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Eishockey: Die Falle in der neutralen Zone des Eises

Eishockey : Die Falle in der neutralen Zone des Eises

Von den großen US-Sportarten ist Eishockey neben Basketball die in Deutschland populärste. Die Grundregeln sind hinlänglich bekannt: Der Puck muss ins Tor. Doch einige Spezialbegriffe sind auch hier nicht wegzudenken.

Wenn der EC Bergisch Land Anfang Oktober in die neue Saison startet, strömen voraussichtlich wieder ein paar Zuschauer mehr in die Solinger Eissporthalle. Zwar ist der Verein weit davon entfernt, an die glorreichen Zeiten der achtziger Jahre anzuknüpfen, doch immerhin sind die Solinger wieder in die Regionalliga aufgestiegen. Grundsätzlich weiß jeder Laie, um was es geht. Mit Schlittschuhen und Schläger ausgestattet gilt es, die Scheibe im Tor unterzubringen. Um das Spiel noch ein bisschen besser zu verstehen, ist ein Blick auf die Feinheiten sinnvoll.

Entscheidend sind die blauen Linien. Zwei davon unterteilen das Eis in drei Abschnitte - die offensive, neutrale und defensive Zone. Logisch, dass sich jede Mannschaft am liebsten im Angriff aufhält, denn nur von dort sind realistisch Tore zu erzielen. Die Abseitsregel macht den Kufencracks oft einen Strich durch die Rechnung, denn diese unterscheidet sich extrem vom Fußball. Die Scheibe muss vor dem ersten Spieler der angreifenden Mannschaft in die Angriffszone gespielt werden. Das heißt, gelingt es dem verteidigenden Team, den Puck herauszuschießen, müssen die Angreifer die Zone verlassen und neu aufbauen.

Genau hier wird es schwer. Denn das Überwinden der neutralen Zone gestaltet sich im Vergleich zu den achtziger Jahren immer schwerer. Aus den USA schwappte die so genannte "Neutral Zone Trap" auch ins europäische Eishockey herüber. Bei dieser Falle rückt die komplette verteidigende Mannschaft ins neutrale Drittel vor, und positioniert die Spieler so geschickt, dass kurze Aufbaupässe genauso schwer sind, wie das simple Hereinlaufen über die Bande. Als Folge schießt das angreifende Team oft einfach nur blind den Puck ins Angriffsdrittel, was in der Regel einen Scheibenverlust verursacht.

Zur Förderung eines ansehnlichen Eishockeyspiels trägt die "Trap", wie sie inzwischen einfach nur genannt wird, nicht gerade bei. Um die taktische Maßnahme weniger effektiv zu gestalten, sind die Regeln entscheidend verändert worden. Zum einen werden Strafen wegen Hakens oder Haltens viel konsequenter geahndet, zum anderen wurde der Zwei-Linien-Pass abgeschafft. Seitdem ist es möglich, einen langen Pass aus der eigenen Zone zu spielen, um die Falle auszukontern. Außerdem sind individuell starke Spieler im Vorteil, weil ihre Qualitäten bei der Führung der Scheibe besonders im Vordergrund stehen.

Muss das defensive Team foulen, um die Angreifer zu stoppen, agiert die Truppe für zwei Minuten in Unterzahl. Aus dem Eishockey kommt der Begriff, der inzwischen auch in anderen Sportarten Einzug gehalten hat - das Power Play. Der Vorteil, zu fünft gegen vier antreten zu dürfen, ist in der schnellsten Mannschaftssportart der Welt enorm. Dann gibt es keine Falle in der neutralen Zone mehr.

Ganz schnell ist die Mannschaft in Überzahl in der gegnerischen Zone und wird sich voraussichtlich Torchancen erarbeiten. Deshalb riskieren auch Eishockey-Trainer am Ende der Begegnung oft viel. ECBL-Coach Igor Alexandrow nahm in der vergangenen Saison sogar den Torhüter heraus, während die Partie 4:4 stand. Die Risiko-Maßnahme hatte Erfolg. Mit zusätzlichem Feldspieler trafen die Solinger durch Felix Wolter und schlugen den EHC Krefeld mit 5:4.

(trd)