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Sportlerwahl: Emmrich genießt die Normalität

Sportlerwahl : Emmrich genießt die Normalität

Tennisprofi Martin Emmrich hat sich in der Doppel-Weltrangliste in den Top 70 etabliert und sich deswegen die Nominierung als "Sportler der Saison" verdient. Anfang Mai hätte der 27-jährige Solinger fast sein erstes ATP-Turnier gewonnen – wenn er nicht über den Sieg nachgedacht hätte.

An sein erstes Match bei den US Open vor exakt einem Jahr erinnert sich Martin Emmrich noch ganz genau. Erst über die Warteliste ins Hauptfeld des Grand Slam-Turniers gerückt, pochte sein Herz wie wild, als er und sein Partner Andreas Siljestrom einen der Nebenplätze betraten. "Ich hätte es am liebsten fotografiert, wie uns zwei Security-Leute begleitet haben." Heute juckt es ihn nicht mehr, weil es Normalität geworden ist. Wie so vieles in seiner Tennis-Karriere.

Martin Emmrich hat sich in der Doppel-Weltrangliste in den Top 70 etabliert und muss sich deswegen nicht mehr nur mit der Teilnahme an zweitklassigen Challenger-Turnieren begnügen. Beim ATP-Turnier in Stuttgart schaffte es der 27-Jährige mit Björn Phau ins Halbfinale, in Belgrad hätte es an der Seite des Schweden Andreas Siljestrom fast zum ersten großen Triumph gereicht. Im Endspiel allerdings spielten dem Solinger die Nerven einen Streich, weil ihm bewusst wurde, was er erreichen konnte. "Im Halbfinale war ich noch sehr entspannt gewesen. Abends habe ich im Bett gelegen und bin plötzlich nervös geworden." Auf dem Platz hat es ihn im ersten Satz bei einer 5:2-Führung erwischt, als die Beine nicht mehr laufen und die Arme keinen Druck mehr erzeugen wollten. "Ich war wie abgestellt."

Martin Emmrich genießt jeden Moment auf der ATP-Tour. "Ich gehöre jetzt dazu." Der Doppelspezialist weiß zwar, dass er nie so erfolgreich spielen werde wie ein Daniel Nestor, ein Max Mirnyi oder einer der Brian-Zwillinge. "Aber sie akzeptieren mich." Emmrich trifft Roger Federer in der Kabine beim Umziehen, unterhält sich mit Andy Murray und merkt: "Sie sind auch nur Menschen". Diese Erfahrungen seien gut für das Selbstwertgefühl, was sich bei seinen Leistungen auf dem Platz widerspiegelt. "Es läuft so gut, dass ich Angst habe, es könnte etwas wegbrechen."

Vor allem sein Trainer stellt fest, dass Martin Emmrich gelernt hat, Dinge entspannt Revue passieren zu lassen. Gleichermaßen nimmt Karsten Saniter jeglichen Druck. "Er schafft es immer wieder, dass ich nicht ans Preisgeld denke oder an die Weltranglistenpunkte, die ich benötige, um meine Position zu verteidigen oder zu verbessern." So fliegt der Solinger heute auch gelassen nach New York, obwohl er weiß, dass ihm für seinen letztjährigen Erstrunden-Sieg viele Punkte verloren gehen, wenn er nicht das Auftaktmatch gewinnen sollte.

Ohnehin denkt Emmrich langfristiger. Gerade erst hat er sich von seinem festen Partner Andreas Siljestrom getrennt, um nach den "US Open" mit Andre Begemann ein ehrgeiziges Projekt anzugehen. Wie gut die beiden befreundeten Tennisprofis sich verstehen, bewiesen sie mit einer makellosen Bilanz und mitreißenden Vorstellungen in der Bundesliga. Alle acht Doppel gewannen sie für den Rochusclub Düsseldorf. "Ich sehe die Zukunft mit ihm", auch wenn Martin Emmrich dafür wohl ein Jahr lang auf die für ihn normal gewordenen Teilnahmen an Grand Slam- oder ATP-Turnieren verzichten muss, weil Begemann nur auf Rang 124 der Weltrangliste geführt wird.

(RP)