Judo : Das neue Judo-Leben

Ein halbes Jahr vor Ende der Ausbildung stellt sich die Frage: Leistungssport oder Beruf? Weil die Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft fehlte, entschied sich Patrick Schweitzer, als Judoka kürzer zu treten – mit positiven Folgen.

Ein einziger Kampf hat Patrick Schweitzers sportliche Laufbahn radikal verändert. Es war bei den Deutschen Meisterschaften in Wuppertal vor gut anderthalb Jahren, als eine umstrittene Entscheidung des Mattenrichters den Solinger Judoka zum Verlierer machte. „Hier hat die ganze Misere angefangen“, blickt der 25-Jährige auf seine prägende Niederlage zurück. Statt mit der angestrebten Medaille in der Tasche ist Patrick Schweitzer mit einem Kopf-Problem nach Hause gefahren. „Im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass ich mir danach Druck aufgebaut habe, zwingend erfolgreich sein zu müssen.“ Ein Jahr war ihm damals geblieben, um als Judoka so erfolgreich zu werden, um fortan als Leistungssportler leben zu können.

Die Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft, die eine finanzielle Förderung bedeutet hätte, aber blieb Patrick Schweitzer verwehrt. Unter dem Erfolgsdruck, den sich der Solinger gemacht hatte, schwankten die Leistungen und Ergebnisse, mit denen er noch selten zufrieden war. „Weil man im Judo kein Geld verdient, musste ich einen neuen Schwerpunkt setzen.“ Als Auszubildender hatte der Speditionskaufmann auf die Unterstützung seines Chefs zählen können, jetzt wolle er dessen guten Willen nicht weiter zu sehr strapazieren. „Also mache ich in erster Linie meinen Job und als Judoka nur noch das, was ich wirklich will.“ Die Zahl der Turniere, auf denen er zu finden ist, ist auf ein Minimum gesunken. Feste Termine sind lediglich die Wettkampftage in der deutschen Bundesliga sowie in der belgischen Liga, wo er für Hertha Walheim beziehungsweise den Judo-Club Visé jeweils in der Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm gemeldet ist.

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Seitdem Patrick Schweitzer innerlich mit dem Kapitel abgeschlossen hat, einer der ganz Großen in seiner Sportart werden zu können, „läuft‘s komischerweise wieder“. Schweitzers neues Prinzip: „Ich mache das für mich selber und habe Spaß am Sport. So lange sich dabei der Erfolg – ohne Druck – einstellt, ist das in Ordnung.“ Und zum Spaß gehört auch weiterhin das tägliche frühe Aufstehen, an dem Patrick Schweitzer in seinem neuen Judo-Leben nicht gerüttelt hat. Morgens um halb sieben trifft sich der Schwarzgurt-Träger mit weiteren Judoka zum Krafttraining in einem Wuppertaler oder Solinger Fitnessstudio. Und nach der Arbeit wird drei bis vier Mal auf der Matte trainiert. „Ich kann im Moment noch nicht sagen, dass ich ohne Judo leben könnte.“

Das gilt insbesondere für seinen Einsatz in der Judo-Bundesliga, den Patrick Schweitzer nach der letztjährigen Saison in Frage gestellt hatte. In der Hauptrunde der Zweiten Liga hatte er für den Aachener Vorstadt-Klub Hertha Walheim nur einen Kampf mit einem Unentschieden beendet, alle weiteren gewonnen – trotz dieser ausgezeichneten Bilanz wurde ihm in der Aufstiegsrunde zur Ersten Liga ein ausländischer Athlet vor die Nase gesetzt. Eine Entscheidung, die Schweitzer bitter aufgestoßen ist. „Mir geht es keineswegs ums Geld. Ich will einfach nur kämpfen.“ Und so machte der Solinger eine Verlängerung seines Engagements in Walheim von einer Einsatzgarantie abhängig.

Morgen Abend wartet auf Patrick Schweitzer und seine Teamkollegen das erste Heimspiel der Saison. „Ohne die Bundesliga würde mir etwas fehlen“, erklärt der Solinger. Die besondere Atmosphäre, von der Stimmung unter den 200 bis 500 Zuschauern getragen zu werden, genießt der 25-Jährige ebenso wie die obligatorische Party zum Abschluss eines jeden Wettkampftages. „Wir sind zwar ein bunt zusammen gewürfelter Haufen, aber menschlich passt das hervorragend.“

(RP)