Volleyball : Ein kleiner Star

Mit vielen positiven Eindrücken und dem Titelgewinn beim Volleyball-Worldcup der Behinderten ist Timo Hager aus Kambodscha zurückgekehrt. Der Jugendtrainer der TSG Solingen wurde in Asien sogar auf der Straße erkannt.

Timo Hagers Augen leuchten, wenn er vom Volleyball-Worldcup der Behinderten erzählt. Wenn er sagt "Wir haben den Titel gewonnen, der uns so lange verwehrt geblieben war", klingt eine gehörige Portion Stolz in seiner Stimme. "Der Sieg ist umso süßer, weil wir im Finale schon am Abgrund gestanden haben."

Jedes Spiel hat der Jugendtrainer der TSG Solingen beim Worldcup in Kambodscha bestritten, ohne ausgewechselt worden zu sein. So hatte Timo Hager als Mittelblocker einen großen Anteil daran, dass sich die Deutsche Mannschaft souverän für das Finale gegen die Slowakei qualifiziert hatte. "Wir waren das beste Team und hatten den ausgewogensten Kader", sagt der Nationalspieler. "Vielleicht haben wir deswegen gedacht, dass wir auch das Endspiel locker nach Hause schaukeln würden." Dabei hätte der knappe Fünf-Satz-Auftakterfolg gegen die Slowaken Warnung gewesen sein sollen.

Im Finale agierten die Deutschen nervös und kamen überhaupt nicht ins Spiel (16:25). Auch im zweiten Satz (23:25) wurden die Angreifer nicht effektiv eingesetzt. "Als auch noch Robert Kampczyk mit einem ausgerenkten kleinen Finger verletzt ausgeschieden war, haben wir alle gedacht: Das war's." Nach dem Ausfall des Hauptangreifers musste Timo Hager zusammen mit Martin Vogel mehr Verantwortung in der Offensive übernehmen. "Wir haben uns daran hochgezogen. Nahezu jeder Ball war ein Treffer — und plötzlich waren wir in einem Rausch." Die folgenden drei Sätze nahmen die Deutschen den Slowaken mit 25:21, 25:22 und 15:12 ab — anschließend kannte der Jubel bei Timo Hager und seinen Teamkollegen keine Grenzen.

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Viele positive Eindrücke nimmt Timo Hager aus Kambodscha mit. An erster Stelle steht natürlich das Gefühl des Titelgewinns. "Es ist befriedigend, endlich mal ohne Konjunktiv nach Hause flogen zu sein." Den ersten Platz hatte der Solinger Trainer nämlich seit seiner Zugehörigkeit zur Behinderten-Nationalmannschaft noch nie belegt. "Jedes Mal haben wir uns Gedanken gemacht, was gewesen wäre, wenn . . .? Das hatte sich jetzt ja erledigt."

Zwei Tage hatte Timo Hager gebraucht, um sich bei seiner ersten Reise nach Asien an die "andere Welt" zu gewöhnen. "Ich hätte in Kambodscha etwas ganz anderes erwartet." Aber Timo Hager war von der angenehmen Kultur sowie den freundlichen und höflichen Menschen ganz angetan. Nur das Essen fand der Volleyballer auf Dauer etwas eintönig: "Reis, Reis, jeden Tag immer wieder Reis. Auf Dauer bekommst du so einen Heißhunger auf Hamburger — aber die gibt es dort ja nicht."

Je länger die inoffizielle Weltmeisterschaft dauerte, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, auf der Straße erkannt zu werden. So hatte der Worldcup im Fernsehen eine große Präsenz. "Mehrfach sind wir angesprochen worden. Das war klasse. Da kommt man sich vor wie ein kleiner Star", schwärmt Timo Hager. Auch die Spiele in der größten Halle Kambodschas waren gut besucht. Mit freiem Eintritt hatten die Veranstalter am Finaltag rund 2000 Zuschauer in die Sportstätte gelockt.

"Nachdem Kambodscha das Spiel um Platz drei gewonnen hatte, ist keiner nach Hause gegangen." Und als Timo Hager mit der Deutschen Nationalmannschaft die Aufholjagd starteten, rissen sie das Publikum mit. Während die Deutschen sich mit dem Ruf "Punkten, punkten" anfeuerten, stimmten die Kambodschaner mit "Unte, unte" ein. "Ein unvergessliches Erlebnis", sagt Timo Hager mit leuchtenden Augen.

(RP)