Handball: Die andere Handball-Welt

Handball : Die andere Handball-Welt

In der A-Jugend der SG Solingen BHC ist Arthur Giela einer der Leistungsträger. Hier hat sich der 19-Jährige mit zahlreichen Tore für seinen Bundesliga-Vertrag und den ersten Einsatz beim Bergischen HC empfohlen.

Dieser eine Fehlwurf hat Arthur Giela noch etwas länger beschäftigt. "Es ist erstaunlich, was einem in so einem Moment alles durch den Kopf gehen kann." Bei seinem ersten Einsatz im Zweitliga-Team des Bergischen HC war der 19-jährige Nachwuchshandballer frei vor Matthias Baur, dem Torhüter der HG Oftersheim/Schwetzingen, aufgetaucht. "Oh je, jetzt bin ich ganz allein", hatte Arthur Giela nur gedacht. "Was dann kam, war ein schlechter Wurf, den der Keeper pariert hat – so einfach ist das."

Kritische Worte von einem talentierten Handballer, der sonst auf dem Spielfeld vor Selbstbewusstsein strotzt. Am wohlsten fühlt sich Arthur Giela in der A-Jugend-Regionalliga. Dort, wo der in Frechen geborene Deutsch-Pole, aus dem Rückraum für die Tore verantwortlich ist. "Hier weiß ich genau, was ich leisten kann." Mit seinen guten Leistungen in dieser Saison hat sich Giela sogar für einen Bundesliga-Vertrag empfohlen, den er gerade erst bis zur Saison 2011/12 unterschrieben hat.

"Ich gebe mich nicht den Illusionen hin, dass ich ab der kommenden Saison fest zum Profikader gehören werde." Arthur Giela sei klar, dass er nach dem Ende seiner Jugend-Zeit in erster Linie im Solinger Juniorteam eingesetzt werde, "um sich langsam an die andere Welt heranzutasten". Seit November trainiert der Hürther nicht nur unter Leszek Hoft, sondern auch regelmäßig mit den Profis unter Raimo Wilde. "Ich fühle mich sehr wohl hier, und das Training macht richtig Spaß." So stand für den 19-Jährigen früh fest, dass er auf Angebote von anderen Klubs gar nicht eingehen würde.

Aus Dormagen nach Solingen

Vor knapp einem Jahr war das etwas anders gewesen, als sich Arthur Giela von sich aus nach einer neuen Mannschaft umgeschaut hatte. Nach fünf Jahren bei Bayer Dormagen war der Abiturient auf einmal nicht mehr erste Wahl, obwohl er gerade erst in den Kader der polnischen Junioren-Nationalmannschaft aufgenommen war. "Nach so langer Zeit wollte ich aber auch mal Tipps von einem anderen Trainer bekommen." Die bekam der 19-Jährige von Leszek Hoft, von dem er vor allem gelernt habe, geduldiger zu sein. "Ich war ein Shooter, der auf Teufel komm' raus jede Chance nutzen wollte." Zudem habe ihm der Zweitliga-Einsatz gezeigt, dass man sich andere Wege suchen muss, um Tore zu machen, wenn man plötzlich nicht mehr der größte Spieler auf dem Feld ist.

Mit dem Abitur in der Tasche will Arthur Giela in der kommenden Saison in Kombination mit dem Zivildienst dem Handball den höchsten Stellenwert in seinem Leben geben – "um ganz langsam das Gefühl für die Bundesliga zu bekommen".

(RP)
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