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Lokalsport: Die vielen Gesichter der Inga Hundeborn

Lokalsport : Die vielen Gesichter der Inga Hundeborn

Die erfolgreiche Leichtathletin des Solinger LC glänzt auch als Model und Medizinstudentin.

Inga Hundeborn kommt schnellen Schrittes um die Ecke des Café Uno auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf gebogen. Die 20-Jährige trägt einen langen grünen Mantel, an dessen Ende bunte Laufschuhe hervorblitzen - eindeutiges Zeichen, dass die Leichtathletin des Solinger LC immer bereit zum Laufen ist. "In der Mittagspause gehe ich schon mal eine Stunde laufen", erklärt sie, verweist aber auch darauf, dass sie "nur sieben Stunden in der Woche" Sport treibe.

 Als Studentin an der Universität Düsseldorf mit der Medizinier-Bibliothek "Oase" rechts im Hintergrund.
Als Studentin an der Universität Düsseldorf mit der Medizinier-Bibliothek "Oase" rechts im Hintergrund. Foto: Georg Amend

Umso beachtlicher sind ihre Erfolge im Jahr 2016, das Hundeborn selbst als ihr "bestes bisher" einordnet. Die "Sportlerin der Saison" bei der Wahl unserer Zeitung hat im April beim Halbmarathon der U 23 in Bad Liebenzell ebenso den Titel der Deutschen Meisterin geholt wie im September in Hamburg über zehn Kilometer in derselben Altersklasse. Zudem wurde sie Zweite beim Halbmarathon in Köln, wo sie ihre bisherige Bestzeit gleich um stolze sieben Minuten steigerte. "Das war schon ein Highlight, weil Köln eine ganz andere Dimension ist. Die Stimmung war da einfach geil", erinnert sich Hundeborn.

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Das Jahr 2016 war aber nicht nur sportlich erfolgreich. "Ich bin froh, dass ich jetzt meinen Anatomie-Schein habe", sagt die Medizinstudentin, die ihr Abitur im Übrigen mit 1,0 bestanden hat. Das zählt für sie inzwischen aber nur noch am Rande - der Weg zum Zielberuf Hausärztin ist ein langer und harter. Die Durchfallquoten bei den Prüfungen sind immer wieder hoch. Für ihren Anatomie-Schein hatte sie drei mündliche Prüfungen, sogenannte Testate, zu absolvieren. "Für das erste muss man den ganzen Bewegungsapparat mit Muskeln, Bändern, Knochen und so weiter kennen. Für das zweite das Gehirn und den ganzen Kopf, für das dritte alle inneren Organe - was die für Teile haben, was für eine Durchblutung, welche Nerven damit zusammenhängen. Da muss man ein paar Monate für lernen."

Und das nicht nur aus Büchern. "Wir arbeiten zu Zehnt an einem Menschen als Präparat", erklärt Hundeborn. "Das ist eine Körperspende, die komplett präpariert wird. Daran lernt man alles. Das ist viel besser als ein Plastikpräparat, man sieht die Struktur. Das ist sehr wertvoll, dass es diese Möglichkeit in Deutschland gibt." Berührungsängste hat sie nicht mehr. "Am Anfang war es schwierig. Aber es dauert nicht lange, bis man damit klarkommt. Man stellt sich das als Laie sicher schlimmer vor, als es ist. Wir gehen sehr respektvoll damit um. Wir hatten auch vor kurzem eine große Gedenkfeier, wo die Angehörigen eingeladen waren. Wir sind sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die sich dafür zur Verfügung stellen. Das ist wichtig, denn die Menschen, mit denen wir nach dem Studium zu tun bekommen, sind lebendig, und Fehler können dann richtig was zerstören."

Hundeborns berufliches Ziel sieht so aus: "Meinen Facharzt im Krankenhaus machen und dann Internistin werden. Ich möchte mich schon niederlassen, weil ich den persönlichen Kontakt sehr schätze." Das haben sie unter anderem Praktika in den Praxen von Dr. Hans-Peter Holbeck in Gräfrath, Dr. Robert Weindl in Solingen-Mitte und in der Lukas Klinik gelehrt. Vor allem bei den niedergelassenen Ärzten hat sie beeindruckt: "Es ist schön, wenn man ganze Familien begleitet. Man kennt die Tochter und die Enkelin und begleitet die Familie ein Leben lang. Das ist echt schön. Man spricht dann nicht von oben herab, sondern auf einer Ebene."

Wegen des zeitintensiven Studiums hatte Hundeborn eigentlich angekündigt, weniger auf den Sport zu setzen - und legte sogleich ihr bestes Jahr hin. 2017 möchte sie entweder zur Universiade oder bei der Europameisterschaft die 10.000 Meter laufen. "Das sind große Ziele - und ich muss gucken, wie ich das hinkriege, wie ich durch den Winter komme."

Für das Training der langen Strecken hat sie mit der Düsseldorferin Melanie Linder, die schon Senioren-Vize-Weltmeisterin und Europameisterin war, eine gute Partnerin. Zudem kann sie inzwischen wieder öfter beim SLC trainieren, weil sie auch immer wieder bei ihren Eltern in Solingen übernachtet, wenn sie nicht mit Freund Ben in der gemeinsamen Wohnung in Düsseldorf ist. "Das macht in Solingen jetzt echt Spaß. Vor ein paar Jahren habe ich mit den langen Strecken fast allein da gestanden, jetzt sind wir bis zu 15 Leute. Das motiviert ungemein."

Und dann hat die Top-Läuferin und angehende Medizinerin noch ein drittes Gesicht: als Model. Die Bilder sind meist mehr als gelungen, doch es bleibt ein Hobby. "Ich war früher mal in einer Kartei", erklärt Hundeborn. "Da sollte ich dann mit 16 aber noch so Kinderfotos machen. Das fand ich blöd und hab' es aufgeben. Aber über die Kartei haben mich dann noch Anfragen erreicht. Darum gibt es immer noch ein paar Shootings nebenher."

Inga Hundeborn hat also viele Gesichter - und anscheinend auch genug Energie für alle. Ihr bislang bestes Sportjahr schloss sie bei der 29. Auflage des Pfalzdorfer Sylvesterlaufes in Goch gebührend ab: Sie gewann die Frauen-Konkurrenz über 10.000 Meter in 35:08 Minuten, was eine neue Bestzeit für die Veranstaltung bedeutete. Spannend, was ihr 2017 so bringen wird - sportlich wie medizinisch. Was ihr noch fehlt, sind Sponsoren, denn eine Förderung bekommt die Kader-Athletin nicht. Trotz ihrer vielen Erfolge während des Studiums.

(ame)