1. NRW
  2. Städte
  3. Solingen
  4. Sport

Sportpolitik: Der Fußball hat Migrationshintergrund

Sportpolitik : Der Fußball hat Migrationshintergrund

Die Stadtdienste Sport und Integration hatten zu einem Runden Tisch zum Thema "Der Ball ist bunt" eingeladen.

War das Glas nun halbvoll, oder halbleer? Während sich Aldona Gonzalez Thimm vom Stadtdienst Integration sehr zufrieden mit der Resonanz auf die Einladung zur Podiumsdiskussion "Der Ball ist bunt" zeigte, bewertete Valentino Usein die Sache etwas anders. "Wir haben 40 Fußball-Vereine im Kreis Solingen, und da sehe ich 50 Zuhörer bei solch einer Veranstaltung als eher bescheiden an", erklärte der Kreisschiedsrichterobmann. Auch Frank Engels, Ressortleiter Vereine beim Solinger Sportbund, fand die Resonanz auf die Einladung enttäuschend: "Wir gehen auf die Vereine zu, laden die Vorsitzenden ein, aber die Resonanz ist gleich null." Eingeladen in den großen Saal der Kreisgeschäftsstelle in Aufderhöhe zum Thema Integration und Sport hatten die Stadtdienste Sport und Freizeit sowie Integration.

So diskutierten zum Thema Integration, Rassismus und Diskriminierung rund um den Fußballsport nur ein überschaubarer Kreis. Dabei war Necmetin Gül vom A-Kreisligisten SV DITIB, der auf dem Podium noch einmal nachdrücklich betonte, wie wichtig es ist, untereinander im Gespräch zu bleiben. "In unserem Verein reden wir viel über solche Themen miteinander. Und wir versuchen auch, außerhalb des Platzes zu helfen", sagte der Trainer. Auch Ali Soysal betonte, dass die Integration von Spielern vieler Nationalitäten beim Bezirksligisten BSC Union gut klappen würde: "Alle werden akzeptiert und toleriert." Beide Trainer betonten dann überraschend einhellig: "Es gibt aber zu viele türkische Vereine in Solingen." Was Horst Schulten vom Stadtdienst Sport mit der Frage konterte, warum es dann nicht Zusammenschlüsse, sondern - wie beim Beispiel DITIB - Neugründungen gegeben habe. "Weil wir Vereinsvertreter nicht miteinander reden", so Gül. Aber das solle in Zukunft anders werden.

  • Breitensport ist nach wie vor in
    Gespräch mit NRW-Staatssekretärin für Sport : Wenig positive Signale für Mönchengladbacher Lokalsport
  • Allofs über Super-League-Pläne : „So hätte man den Fußball kaputt gemacht“
  • Christoph Kramer hat bisher 221 Spiele
    „Vorher konnten wir das nicht“ : Kramer erklärt den Effekt der Rose-Jahre bei Borussia

Zum Auftakt des Abends hatten Horst Schulten und Aldona Gonzalez Thimm noch einmal erläutert, wie 2009 die Idee des Runden Tisches im Fußball-Sport entstanden war. Damals hatte die Stadt nämlich ihr Konzept zum Thema Sport und Integration vorgestellt, eine Lenkungsgruppe gegründet und zur ersten Diskussion eingeladen. "Wir wollen das Thema jetzt wieder anpacken. Und heute ist mit dieser Veranstaltung der Auftakt", erklärte Schulten und kündigte so an, dass der Runde Tisch jetzt regelmäßig stattfinden soll - zweimal im Jahr.

Die Einführung zum Thema "Der Ball ist bunt" gab der Berliner Fanforscher Robert Claus, der in seinem Impulsreferat das Handlungsfeld aufzeigte. Claus erinnerte auch daran, dass die Entstehung des Fußballsports in Deutschland durch Migranten geprägt war: "Zum Beispiel ist Schalke 04 von polnischen Bergarbeitern gegründet worden." Claus betonte aber nicht nur die Funktionen des Sportes, sondern benannte auch die Risiken. "Die Einstellung ,Wir gegen die Anderen' führt auf dem Platz häufig zu Diskriminierung und Abwertung."

Bei der von Andreas Schmitz moderierten anschließenden Podiumsdiskussion forderte Valentino Usein zum Umdenken auf: "Die Spieler müssen begreifen, dass kein Türke ihr Spiel pfeift, sondern ein Schiedsrichter." Nationalitäten würden bei den Schiedsrichtern keine Rolle spielen. "Bei uns zählt ausschließlich die Qualifikation auf dem Platz." 51 der 116 Unparteiischen im Fußballkreis Solingen hätten Migrationshintergrund.

Zum Abschluss der Diskussionsrunde betonte Gül dann noch einmal sein Bestreben, "alle türkischen Vereine in einen großen zu integrieren". Und Ali Soysal regte an, nicht nur die Trainer und Vereinsvorstände im Kampf gegen jeglichen Rassismus in die Pflicht zu nehmen, sondern auch die Zuschauer: "Sehr viel wird bei Spielen ja von außen hereingetragen."

(RP)