Basketball: Ein Freundschaftsangebot

Basketball : Ein Freundschaftsangebot

Quentin Boston war in Deutschland aufgewachsen und galt als großes Basketball-Talent – bis es ihn als 16-Jährigen aufs College in die USA zog. Seine Freunde hat er nie vergessen – so kam er jetzt zur BG Solingen.

Quentin Boston war in Deutschland aufgewachsen und galt als großes Basketball-Talent — bis es ihn als 16-Jährigen aufs College in die USA zog. Seine Freunde hat er nie vergessen — so kam er jetzt zur BG Solingen.

Quentin Boston war 16 Jahre alt, da hatten diverse Vereine aus der Basketball-Bundesliga schon bei ihm angeklopft. Als Kleinkind nach Deutschland gekommen, gehörte der US-Amerikaner als Jugendlicher zu den größten Talenten seines Jahrgangs. Boston trainierte und spielte dort, wo sein Stiefvater Dan Mooney gerade als Profi angeheuert hatte. Einige Städte in Nordrhein-Westfalen haben der heute 27-Jährige und seine sechs Geschwister so kennengelernt.

Als die ersten Vertragsangebote kamen, stand Quentin Boston als Neuntklässler vor der ersten großen Entscheidung seines Lebens. "Ich bin Amerikaner und wollte immer in meine Heimat, um hier Basketball auf einem College zu spielen. Sobald ich einmal Geld mit meinem Sport verdient hätte, wäre das nicht mehr möglich gewesen."

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Er verwirklichte seine Vorstellungen, auch wenn etwas anders als geplant. Ein Jahr Schule hatte der Aufbauspieler bereits hinter sich, als ihn sein Stiefvater an ein anderes College lockte. "Er war dort Coach geworden und wollte mich unbedingt in seinem Team haben. Meine erste Antwort war ein klares Nein, letztendlich aber hat er mich doch überredet." Das eine verlorene Jahr hat Quentin Boston vielleicht eine Karriere als Profi in Europa gekostet.

"Ich hatte an den beiden Schulen drei Jahre im College gespielt, ein Viertes durfte ich nicht mehr." Aber seinen Abschluss an der Bethany-University als Businessmanager hatte er noch nicht in der Tasche. Wieder galt es, eine Entscheidung zu treffen. "Ich hätte in Europa gutes Geld verdienen können — oder die Schule beenden." Angesichts der Studienkosten von etwa 45 000 Dollar "habe ich mit meiner Mutter entschieden zu bleiben" und nicht auf das laufende Stipendium zu verzichten. "Das war schwer, nur Schule, kein Basketball."

In diesem einen Jahr war der Name Quentin Boston von der Liste der Scouts verschwunden. Weil Angebote ausblieben, erinnerte er sich an Freundschaften in Deutschland. So kam er in der Saison 2008/09 erst nach Wuppertal zur DT Ronsdorf und jetzt zur BG Solingen. Im Internet hatte Quentin Boston vor einigen Wochen nur den Satz gelesen, dass der Zweitregionalligist Spieler suche. Interessenten sollten sich bei Stefan Mikulski melden. Die E-Mail war sofort geschrieben.

"Er ist ein super Coach. Er ist auch der Hauptgrund, warum ich hier bin." Quentin Boston, mit Mikulskis Sohn Adam aus alten Tagen befreundet, hatte seine Koffer schon gepackt, ehe feststand, ob der Verein überhaupt seine einzige Bedingung erfüllen könne. Der US-Amerikaner, der immer noch perfekt Deutsch spricht, wollte nur eine Unterkunft gestellt bekommen.

30 Stunden ohne Schlaf

Dass sein Debüt im Trikot der BG Solingen gegen Capone Düsseldorf (74:84) holprig verlief, ist nach 30 Stunden ohne Schlaf kaum verwunderlich. "Ich möchte den Verein nach vorne bringen und meinen Teil dazu beitragen, dass wir nicht nur um den Klassenerhalt spielen werden", sagt der 27-Jährige. "Wenn Erfolg da ist, bleibe ich gerne" — auch über das geplante halbe Jahr hinaus.

(RP)
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