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Tennis: Der Heilige Rasen erwartet Kretschmer

Tennis : Der Heilige Rasen erwartet Kretschmer

Der Tennisspieler des Solinger TC feiert in Wimbledon seine Premiere im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers. Er trifft mit Alexander Satschko in der ersten Runde gleich auf das stärkste Doppel der Welt: die Bryan-Brüder Bob und Mike.

Karsten Saniters Reaktion war eindeutig, als die Auslosung zur ersten Runde in Wimbledon feststand: "Geil". Der Tennistrainer hat gleich doppelten Anlass zur Freude. Nicht nur hat es sein Schützling Gero Kretschmer zum ersten Mal ins Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers geschafft, es geht zum Auftakt gleich gegen das stärkste Doppel der Welt. Gemeinsam mit Alexander Satschko trifft der Spieler des Solinger TC heute auf die an Nummer eins gesetzten Bryan-Brüder, Bob und Mike. "Das sind die Matches, von denen ein Spieler noch lange danach zehrt", meint der STC-Trainer, der Kretschmer seit seit etwa 18 Jahren trainiert.

Zwar verloren Kretschmer und Satschko in der letzten Qualifikationsrunde in Roehampton, doch aufgrund ihrer Weltranglistenposition waren sie erster Nachrücker im Falle einer Absage eines anderen Duos. "Wir hatten schon vor unserem letzten Spiel davon gehört, dass ein Doppel nicht kommen wird, womit wir eigentlich schon wussten, dass wir dabei sein würden", erläutert Kretschmer. "Es war ein tolles Gefühl, als es dann endgültig feststand. Es ist ein Meilenstein für mich - eine Art Ritterschlag." Als sogenannter Lucky Loser rückten Kretschmer und Satschko ins Hauptfeld nach. "Letztes Jahr waren wir in der gleichen Situation, und es gab überraschend keine Absage. Zum Glück war es diesmal anders", meint der Solinger.

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Jetzt geht es für Kretschmer zum ersten Mal auf den "Heiligen Rasen" von Wimbledon, dem bekanntesten, größten, prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt. Ein Ort, an dem Traditionen noch gelebt werden. So hat sich auch der Modus im Doppel nie geändert. Schon in der ersten Runde gehen die Partien über drei Gewinnsätze. "Das gibt es im Doppel sonst nur noch im Davis Cup", erläutert Saniter.

Kretschmer hat noch nie ein Match über diese Distanz bestritten. "Im Training haben wir es mal irgendwann gemacht", berichtet der 30-Jährige und ergänzt: "Das ist natürlich anstrengend, aber an der Fitness wird es bestimmt nicht mangeln."

Gegen Bob und Mike Bryan ist das deutsche Duo natürlich krasser Außenseiter. Die Zwillingsbrüder halten fast alle Doppelrekorde, haben Wimbledon schon drei Mal gewonnen und wollen nun ihren 17. Grand-Slam-Titel holen. "Wir haben nicht definiert, wie unsere Chancen aussehen", meint Kretschmer. "In erster Linie wollen wir Spaß haben und es genießen. Und irgendwie hat man immer eine Chance auf Rasen, wenn wir die Basics gut umsetzen."

Viel Erfahrung hat Kretschmer auf dem Untergrund freilich nicht. "Wir wollten ein Vorbereitungsturnier spielen, sind aber leider nicht reingekommen. Das heißt, wir machen das nur ein Mal im Jahr in der Qualifikation." Das Spielgefühl ist ein ganz anderes als auf einem der anderen Beläge. "Auf Rasen fühlt sich das Spiel gedämpfter, edler an. Man hat das Gefühl, man geht zu den Wurzeln des Tennis zurück. Es ist wirklich einzigartig", schwärmt Kretschmer. Einen schöneren Ort hätte sich der Wahl-Düsseldorfer für seine Grand-Slam-Premiere nicht vorstellen können. "Es ist schon ein Traum von mir. Wimbledon ist das wichtigste Tennisturnier der Welt, weil es einfach jeder kennt - auch die, die sich überhaupt nicht mit Tennis auskennen."

(trd)