Basketball: Die (zu) kleine Garde

Basketball: Die (zu) kleine Garde

Bei der BG Solingen bleibt Stefan Mikulski nichts anderes übrig, als aus dem Center-Notstand eine Tugend zu machen. Der Coach des Basketball-Regionalligisten setzt auf eine aggressive und schnelle Spielweise.

Bastian Brangs steckt in der Zwickmühle. Jahrelang hat der Centerspieler der BG Solingen seinen Stil praktizieren können: nach Ballgewinnen den Mitspielern in etwas mäßigerem Tempo folgen, in Höhe der Freiwurflinie den Ball zugepasst bekommen und aus der Halbdistanz zum Wurf ansetzen. Bislang hatte sich der 31-Jährige darauf verlassen können, dass in dieser Situation ein zweiter langer Kerl unter dem Korb zur Stelle sein würde, um um den Rebound zu kämpfen, falls der Ball nicht den Weg durchs Netz finden sollte. Das ist Vergangenheit. Seinen Lieblingswurf, seine erfolgreichste Bewegung muss Bastian Brangs überlegt einsetzen.

Das erste Viertel im Testspiel gegen den Oberligisten TuS Hilden neigt sich dem Ende, als Bastian Brangs nicht darauf achtet, ob sich einer seiner Mitspieler mit Aussichten auf den Rebound in der Nähe der Zone befindet. Sein Versuch aus vier Metern ist ein Automatismus. Unter dem Korb ist weit und breit kein Solinger zu sehen, der nachsetzen könnte. Der Ball ist weg. Von allen Seiten darf sich der Schütze anhören, dass er doch als Center derjenige sei, der sich um den Abpraller zu kümmern habe.

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Andere Konkurrenten aus der 2. Basketball-Regionalliga haben drei oder vier Center in ihren Kadern. Bei der BG Solingen ist Bastian Brangs der einzige etatmäßige lange Mann. Unterstützung bekommt er notgedrungen von Neuzugang André Katic, der das Durchsetzungsvermögen und die körperlichen Voraussetzungen für die Drecksarbeit unter den Körben mitbringt. Nur fehlen dem Flügelspieler ein paar wichtige Zentimeter an Körpergröße. "In meinen E-Mails hatte ich mehr als 30 Anfragen von Centerspielern, die sich angeboten haben." Für BG-Trainer Stefan Mikulski wäre es also ein Leichtes gewesen, seinen Kader zu ergänzen – "wenn wir hier in Solingen die finanziellen Vorstellungen erfüllen könnten".

Auch wenn der neue Mann an der Seitenlinie die Hoffnung nicht aufgibt, bis zum Saisonstart noch ein Pendant zu Bastian Brangs zu finden, bleibt ihm nichts anderes übrig, als das taktische Konzept an die Größen-Verhältnisse anzupassen. "Wir haben nur eine Chance auf den Klassenerhalt, wenn wir aggressiv verteidigen und im Angriff schnell spielen. Wie das funktionieren kann, zeigten die Solinger beim 75:71-Erfolg gegen den TuS Hilden zumindest phasenweise. Des Öfteren praktizierte der Regionalligist eine Ganzfeld-Verteidigung, die zahlreiche Ballgewinnen bescherte. "Wenn wir so verteidigen, müssen wir aber auch mit der entsprechenden Körpersprache präsent sein", fordert Stefan Mikulski. Das ist eines der Puzzleteile, die noch einzeln vor ihm liegen. Mit Spiel begleitenden Anweisungen sowie Einzelgesprächen versucht der Trainer, sie zu einem Bild zusammen zu fügen. Das wird ihm nur gelingen, wenn ihn seine (für die 2. Regionalliga eigentlich zu) kleine Garde als Team unterstützt und sich jeder Einzelne an die Gegebenheiten anpasst – ähnlich wie Bastian Brangs.

(RP)
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