Lokalsport: Für Caluzynska ist die Saison wohl beendet

Lokalsport : Für Caluzynska ist die Saison wohl beendet

Die Spielmacherin der Drittliga-Handballerinnen des HSV Gräfrath hat einen Innenbandriss im Knie erlitten und fällt wochenlang aus.

Unter "Glück im Unglück" verbuchen die Drittliga-Handballerinnen des HSV Gräfrath die Verletzung, die sich Kamila Caluzynska im letzten Spiel gegen den 1. FC Köln (34:34) zugezogen hat: Statt des befürchteten Kreuzbandrisses ist es "nur" ein Innenbandriss im rechten Knie. "Unterm Strich sind wir froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist, zum Beispiel noch zusätzlich ein Kreuzbandriss", sagt Trainer Alexander Müller. Er rechnet zwar mit zwölf Wochen Pause für die so wichtige Spielmacherin und meint, dass man sehen müsse, "ob die Saison dann nicht ganz gegessen ist" - immerhin endet sie am 26. April -, er sieht aber das Positive an der vergleichsweise kurzen Ausfallzeit: "Das ist natürlich bitter, aber so kann sie wenigstens mit uns komplett in die Vorbereitung auf die neue Saison starten."

Und darauf laufen die Planungen bereits auf Hochtouren, auch wenn es derzeit noch keine festen Abschlüsse mit dem vorhandenen Personal zu verzeichnen gibt. Schuld daran ist der von der Bundesregierung eingeführte Mindestlohn, der auch Sportvereinen zu schaffen macht. "Das ist ein schmerzhaftes Thema", weiß Müller ebenfalls und erklärt: "Nehmen wir einmal an, eine Spielerin bekommt 200 Euro im Monat. Das muss man dann runterrechnen auf die Trainingseinheiten und die Spiele, und dann hat man plötzlich einen Stundenlohn von fünf Euro. Man muss aber 8,50 Euro zahlen, weil wir das ja als Gehalt deklarieren. Schließlich sind wir eine UG (Unternehmergesellschaft, Anm. d. Red) und versichern die Mädels auch bei der BG (Berufsgenossenschaft, d. Red.). Aber da muss man dran knapsen, dass man bei manchen Spielerinnen dann plötzlich 30 bis 40 Prozent mehr Kosten da stehen hat. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir unser Budget kürzen wollen und müssen." Die Einführung des Mindestlohns verhindert laut Müller, dass der Verein nun schon Vertragsabschlüsse vermelden kann: "Daran hapert es, an dieser rein juristischen Formalität. Sonst könnten Verträge schon unterschrieben sein und wir den Kader für die neue Saison präsentieren."

Dabei soll der bestehende in der neuen Saison möglichst komplett erhalten bleiben: "Es werden nicht alle Spielerinnen bleiben, aber fast alle", sagt Müller. Ein Vertrag, der mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr verlängert wird, ist der von Kim Spiecker. Die Linkshänderin wird derzeit nur noch in der Oberliga-Reserve eingesetzt. "Wir haben uns Anfang Januar zu dieser Entscheidung durchgerungen. Dafür gab es keine sportlichen Gründe, die anderen wollen wir aber nicht breittreten. Bei der aktuellen Situation gibt es aber keinen Weg zurück", betont der Trainer.

Und das, obwohl er nun in der ersten Mannschaft komplett ohne Linkshänderin auskommen muss. Kein größeres Problem, findet Müller: "Auf rechtsaußen macht Steffi Bergmann das sehr gut, auch als Rechtshänderin. Und auf halbrechts wären wir mit einer Linkshänderin, was das Händische angeht, sicher besser aufgestellt, aber Lena Beckers und Lena Feldstedt machen das bislang auch sehr gut."

Bleibt die Frage, wie das HSV-Team das Aus von Caluzynska auffangen soll, die die mit Abstand torgefährlichste und beste Spielerin ist. "Kamila ist auf der Spielmacherposition sehr stark und hat dazu noch Shooter-Qualitäten", weiß Müller, der aber hofft, beides durch mannschaftliche Geschlossenheit halten zu können: "Mit Nikki Schreurs und Lena Heider, die leider wegen eines Schienbeinkanten-Syndroms noch ein bisschen angeschlagen ist, können wir es bei der Shooter-Qualität auffangen, zumindest, wenn Lena wieder ganz fit ist." Und auf der Mitte hat zuletzt Kira Bohlmann auch als Nebenfrau von Caluzynska nachhaltig gezeigt, dass sie die Spielmacherposition glänzend ausfüllen kann. "Kira ist für mich eine der Überraschungen schlechthin", befindet auch Müller und ergänzt über die 20-Jährige: "Wie sie auf der Mittelposition explodiert ist, ist beachtlich, vor allem in Kombination mit ihrem Alter." Insgesamt gilt: "Wir werden Kamilas Ausfall nicht zu einhundert Prozent kompensieren können, aber jetzt sind eben andere gefragt, auch in die Verantwortung zu gehen."

Für den Saisonrest lautet Müllers Marschroute für den derzeitigen Tabellensechsten so: "Wir wollen uns als Minimum da festbeißen, wo wir jetzt stehen, und eigentlich noch einen Platz gutmachen. Zudem wollen wir uns mit dem Kader langsam auf die neue Saison einspielen. Wir werden nichts abschenken, aber sollten Punkte liegenbleiben, dafür das Spiel aber gut für den Teamgeist gewesen sein, ist das auch okay."

(ame)
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