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Im Blickpunkt Das Solinger Sportjahr 2016: Der BHC beim Final Four überstrahlt alles

Im Blickpunkt Das Solinger Sportjahr 2016 : Der BHC beim Final Four überstrahlt alles

Aufstiege der Volleys und der STC-Damen, Abstiege der Herren und der Fußballerinnen der Eintracht - und ein Deutscher Meistertitel.

Dass es mindestens ein absolutes Highlight im Solinger Sportjahr 2016 geben würde, stand schon am späten Abend des 18. Dezembers 2015 fest. Denn da hatte Linksaußen Christian Hoße in einer nervenaufreibenden Partie in letzter Sekunde mit einem Dreher aus ganz spitzem Winkel den 24:23-Siegtreffer gegen den damaligen Zweitligisten GWD Minden erzielt, und so den Bergischen HC erstmals in seiner nun zehnjährigen Vereinsgeschichte ins Finalturnier um den nationalen Pokal geworfen. Das "Final Four" ist für jeden, der sich mit Handball etwas näher beschäftigt, ein Höhepunkt - so auch für mich. Als Hoße traf, habe ich mit meinem Mitarbeiter Thomas Rademacher an der aktuellen Seite gearbeitet, journalistische Distanz war da angebracht. Anderthalb Stunden später, alleine im Auto, habe ich die mit einem Freudenschrei, der mir selbst die Ohren betäubt hat, kurz verlassen. Final Four, Baby!

 Grenzenloser Jubel des BHC mit Max Weiß obenauf: Durch den 24:23-Sieg in letzter Sekunde sicherte sich der Klub die erstmalige Teilnahme am Final Four.
Grenzenloser Jubel des BHC mit Max Weiß obenauf: Durch den 24:23-Sieg in letzter Sekunde sicherte sich der Klub die erstmalige Teilnahme am Final Four. Foto: Imago

Das Wochenende 30. April/1. Mai war dann auch ein wirklich besonderes. Das erste Halbfinale ging ebenso in die Verlängerung wie das zweite, in dem der absolute Außenseiter BHC den späteren Titelgewinner SC Magdeburg am Rande einer Niederlage hatte. Erst hielt Björgvin Gustavsson in den letzten Sekunden beim Stand von 29:29 einen Siebenmeter von Robert Weber, dann hatte Rechtsaußen Arnor Gunnarsson die Chance, den BHC ins Finale zu werfen. Sein Dreher war für SCM-Keeper Jannick Green nicht zu erreichen, der Ball rutschte aber auf einer nassen Stelle am Boden weg, verfehlte sein Ziel, und so ging es in die Verlängerung, in der die Bergischen verloren. Noch am nächsten Morgen beim Frühstück war Trainer Sebastian Hinze konsterniert, er hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, haderte damit, dass Gunnarsson die Berührung von Weber beim Wurf nicht als Einladung zum Siebenmeter angenommen hätte. Doch der Isländer hatte den Siegtreffer gewollt und der BHC viele Sympathien für einen kämpferischen, mitreißenden Auftritt gewonnen, den die zahlreichen Fans in Hamburg stimmungsfroh und fair begleitet hatten.

 Magdeburgs Torwart Jannick Green kann den Dreher von BHC-Rechtsaußen Arnor Gunnarsson nicht erreichen, der Ball trudelt aber vorbei - das war's mit dem Einzug ins Pokalfinale, denn in der Verlängerung siegte der SCM.
Magdeburgs Torwart Jannick Green kann den Dreher von BHC-Rechtsaußen Arnor Gunnarsson nicht erreichen, der Ball trudelt aber vorbei - das war's mit dem Einzug ins Pokalfinale, denn in der Verlängerung siegte der SCM. Foto: Imago (Archiv)
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Zwei Wochen später feierten die Handballer wieder, diesmal war der Klassenerhalt fix. Dazu hatten sie selbst nach dem Pokal-Hit mit Siegen über Magdeburg und Lübbecke den Grundstein gelegt, die 28:29-Niederlage von Eisenach gegen Göppingen zurrte den Verbleib in der stärksten Liga der Welt auch rechnerisch fest. Am nächsten Tag, Donnerstag, 19. Mai, verkündete Viktor Szilágyi, dass er nach der laufenden Saison als Spieler aufhören und zum Sportlichen Leiter des BHC würde. Ganz ehrlich - das war ein kleiner Schock für mich. Seit Viktor in der Bundesliga ist, habe ich seine Spiele verfolgt, seine Schlagwürfe, die Täuschungen, Kreisanspiele, kurz: die ganze Ästhetik bewundert. Für mich starb an diesem Tag ein Stück Schönheit im Handball, auch wenn Viktor natürlich die Saison noch zu Ende spielte und ja inzwischen auch wieder ran muss. Trotzdem fühlte es sich damals nicht richtig an, dass dieser Ausnahmeakteur seine Karriere beendet. Und als bei seiner Verabschiedung Ende Mai Hallensprecher Christian Scheffler mit Tränen in den Augen die Stimme versagte, konnte ich das trotz aller journalistischen Distanz sehr gut nachfühlen.

