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Handball: Der Kleine ist der große Bruder

Handball : Der Kleine ist der große Bruder

Während Thomas Sorgnit zum Stamm des Handball-Verbandsligisten TSG Solingen gehört, springt sein Bruder Matthias im Tor nur noch ein, wenn Not am Mann ist. Dabei haben beide gerne zusammen in einem Team gespielt.

Heute Abend werden knapp 20 000 Fans in der Kölnarena Kehrmann, Jansen, Fritz und Co. lautstark anfeuern. Bei der Handball-Weltmeisterschaft kommt es im Halbfinale zum Klassiker Deutschland gegen Frankreich. Thomas und Matthias Sorgnit werden die Partie live vor Ort verfolgen. Der 21-Jährige, der von allen nur "Tommi" genannt wird, als ganz normaler Fan auf den Rängen, sein 24-jähriger Bruder hingegen als Volunteer am Spielfeldrand.

"Näher sind nur noch die Schiedrichter an den Spielern dran", sagt der Sportstudent, der unter anderem dafür zuständig ist, dass die Mannschaften pünktlich das Spielfeld betreten. Am Dienstagabend, vor dem Viertelfinale gegen Spanien, durfte er das deutsche Team aus der Kabine holen. "Wir haben gelost", erklärt Matthias Sorgnit. "Ich habe bei Stein, Schere, Papier zum Glück gewonnen." Beide sind davon überzeugt ist, dass Deutschland gewinnen wird. "Aber erst in der Verlängerung", sagt der 24-Jährige, der es nahezu als Ding der Unmöglichkeit ansieht, dass Frankreich in einem Turnier zwei Mal besiegt werden kann.

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Sportlich viel zusammen gemacht

Auch das WM-Finale ist für die beiden Brüder nicht in Gefahr — schließlich spielt Verbandsligist TSG Solingen bereits am Samstagabend. Thomas Sorgnit wird wie gewohnt auf der rechten Außenbahn für Torgefahr sorgen, sein Bruder wird zum dritten Mal in dieser Saison im Tor aushelfen. Denn nach der vergangenen Spielzeit hat der Keeper, der auf einen offiziellen Einsatz im Zweitliga-Team der SG Solingen zurückblicken kann, seine Handballschuhe teilweise an den Nagel gehängt. "Die Entscheidung kam ja relativ plötzlich", blickt sein "kleiner" Bruder zurück. "Aber ich kann es verstehen." Vor allem zeitliche Gründe mit der Hin- und Herfahrerei, dem Studium und dem Nebenjob hatten den Ausschlag gegeben.

Zwei Jahre lang hatten die Geschwister zuvor zusammen in einer Mannschaft gespielt. "Mir hat das schon was bedeutet", sagt der "große" Bruder, der laut Körpergröße eigentlich der "kleine" sein müsste. Denn Bruder Tommi ist mit 1,90 Meter etwa zehn Zentimeter größer. Auch in Sachen Handball war er der Vorreiter. Erst ein Jahr nach seinem Bruder startete Matthias Sorgnit seine Handball-Karriere — zuvor hatte er dem Fußball den Vorzug gegeben.

"Sportlich haben wir viel zusammen gemacht" blickt Thomas Sorgnit zurück — zum Beispiel auch auf dem Tennisplatz. "Ansonsten hatten wir ein typisches Bruderverhältnis und haben uns auch schon mal ordentlich in die Wolle bekommen", ergänzt sein Bruder — auch weil sie sich ein Zimmer teilen mussten. Thomas Sorgnit, der eine Ausbildung zum Fachinformatiker macht, wohnt noch bei seinen Eltern, Matthias Sorgnit ist in Köln zu Hause. Nach seinem sechsten Semester muss der 24-Jährige nur noch seine letzten Prüfungen ablegen und eine Diplomarbeit schreiben. Und das Thema — wie könnte es auch anders sein — hat natürlich mit Handball und Torhütern zu tun. Es geht um die Analyse der Siebenmeter-Situation bei der Handball-Weltmeisterschaft.

(RP)