Baseball: Eines Deutschen Meisters nicht würdig

Baseball : Eines Deutschen Meisters nicht würdig

Die Solingen Alligators verlieren bei den Hamburg Stealers mit 2:3 und bringen damit ihren Trainer auf die Palme.

Als im siebten Durchgang starker Regen einsetzte, war Norman Eberhardt bedient. Nicht, weil die Partie dadurch unterbrochen und später sogar abgebrochen werden musste. Die Laune des Trainers der Solingen Alligators stand vielmehr in Zusammenhang mit der gezeigten Leistung seiner Mannschaft in Hamburg. Die Stealers führten gegen den amtierenden Deutschen Meister mit 3:2 und bekamen nach einem Unwetter den Sieg zugesprochen. Das geplante zweite Duell wurde auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt verlegt (eventuell Samstag, der 11. Juli).

"Der Abbruch war richtig", erklärte Eberhardt. "Das Feld war nach dem Regen so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass es gefährlich geworden wäre, weiter darauf zu spielen." Weil mehr als fünf Durchgänge absolviert waren, bedeutete das vorzeitige Spielende den Hamburger Sieg. Doch das ließ den Coach kalt. "Ich bin davon überzeugt, dass wir das Ding noch irgendwie rumgerissen hätten, aber ein Sieg wäre eh unverdient gewesen."

Keine Frage, Eberhardt hatte die Faxen dicke: "Individuell haben wir nicht meisterwürdig gespielt." Damit bezog sich der Trainer vor allem auf einige extrem schwache Auftritte am Schlag. Im vierten Durchgang stand Dominik Wulf nach einem Treffer auf der zweiten Base. Es gelang nicht, Wulf auch nur eine Base weiterzubewegen. Sascha Brockmeyer, Dustin Hughes und Markus Stryczek schickte Stealers-Werfer Greg Hendrix per Strike-out zurück auf die Bank.

"Die Jungs hier in Hamburg können schon vernünftig Baseball spielen. Aber wir dürfen es ihnen nicht so einfach machen", haderte Eberhardt. Seit Jahren laboriert der Trainer am gleichen Defizit. Bei zwei Strikes tendierten einige seiner Spieler schon immer dazu, zu wenig auf den nächsten Wurf zu reagieren. Entweder der nächste Schwung hatte die Intensität eines versuchten Homeruns oder "der Ball flog einfach über die Mitte der Platte, ohne dass überhaupt ein Schwung erfolgte". Dabei geht es in einer solchen Situation hauptsächlich darum, den Ball ins Spiel zu bringen. "Wir müssen dem Gegner die Chance geben, einen Fehler zu machen", sagte der Coach gestern nicht zum ersten Mal. Das Ein-mal-Eins des Baseballs sieht in der Situation eines Läufers auf der zweiten Base einen einfachen Grundball auf die rechte Seite vor. Selbst wenn der Schlag ein Aus bedeuten sollte, würde der Läufer die dritte Base erreichen können. "Ich kann nicht fassen, dass dies von einigen immer noch nicht umgesetzt wird", so Eberhardt.

Sogar Selbstzweifel formulierte der Trainer im Anschluss an die Begegnung. "Ich habe den Jungs mehr oder weniger gesagt, dass ich ein schlechter Trainer sein muss", berichtete der 39-Jährige. "Seit mehr als drei Jahren rede ich mir den Mund fusselig, aber das Schlagen mit zwei Strikes habe ich manchen anscheinend immer noch nicht nähergebracht." Von seiner Kritik nahm der Trainer ein paar Spieler aus. Daniel Sanchez und Tanner Leighton agierten gewohnt stark. Auch Dustin Hughes und Joe Weidemann, der im Centerfield den Vorzug vor Florian Götze erhalten hatte, machten einen guten Job.

"Aber unter dem Strich bleibt eine unheimliche Unzufriedenheit von mir und eine inakzeptable Leistung. So werden wir dieses Jahr sicher nicht viel erreichen." Auch eine gewisse Überheblichkeit will der Coach bei seinen Mannen nicht ausschließen. Im siebten Durchgang hatten die Solinger noch einmal die Chance zum Ausgleich. Erneut setzte es zwei Strike-outs in Folge - diesmal durch Wulf und den eingewechselten Götze.

(trd)