 Freude mal ohne selbst an diesem Abend gespielt zu haben: Der BHC feierte in der "Cobra" am 18. Mai den nun auch rechnerisch sicheren Klassenerhalt, weil FrischAuf Göppingen beim ThSV Eisenach 29:28 gewonnen hatte.
Freude mal ohne selbst an diesem Abend gespielt zu haben: Der BHC feierte in der "Cobra" am 18. Mai den nun auch rechnerisch sicheren Klassenerhalt, weil FrischAuf Göppingen beim ThSV Eisenach 29:28 gewonnen hatte. Foto: Mak (Archiv)

Emotional ging es aber im Solinger Sportjahr 2016 nicht nur beim Handball zu. Dass die Fußballerinnen der Eintracht aus der Regionalliga abstiegen, habe ich zwar nicht unmittelbar erlebt, weil darüber für uns Michael Tesch berichtet hat, aber ein Abstieg ist nie schön - das weiß ein Sportjournalist nur zu gut. Als dann im Sommer auch noch die Herren des Solinger TC die 2. Bundesliga nicht halten konnten, hatte der Sport der Klingenstadt ein zweites Aushängeschild über die Stadtgrenzen hinaus verloren. Immerhin hielten die Damen des Klubs die Tennisehre hoch: Alle drei Mannschaften aus Widdert und die Juniorinnen stiegen auf.

 Volleys im Anflug: Der Zweitliga-Meister feierte mit Trainer Bernd Werscheck (ganz rechts) den abschließenden 3:0-Sieg bei TuB Bocholt und hatte damit den Grundstein für den Aufstieg in die Bundesliga gelegt.
Volleys im Anflug: Der Zweitliga-Meister feierte mit Trainer Bernd Werscheck (ganz rechts) den abschließenden 3:0-Sieg bei TuB Bocholt und hatte damit den Grundstein für den Aufstieg in die Bundesliga gelegt. Foto: Michael Linder (Archiv)

Zu feiern gab es auch in anderen Sportarten noch reichlich. Ich erinnere mich, wie ich Inga Hundeborns 5000-Meter-Lauf bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Kassel live im Internet-Stream der ARD verfolgt habe - ich fand die grellgelben Sportstrümpfe erst gewöhnungsbedürftig, aber während des Laufs war die LC-Athletin so wenigstens immer gut zu sehen. Beste Werbung für die Klingenstadt, wozu auch ihr guter zwölfter Rang beitrug.

 Die SG Solingen wurde Deutscher Schachmeister.
Die SG Solingen wurde Deutscher Schachmeister. Foto: TEPH (ARchiv)

Um die Schachspieler kümmerte sich bei uns Tom Rademacher, meine emotionale Bindung zu dieser Sportart muss ich wohl noch finden. Trotzdem ist mir natürlich klar, was für ein Erfolg der SG Solingen in diesem Jahr gelungen ist: Den Abonnement-Meister OSG Baden-Baden nach zehn Jahren wieder auf den zweiten Platz zu verweisen und selber Rekordchampion zu bleiben - Respekt!

 Achim Nohlen (rechts) konnte den Abstieg der Eintracht aus der Frauenfußball-Regionalliga nicht verhindern, hat das Team nun aber stabilisiert.
Achim Nohlen (rechts) konnte den Abstieg der Eintracht aus der Frauenfußball-Regionalliga nicht verhindern, hat das Team nun aber stabilisiert. Foto: Mak (Archiv)

Ich bin aber nun mal kein Denk-, sondern Ballsportler, und deshalb habe ich dann doch mehr bei den Volleys mitgefiebert. Meistens hat für uns Sonja Bick darüber berichtet, aber ein paar Spiele habe ich mitgemacht. Und beim Saisonfinale in Bocholt habe ich gesehen, wie die bereits als Meister feststehenden Volleys erst noch 3:0 gewannen und danach eine ordentliche Party aufs Feld legten. Dabei war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar, dass sie den Aufstieg auch wahrnehmen würden können, da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Bundesliga nicht reichten. Zunächst schien es so, als müsste der Klub zum zweiten Mal in Folge trotz sportlicher Qualifikation verzichten. Umso größer wurde die Spannung, als das Gerücht aufkam, Michael Kölker (Forst) würde den Volleys die beträchtliche Finanzierungslücke füllen - und als sich das bestätigte und der Aufstieg möglich war, fand ich das gut. Ich hasse es, wenn Leistung nicht entsprechend gewürdigt wird, und genau das wäre beim abermaligen Verzicht passiert. Da spielt eine Mannschaft zwei Mal hintereinander ihre Gegner an die Wand, wird Meister, kriegt aber dafür nichts als einen Pokal? Das empfinde ich als ungerecht. Für die Volleys hatte es dann ein gutes Ende. So wie mein Rückblick an dieser Stelle.

Bleibt zum Abschluss noch ein Dank an die bereits erwähnten Mitarbeiter sowie Lars Hepp und Hartmut Maus, und natürlich an alle Sportler und Vereine. Für euch der Wunsch: Findet wenn nötig wieder in die Erfolgsspur, feiert Klassenerhalt, Aufstiege, Meisterschaften. Damit es auch 2017 emotional wird.

(RP)