Baseball: Das, was man nicht sagen darf

Baseball: Das, was man nicht sagen darf

Enorbel Marquez Ramirez hat für eine echte Baseball-Rarität gesorgt. Der Pitcher der Solingen Alligators hat im ersten Spiel gegen die Bonn Capitals das geschafft, wovon jeder Werfer träumt – ein "Perfect Game".

Enorbel Marquez Ramirez hat für eine echte Baseball-Rarität gesorgt. Der Pitcher der Solingen Alligators hat im ersten Spiel gegen die Bonn Capitals das geschafft, wovon jeder Werfer träumt — ein "Perfect Game".

Dabei erreicht nicht ein gegnerischer Schlagmann die erste Base.

Als Chris Beck im vierten Inning einen scharf geschlagenen Ball aus dem Lauf fängt und mit einem spektakulären Wurf aus der Drehung an die erste Base befördert, ahnt noch niemand, dass dies der wichtigste Spielzug der Partie sein sollte. Die Kugel erreichte gerade noch rechtzeitig zum Aus die erste Platte. Hätte Beck den Spielzug etwas schlechter durchgeführt, die Bonner hätten ihren ersten Treffer gehabt — und Enorbel Marquez Ramirez wäre nie in die Nähe eines perfekten Spiels gekommen.

"Zu dem Zeitpunkt hat natürlich auch noch niemand daran gedacht", erklärt Alligators-Teammanager Peter Krüger. Das "Perfect Game" ist die größte Leistung, die ein Werfer im Baseball schaffen kann. In der mehr als 100-jährigen Geschichte der Major League Baseball, der amerikanischen Profiliga, haben gerade einmal 17 Pitcher diesen Triumph gefeiert. "Auch in der Bundesliga hat es sehr lange kein Perfect Game mehr gegeben", ist sich Alligators-Vorsitzender Lutz Träbert sicher.

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Dass Enorbel Marquez Ramirez deutsche Baseball-Geschichte schreiben könnte, ist den Alligators etwa im sechsten Durchgang aufgefallen. "Da hat dann jemand gesagt, dass Enorbel noch das ist, was man nicht sagen darf", erzählt Peter Krüger und erläutert: "Niemand darf direkt darüber sprechen, schon gar nicht das Wort 'perfekt' in den Mund nehmen. Das bringt Unglück." Der baseballerische Aberglaube ging sogar so weit, dass Ansager Guido Götze einen Anruf von Peter Krüger aus dem Dugout erhielt. "Da hat er mir das Versprechen abgenommen, dass ich bloß nichts sage, bevor es vorbei ist", sagt Götze, der in der Vergangenheit einmal den Fehler gemacht hat, über das Mikrophon zu erwähnen, dass ein Werfer bislang noch auf gutem Weg zu einem "Perfect Game" sei. "Direkt danach kam der Gegentreffer. Seitdem weiß ich Bescheid", lacht der Sprecher.

Obwohl die Alligators längst 9:0 führten, war die Anspannung unverändert. Jeder wusste schließlich auch ohne Ansage, um was es ging. Niemand wollte den entscheidenden Fehler machen, der dem Werfer den perfekten Tag noch vermiesen könnte. Der geborene Kubaner war jedoch fast gar nicht mehr angewiesen auf seine Mitspieler. Von den letzten sechs Bonner Schlagleuten schickte Marquez Ramirez fünf per Strike-out zurück auf die Bank. Der Pitcher hat es tatsächlich geschafft — und plötzlich sprach auch jeder darüber.

Nebenrolle für den Angriff

Die Offensive der Alligators musste zwar für die nötigen Punkte zum Sieg sorgen, spielte bei Enorbel Marquez-Ramirez' Mission jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Auffallend stark am Schlag präsentierten sich Chris Beck und Dominik Wulf, der den Punkt zur Führung bereits im ersten Durchgang mit einem schönen Treffer erzielt hatte.

(RP)
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