen bin. Es wird stark davon abhängen, wie wir zusammen fechten und ob wir eine geschlossene Mannschaftsleistung hinbekommen. Einer kommt aus Leverkusen, einer aus Solingen, zwei aus Heidenheim – man kennt sich zwar von den Lehrgängen oder Turnieren. Noch aber fehlt der typische Teamgeist. Wir haben auf einem Lehrgang zwar schon einmal gemeinsam gegen Tschechien gefochten, um uns kennenzulernen und zu sehen: Wie reagieren die anderen, wie wollen die Anderen unterstützt werden. Wir treten auf keinen Fall als Favorit an.

Guido Radtke führte das Gespräch

(RP)