Baseball: Eine Begegnung mit Wendepunkt-Charakter

Baseball : Eine Begegnung mit Wendepunkt-Charakter

Zum zehnten Mal in Folge sind die Solingen Alligators ins Playoff-Halbfinale eingezogen. Trotzdem war noch Sand im Getriebe.

Die ersten drei Spiele der Viertelfinalserie gegen die Haar Disciples waren für Baseball-Puristen kein Augenschmaus. Die Solingen Alligators zeigten schwache Leistungen mit vielen defensiven Fehlern. Trotzdem gewann die Truppe von Trainer Norman Eberhardt zwei dieser Partien und zog mit einer starken vierten Begegnung ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft ein. Werfer Chris Mezger überragte vor einer starken Feldverteidigung.

"Ich hoffe und denke, dass es ein Schlüsselspiel für uns war - der Wendepunkt in den Playoffs", sagt Norman Eberhardt. Denn im vierten Spiel der Serie zeigte nicht nur Chris Mezger eine Ausnahmeleistung. Dass der Pitcher nur einen Gegentreffer kassierte, hatte er auch den Spielern auf dem Feld zu verdanken. Tanner Leighton zum Beispiel fing einen Ball im Außenfeld mit einem Sprung, während die Kugel sich von hinten näherte. "Das ist das, was uns immer stark gemacht hat. Die Solingen Alligators haben stets stark und sicher in der Defensive gespielt - eine Qualität, die wir zum Ende dieser Saison ein wenig verloren haben."

Doch warum ? "Offensiv war bei uns auch ein wenig Sand im Getriebe", erklärt der Coach. "Viele Spieler haben sich zu sehr um ihre Schlagleistung gekümmert und diesen Frust mit in die Defensive genommen." Ohne eigene Treffer ist ein Baseballspiel nicht zu gewinnen. Doch unter dem Strich gelte die Baseball-Weisheit, dass "Pitching und Defense Meisterschaften gewinnen", betont Eberhardt. "Das jüngste Spiel sollte uns daran erinnern, dass diese Weisheit stimmt und wir nur aus einer soliden Defensive heraus gewinnen können." Der Fokus sei in den vergangenen Wochen ein wenig verrutscht.

Sollte die jüngste Partie der Wendepunkt gewesen sein, haben die Alligators in diesem Jahr alle Chancen, erneut ins Endspiel einzuziehen. Im Halbfinale warten allerdings die Regensburg Legionäre, die für die Solinger in den vergangenen drei Jahren jeweils Endstation gewesen waren. Das Team von Trainer-Legende Martin Helmig scheint diesmal aber verwundbar zu sein. Das Viertelfinale gewannen die Regensburger gegen die Paderborn Untouchables nur knapp mit 3:2. "Ich denke nicht, dass Regensburg schwächer geworden ist, sondern mehr, dass die Untouchables immer dann wach sind, wenn es am meisten darauf ankommt", meint Norman Eberhardt "Wir müssen unsere Leistung natürlich jetzt kompensieren, sonst werden uns die Legionäre noch härter bestrafen als es die Haar Disciples getan haben. Aber klar, wir haben mit Regensburg eine Rechnung offen."

Vereinsgeschichte haben die Alligators 2014 im Übrigen schon geschrieben. Der Einzug ins Halbfinale ist der zehnte in Folge und der elfte in zwölf Jahren Bundesliga. "Das zeugt natürlich von Konstanz, und es macht uns auch ein Stück weit stolz, uns unter den besten vier Teams in Deutschland etabliert zu haben", sagt Eberhardt. "Aber wir müssen aufpassen, dass wir es nicht zu schön reden. Es war schließlich oft genug im Halbfinale Schluss." Tatsächlich waren die Alligators erst drei Mal im Finale. "Und das ist jetzt auch unser Ziel. Wir wollen ja nicht als das Bayer Leverkusen des Baseballs berühmt werden."

(trd)
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