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Fechten: Ein Gewinner der Weltmeisterschaft

Fechten : Ein Gewinner der Weltmeisterschaft

Bei seiner WM-Premiere hat Falk Spautz Edelmetall zwar knapp verpasst, und dennoch nahm der Degenfechter eine Medaille mit nach Hause: Der 23-Jährige wurde vom Weltverband FIE mit dem Fair-Play-Preis ausgezeichnet.

Dieses Gefühl hatte Falk Spautz bislang nur aus seiner Jugend- und Junioren-Zeit gekannt. Als bester deutscher Degenfechter schloss der 23-Jährige bei den Weltmeisterschaften in Budapest die Einzel-Konkurrenz ab. Nach seiner unglücklichen 14:15-Niederlage im Viertelfinale gegen den Russen Pavel Sukhov war er als Achter sogar vor dem zweifachen Europameister Jörg Fiedler platziert. "Das in der Königsklasse der Aktiven geschafft zu haben, ist die Krönung." Trotzdem kann Falk Spautz auch wenige Tage nach dem Überraschungscoup seine Enttäuschung über eine verpasste Medaille nicht verbergen: "Ich hätte mich über das Erreichte wohl mehr gefreut, wenn ich im letzten Gefecht keine Chance gehabt und vielleicht mit 6:15 verloren hätte".

Seine erste WM-Nominierung hatte sich der Solinger, der seit einem Jahr für Bayer Leverkusen zum Degen greift, mit guten Ergebnissen und Leistungen insbesondere auf internationalen Turnieren verdient. Falk Spautz gehört zu dem Kreis der Fechter, auf denen bei dem vom Verband (DeFB) initiierten Verjüngungsprozess die Hoffnungen ruhen. Nun zählte er neben Max Hartung (Dormagen / Säbel) und Sebastian Bachmann (Tauberbischofsheim /Florett) zu den Gewinnern der Weltmeisterschaft. Das gute Abschneiden in Ungarn habe dem Studenten gezeigt, dass eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro realistischer werde. "Ausruhen kann ich mich nicht, denn jetzt geht es erst richtig rund, weil ich plötzlich der Gejagte bin."

Die Europameisterschaften im Juni hatte Falk Spautz lediglich auf Rang 82 abgeschlossen. In Kroatien hatte der 2,05 Meter-Mann eine ähnlich schwere Vorrunden-Auslosung erwischt wie jetzt in Budapest, damals aber das 64er-Hauptfeld verpasst. Auch vorige Woche stand er vor dem vorzeitigen Aus. Im entscheidenden Duell behielt er jedoch die Nerven und setzte gegen den US-Amerikaner Alexander Tsinis in den letzten zehn Sekunden der Verlängerung zwei Treffer zum 4:4-Ausgleich. Der ungewöhnliche Endstand hielt Spautz im Turnier, weil er mit einem Vorteil bedacht gewesen war. "Ich hatte gegen Tsinis beim Weltcup in Bern schon mal verloren. Deshalb habe ich absolut taktisch gefochten." Höchstes Lob gab es dafür von Bundestrainer Walter Steegmüller.

Die neue Nummer 38 der Degen-Weltrangliste kennt mittlerweile fast alle seiner Kontrahenten auf internationaler Ebene, deren Stile, Techniken und Eigenarten. "Einfacher macht es das auf keinen Fall, schließlich kennen mich die Gegner sowie meine Stärken und Schwächen mittlerweile auch." Max Heinzer hätte er allerdings noch nicht gut genug gekannt, um ohne den Tipp eines befreundeten Weltklasse-Fechters zu bestehen. Der Ungar Gabor Boczko hat Falk Spautz geraten, "keine Treffer unter die Hand zu bekommen". In dem engen Zweitrunden-Gefecht gegen einen der großen WM-Favoriten war dieser Rat Gold wert. Dem Schweizer gelang mit seiner blitzschnellen Attacke nur ein Zähler, so hatte er schließlich das Nachsehen (14:15).

Respekt hat sich der Solinger in Budapest im Übrigen nicht nur durch seine sportliche Leistung verschafft. Die Funktionäre des Weltverbandes (FIE) waren derart beeindruckt vom Verhalten des 23-Jährigen auf der Planche, dass sie ihn nach dem Turnier mit der "Fair-Play-Medaille" bedachten und er zu einer Donau-Rundfahrt inklusive Abendessen im Kreis aller Schiedsleute eingeladen wurde. Im Viertelfinale beispielsweise hatte Spautz der Obfrau einen Treffer seines russischen Kontrahenten gemeldet, obwohl dieser nicht anzeigt worden war. Und auch im denkwürdigen Duell mit Alexander Tsinis hatte er sechs Sekunden vor Schluss signalisiert, mit einem Eigentreffer die Lampe ausgelöst zu haben. "Ich würde jederzeit wieder genauso handeln."

(RP)